Kennzeichnung von Fleisch Woher kommt das Steak auf dem Teller?

Was bei Eiern schon lange gängig ist, könnte auch bei Fleisch die Haltungsbedingungen transparenter machen. Die Lebensmittelkennzeichnung von Fleisch kann helfen. Foto: dpa
Was bei Eiern schon lange gängig ist, könnte auch bei Fleisch die Haltungsbedingungen transparenter machen. Die Lebensmittelkennzeichnung von Fleisch kann helfen. Foto: dpa

Woher kommt unser Fleisch? Wie kann man an der Kühltheke erkennen, ob die Sauen tiergerecht gehalten wurden? Bislang gar nicht. Der Südwesten will das nun ändern. Als Vorbild könnten die Zahlen auf den Eiern dienen.

Stuttgart - Nach Berichten über teils mangelhafte Zustände in der deutschen Nutztierhaltung fordert Baden-Württemberg eine klare Kennzeichnung für die Herkunft von Fleisch. Die Verbraucher hätten noch viel zu wenige Möglichkeiten, gezielt Fleisch aus Betrieben mit tiergerechter Haltung zu kaufen, monierte Verbraucherminister Alexander Bonde (Grüne) am Donnerstag in Stuttgart. Das Land wolle sich bundesweit für eine einfache und leicht verständliche Kennzeichnung der Haltungsform einsetzen.

Schnabelkürzen bei Geflügel, Schwänzekürzen bei Ferkeln, Töten unzähliger Ferkel - Reportagen aus der deutschen Nutztierhaltung schrecken regelmäßig auf. "Wir sind froh, dass riesige Tierhaltungsanlagen mit allen daran hängenden Problemen in unserem Land keine Rolle spielen", sagte Bonde. Dennoch wolle er sich bundesweit dafür stark machen, dass die Verbraucher eine Chance haben, gezielt Fleisch aus Betrieben zu kaufen, "wo das Tierwohl gegeben war". Das müsse "auch im Interesse der Bundesregierung liegen", sagte der Agrarexperte der Grünen, Bernd Murschel.

Eier-Beschriftung könnte als Vorbild dienen

Bei der Kennzeichnung von Fleisch könnten die vier Kategorien bei Eiern als Vorbild dienen, sagten Bonde und Baden-Württembergs Landestierschutzbeauftragte Cornelie Jäger. Für Eier gelten nach EU-Vorgaben seit 2005 Kennzeichnungsregeln sowohl für die Herkunft als auch für die Haltungsbedingungen. Eine 0 am Beginn der auf jedem Ei aufgedruckten Zahl bedeutet, dass es sich um ein Öko-Ei handelt. Die 1 steht für Freilandhaltung, die 2 für Bodenhaltung und die 3 für Käfighaltung.

Auch beim Fleisch müsse es eine solche einfache Kennzeichnung geben, sagte Jäger. Nur dann werde es auch angenommen. Unterschieden werden könne von der Bio-Haltung bis zu einer Haltung nach den gesetzlichen Mindeststandards. Dazwischen könne man das Fleisch kennzeichnen, bei dem die Tiere irgendeine Art von Freilauf hätten. Zudem könne man honorieren, wenn die Tiere mehr Platz hätten, als gesetzlich vorgeschrieben. "Das Ganze muss auch leicht zu kontrollieren sein."

Die Bauern stehen der Kennzeichnung nicht abgeneigt gegenüber. "Der Verbraucher soll wissen, was er kauft", sagte eine Sprecher des Landesbauernverbands. Grundsätzlich sei man für Transparenz, weil das auch eine Chance für die heimischen Produkte sei. Allerdings dürfe das Ganze nicht zu höherer Bürokratie oder gar zu höheren Kosten für die Landwirte führen. "Ihr Preisdruck ist schon groß genug."

Discounter leisten sich Preisschlacht - auf Kosten der Tiere

Beim Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie, der die Hersteller von Wurstwaren vertritt, hieß es in einer ersten Reaktion: Auch ohne neue staatliche Kennzeichnungen müsse man erwarten können, dass die Tierhaltung den Vorschriften und Gesetzen entspreche und dies auch kontrolliert werde. "Dies gilt besonders dann, wenn wie bei Biofleisch auf dem Etikett auf besondere Haltungsformen hingewiesen wird", sagte eine Sprecher in Bonn.

Das Hauptproblem seien bislang die Discounter, monierte die Landestierschutzbeauftragte. "Die liefern sich eine Preisschlacht zulasten der Tiere." Passend dazu wurden Forderungen nach einem Mindestpreis für Fleisch aus Gründen des Tierschutzes laut. Die zusätzlichen Einnahmen könnten höhere Tierschutzstandards auf den Höfen finanzieren, sagt der Vorsitzende der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, Thomas Blaha, der Nachrichtenagentur dpa. Initiativen auf freiwilliger Basis seien zu zaghaft, kritisierte der Professor der Tierärztlichen Hochschule Hannover.