Kennedy vor 60 Jahren „Ich bin ein Berliner“

US-Präsident John F. Kennedy (1917 bis 1963) vor dem Rathaus Schöneberg. Foto: dpa/dpa Fotografen

Das Bekenntnis des US-Präsidenten John F. Kennedy vor 60 Jahren wird zu einer Wendemarke im Kalten Krieg. Viele Berliner haben es als Befreiung empfunden.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Armin Käfer (kä)

Unter den Zitaten, die als rhetorische Meilensteine die deutsche Geschichte markieren, hat eines besondere Macht entfaltet, gerade weil es zwar auf Deutsch, aber von keinem Deutschen ausgesprochen wurde – John F. Kennedys Bekenntnis: „Ich bin ein Berliner!“ Das ist nun 60 Jahre her. Doch der Satz hallt bis heute nach.

 

Berlin war damals Frontstadt des Kalten Kriegs, östlichster Vorposten des freien Westens. Zwei Jahre zuvor hatten die Westmächte tatenlos zugesehen, wie quer durch die Stadt eine Mauer errichtet wurde, die sie fast drei Jahrzehnte lang teilen sollte. Die Berliner reagierten enttäuscht, verbittert, dass auch die Schutzmacht USA nichts dagegen unternehmen wollte. US-Präsident Kennedy, gerade ein paar Monate im Amt, schrieb seinerzeit an den Regierenden Bürgermeister Willy Brandt: „Was hier passiert, kann nur durch Krieg geändert werden. Und niemand will Krieg.“

Bei seinem Deutschland-Besuch 1963 machte er alles wett. 400 000 Menschen hörten vor dem Schöneberger Rathaus sein Bekenntnis, zunächst auf Englisch: „Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger Berlins, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf, sagen zu können“, dann kam der legendäre Satz auf Deutsch, den viele Berliner wie eine Befreiung erlebt haben.

Kennedys Formel in Anlehnung an einen berühmten Spruch des römischen Redenschreibers Cicero („Civis romanus sum“) sei „mehr als nur eine individuelle Geste“ gewesen, so der Historiker Andreas Daum. Er habe „die kollektive, freiwillige und bewusste Verpflichtung der Vereinigten Staaten“ bekundet, Berlin zu schützen, als sei es Teil des amerikanischen Staatsgebiets. Der Entspannungspolitiker Egon Bahr fasste den Effekt so zusammen: „Seitdem ist nichts mehr Ernstes gegen diese Stadt passiert.“

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