Kernen saniert seine Ruine Die Yburg dampft, es brennt nicht

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Die Standdauer von ungefähr 700 Jahren, davon schon ungefähr die Hälfte als Ruine, hat der Yburg arg zugesetzt. Die Steinschlaggefahr ist inzwischen beseitigt, jetzt wurde sie gereinigt – ein seltsames Bild bot sich.

Dampfschwaden wabern um die Yburg in Kernen-Stetten. Foto: Dieter Binder
Dampfschwaden wabern um die Yburg in Kernen-Stetten. Foto: Dieter Binder

Kernen-Stetten - - Nein, das alte Gemäuer der Yburg brennt nicht, es ist nicht entflammbar. Aber so verraucht wie auf dem Foto des Stetteners Dieter Binder hat sie in diesen Tagen ausgesehen. Der Eindruck hat natürlich getrogen: Auf dem wieder aufgestellten Gerüst hat einer der Restauratoren die Fassade abgedampft, um sie zu säubern, und so keine Rauch-, sondern eine Dampfwolke erzeugt.

Die Schwaden illustrieren ebenso wie das wieder auf der Nordwest- und der Nordostseite aufgestellte Gerüst, dass der Sanierungsplan Bürgermeister Stefan Altenbergers zeitlich nicht aufgegangen ist. Bis zur Stallwächterparty für die erhofften Sponsoren, Planer und Entscheider der Remstal-Gartenschau 2019, die im August vor der historischen Kulisse stattfinden sollte, ist der erste Bauabschnitt der Yburg-Sanierung nicht fertig geworden. Für die Party, die kürzlich auch zu kritischem Nachfragen im Gemeinderat wegen ihrer nach wie vor unklaren Kosten führte, war das verhüllende Gerüst abgebaut worden, ohne das die Arbeiten schon abgeschlossen gewesen wären. Dies hat sich auch noch als sinnlos herausgestellt: Dummerweise hat es am Tag der Party so geregnet, dass das Ereignis dann doch in der Glockenkelter stattfand.

Ausgewaschener Mörtel

Thomas Bauer von der Gemeindeverwaltung Kernen nennt eine unerwartete Entdeckung als Grund dafür, dass sich die Sanierung in die Länge gezogen hat. Solche mehr als einen halben Meter dicke Burgmauern sind im Mittelalter als innere und äußere Schale gebaut worden, dazwischen aufgefüllt mit Bruchsteinen und Mörtel, der beide Mauerteile zusammenhalten sollte. Aus unbekannten Gründen hat dieser vermörtelte Innenbereich der Yburg-Wände teilweise gefehlt. Er war möglicherweise ausgewaschen worden oder ist schon zur Bauzeit im frühen 14. Jahrhundert nicht fachgerecht ausgeführt worden. Damit sich die Wand in den nächsten Jahren und Jahrhunderten nicht ausbeult, musste zwischen den beiden Mauerteilen wieder eine verbindende Zwischenschicht hergestellt werden.

Steinfestiger soll verhindern, dass der Sandstein verwittert

Die jetzt erfolgte Säuberung des alten Gemäuers war laut dem stellvertretenden Bauamtsleiter Thomas Bauer nötig, damit ein weiterer wichtiger Schritt der Yburg-Sanierung auf diesen beiden, dem Ort zugewandten Seiten beginnen kann. Die Sandsteine werden, vereinfacht gesagt, imprägniert. Ein Steinfestiger wird aufgesprüht. Thomas Bauer weist darauf hin, dass Sandstein mit der Zeit verwittert. Die Sandsteinköpfe blättern ab: „Eine Imprägnierung kann diesen Vorgang stark bremsen.“ Anschließend sollen noch die Fugen nachgearbeitet werden. Bestehende Vertiefungen werden mit Fugenmörtel ausgeputzt. Dieser Kalkmörtel bröckelt wegen des durchfeuchteten Gesteins der Ruine, in die es immer ja reinregnet, ebenfalls ab und wird in einer verbesserten Zusammensetzung erneuert, so dass die Feuchtigkeit austreten kann und mit diesem Vorgang auch die seit einiger Zeit beklagte Salzbelastung des Gemäuers abgesenkt wird. Um diesen Vorgang zu beschleunigen, wird dieser Fugenputz voraussichtlich alle paar Jahre abgeschlagen und erneuert.

Noch nicht zufrieden zeigte sich der Bauamtsleiter Horst Schaal der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Kernen mit der neuen, erkennbar veränderten Fugenfarbe. Auch hier soll während der Sanierungsphase noch nachgebessert werden, kündigte der Beigeordnete an.




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