Früher war Claus Krenzlin Stammgast in der einzigen Schornbacher Kneipe – seit 2014 steht er als Wirt hinter der Theke. Für viele Besucher ist der alte Keller wie ein zweites Wohnzimmer. Das hat seine Gründe.

Fellbach: Eva Herschmann (eha)

Schorndorf - Für viele Schornbächer, wie die echten Einheimischen des Schorndorfer Stadtteils heißen, ist das Kelterle in der Talauenstraße wie ein zweites Wohnzimmer. Für alle anderen ist der Gewölbekeller mit Natursteinwand und, sobald es die Temperaturen zulassen, einem Außenbereich unter geräumigem Carport, ein Geheimtipp. Wer in lockerer Atmosphäre bei entspannten Gesprächen und – auch als neuer Gast – in schon bald vertrauter Runde ein Glas Bier oder Wein trinken will oder Lust auf eine Spielerunde hat, ist hier richtig. Bei Claus Krenzlin, der das Kelterle seit 2014 bewirtet, darf sich jeder wie Zuhause fühlen. „Mein Spitzname ist Opa“, verrät er grinsend. Der 72-Jährige kommt damit klar, schließlich ist er tatsächlich längst Großvater.

Zum Kelterle in Schornbach gelangt man durch einen runden Torbogen und eine alte Holztür hindurch und ein paar Stufen hinunter. Das Mobiliar unter dem natursteinernen Gewölbe ist dunkel. Ein paar Hingucker hängen an den alten Wänden. Auffallend ist, dass der gesamte Gastraum ausschließlich Thekensitzplätze bietet. Gewöhnliche Tische und Stühle gibt es im Kelterle nicht, stattdessen runde und längliche Theken aus Holz und Barhocker.

Wegen Corona sind die Öffnungszeiten reduziert

Ich weiß noch, wie ich als Bub in diesem Gewölbekeller die Mostfässer, die hier lagerten, ausgewaschen habe“, erzählt der Wirt. Damals gehörten Haus, Hof und Keller einer älteren Frau, die Schneiderin war. Anfang der 90er-Jahre wurde im großen, schönen Gewölbe die Dorfkneipe Kelterle er öffnet. „Der Name kommt von der Kelter, die gleich nebenan ist“, sagt Claus Krenzlin und reicht einem Stammgast eine Lesebrille, von denen er einige in verschiedenen Stärken griffbereit hinter der Theke liegen hat. Von Anfang an war das Kelterle ein wichtiger sozialer und kultureller Treffpunkt im Ort. Claus Krenzlin war Stammgast, bis er das Lokal vor sieben Jahren übernommen hat. „Es ist mehr Hobby als Beruf. Aber leisten kann ich mir das Hobby nur, wenn ich schwarze Zahlen schreibe. Draufzahlen will ich auch nicht“, sagt der studierte Maschinenbauer, der im Bereich Dentaltechnik selbstständig tätig ist. Und in Coronazeiten sei dies leider der Fall. „Aber meine Stammgäste halten mir die Treue, deshalb halte ich offen.“ Bedingt durch die Coronapandemie im Moment mit reduzierten Öffnungszeiten, nicht mehr jeden Tag, sondern nur von donnerstags bis sonntags.

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Für Claus Krenzlin ist und war das Kelterle in seinem Heimatort eine der Konstanten in seinem recht bewegten Leben. Bedeutung hat die Keller-Dorfkneipe, die offiziell als Weinstube geführt wird, nicht nur für ihn. „Das Kelterle in Schornbach ist für viele Leute lebensnotwendig“, sagt Bernd Brecht, ein Stammgast. Mit einem Augenzwinkern zwar, aber er meint, was er sagt. Abgesehen davon, ergänzt er, gebe es keine andere Kneipe in Schornbach, in der sich die Jungen und die schon etwas Älteren treffen könnten. „Wir haben zu 90 Prozent Stammgäste. Die machen das Kelterle aus“, sagt Claus Krenzlin.

Das Kelterle hält auch eine Auswahl an Spielen bereit

Wenn es draußen kalt ist, hocken also nun seit Jahren schon die fast immer gleichen Gäste im gemütlichen Gewölbekeller beieinander, bei schönem Wetter, aber auch wenn es regnet, gibt es ergänzend noch eine bewirtete Zone an der frischen Luft. Statt fahrbarer Untersätze stehen dann Tische und Bänke im überdachten Bereich direkt an der Straße. Dann hockt man gerne auch dort. Schließlich hängt auch die Dartscheibe im Freien. Drinnen wie draußen sind aber auch Karten-, Würfel- und Brettspiele angesagt. „Mit den Jahren haben wir eine schöne Spielesammlung zusammenbekommen.“

Eine gemütliche Raucher-Weinbierkneipe

Serie
 In unserer Serie Lokalrunde schreiben wir in unregelmäßigen Abständen über Kneipen in der Region Stuttgart. Die Auswahl der Bars treffen unsere Autoren. Sie ist subjektiv und erhebt – angesichts der reichhaltigen Kneipenkultur in der Region – keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Service
 Das Kelterle, Talauenstraße 23 im Schorndorfer Stadtteil Schornbach, ist eine gemütliche kleine Raucher-Weinbierkneipe, in der der Wirt für hungrige Gäste ein kaltes Vesper bereitet. Für gewöhnlich hat das Kelterle täglich von 16 Uhr an geöffnet, freitags und samstags bis 3 Uhr, sonst bis 1 Uhr. Derzeit ist allerdings coronabedingt nur von Donnerstag bis Sonntag offen. Mehr zum Kelterle gibt es auf der Facebookseite www.facebook.com/kelterle23.

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