Kernen im Remstal Einen Sekt auf den Stern und weiter geht’s

Joannis Malathounis freut sich über die Auszeichnung. Foto: Simone Käser
Joannis Malathounis freut sich über die Auszeichnung. Foto: Simone Käser

Anna und Joannis Malathounis vom gleichnamigen Restaurant sind vom Guide Michelin ausgezeichnet worden.

Fellbach: Simone Käser (sk)
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Stetten -

Wenn er abschalten will, setzt sich Joannis Malathounis auf seine Harley. Wenn ihm der Fahrtwind auf dem Motorrad den Kopf frei bläst und er die Natur riecht, kann der 51-Jährige Kräfte sammeln. Und die kann er brauchen. Der gebürtige Stuttgarter, der im Remstal aufgewachsen ist, führt das Restaurant Malathounis in Stetten als Zwei-Mann-Betrieb. Heißt: keine Küchen- und keine Servicekräfte – nur seine Frau Anna und er.

Dass das funktioniert, beweisen zahlreiche Auszeichnungen. Jetzt ist eine weitere große, wenn nicht die größte dazugekommen, ein Michelin-Stern. Und was macht das Gastronomenpaar? Kurz mit einem Glas Sekt anstoßen und weiter geht’s. „Klar haben wir uns sehr gefreut und tun es noch immer. Aber der Anruf kam abends, wir hatten Gäste und der Betrieb sollte natürlich ganz normal weiter laufen.“

Für die kommende Zeit sind keine Neuerungen geplant

Auch für die kommende Zeit sind keine Neuerungen geplant. Anna und Joannis Malathounis wollen weder das Preisniveau anheben, noch weitere Kräfte einstellen oder etwas am Konzept – moderne mediterrane Gerichte ohne Sahne und Butter, deren Wurzeln in der traditionellen griechischen Küche liegen – verändern. „Wir haben den Stern ja dafür bekommen, was wir machen. Und außerdem kochen wir nicht für Gastroführer, sondern für unsere Gäste“, sagt Joannis Malathounis. Und es bestehe auch keine Gefahr, dass sie nun abheben, fügt der Sterne-Gastronom dazu.

Das nimmt man dem sympathischen Mann mit den griechischen Wurzeln sofort ab. Er mag es bodenständig, spielt gern Gitarre, und wenn er nicht selbst kochen muss, ist er ein unkomplizierter Esser. Nur Schnecken und Insekten kriegt er nicht runter. An den Ruhetagen geht er mit seiner Frau Anna und Sohn Konstantin essen. „Privat habe ich keine Lust zu kochen.“

Das heißt, Joannis Malathounis gönnt sich mit seiner Familie oft einen Restaurantbesuch. In seinem Gasthaus in Stetten kocht er eher für die Gäste, die Essengehen mit einem besonderen, seltenen Ereignis, beispielsweise einem Hochzeits- oder Geburtstag, verbinden. Ihm ist wichtig, dass es für jeden erschwinglich ist, dass jeder satt wird und dass die Qualität gleichbleibend gut ist. „Die Produkte müssen erstklassig und die Gerichte kontinuierlich auf dem gleichen Niveau sein, egal ob das Haus voll oder nur ein Tisch besetzt ist.“ Wenn es mal nicht so sei, wünsche er sich, dass ihm die Gäste das sagen, statt draußen zu schimpfen, sagt der 51-Jährige.

Bevor er die Kochlaufbahn einschlug, begann Joannis Malathounis ein Studium der Vermessungstechnik

Bevor er die Kochlaufbahn einschlug, begann Joannis Malathounis ein Studium der Vermessungstechnik. Als ihm klar wurde, dass das nicht das Richtige ist, besann er sich auf seine Wurzeln. „Bei uns war vor mir niemand in der Gastronomie, aber es wurde schon immer viel gekocht. Ich dachte mir, das könnte ich mal probieren.“ Er bewarb sich im Restaurant Ochsen in Stetten und dann ging alles Schlag auf Schlag. Die verkürzte Lehre schloss er als einer der fünf Besten in Baden-Württemberg ab. Danach folgten die Wanderjahre in verschiedenen Sterne-Restaurants. Wieder zurück in der Heimat tat sich die Chance auf das jetzige Restaurant auf. Das war 1993. „Wir waren sehr jung und haben uns durchgebissen.“

Bis sie das Haus in der Gartenstraße 2001 kaufen konnten, führte das Paar den Betrieb unter dem Namen Weinstube Bayer. „Von dem Moment an, als es Malathounis hieß, fingen wir an, in die heutige Richtung der Küche umzustellen.“




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