Kernen Trauben für den Jungfernwein

Von Harald Beck 

Nach drei Jahren werden im Stettener Museumswengert erstmals jene alten Rebsorten gelesen,, die eigentlich schon beinahe ausgestorben sind.

Etwa 150 Kilo Trauben vom Museumswengert sind am Ende im Zuber. Foto: Gottfried Stoppel
Etwa 150 Kilo Trauben vom Museumswengert sind am Ende im Zuber. Foto: Gottfried Stoppel

Kernen - Strahlender Sonnenschein – viel schöner könnte die erste Lese im vor drei Jahren angelegten Museumswengert unterhalb der Stettener Y-Burg kaum sein. Auf rund drei Ar Fläche stehen dort insgesamt 15 verschiedene rote und weiße Rebsorten, die in den vergangenen 800 Jahren in Württemberg heimisch waren, inzwischen in den Weinbergen längst ausgestorben sind. Schapatna, die Ahorntraube, gehört dazu, oder Heunisch, die Muttersorte von Riesling und Chardonnay. Die Sorte Reuschling ist mit dabei oder Reben mit Namen wie Putzschere, Gelber Orleans, Frühroter Malvasier, Adelfränkisch und Honigler. Ihr Erhalt ist der Sinn des Museumswengerts und die Sicherung der Artenvielfalt im Wengert.

Ein Rebensammler als Glücksfall

In der Pfalz sind Biowengerter Jochen Beurer und seine Mitstreiter vom Stettener Verein Allmende auf der Suche nach den alten Sorten fündig geworden. Andreas Jung sammelte dort Reben – „ein Verrückter“ sagt Allmendevorsitzende Ebbe Kögel und ein echter Glücksfall für das eigene Projekt Museumswengert. „Wer weiß, ob wir nicht irgendwann das Genmaterial dieser alten Sorten brauchen, wenn wieder eine Krankheit auftauchen sollte, gegen die die jetzt üblichen Sorten nicht resistent sind.“

Leicht hat es Jochen Beurer den Pflanzen zwischen den im Rahmen des Trockenmauerprojektes der Allmende-Aktivisten sorgfältig wieder in Stand gesetzten Mäuerchen des Schlössleswengert nicht gemacht. Sie wurden direkt in die Begrünung gepflanzt, mussten sich dort quasi gegen pflanzliche Konkurrenz behaupten. Das verzögert zwar die Entwicklung, „aber die Stöcke müssen sich durchsetzen, das stärkt die Widerstandskraft“, sagt Beurer.

Im dritten Jahr tragen die im November 2009 gepflanzten Stöcke nun erstmals, nachdem sie im Jahr zuvor schwer unter dem Frost gelitten haben. Etwa 150 Kilogramm Trauben haben die zehn Lesehelfer am Ende im Zuber. Im Schnitt bringen diese ein Mostgewicht von stattlichen 90 Grad Oechsle auf die Waage. Entsprechend der alten Gepflogenheiten beim schwäbischen „Gemischten Satz“ werden die roten und die weißen Trauben gemeinsam gekeltert und im Weingut Beurer zum Jungfernwein des Stettener Museumswengerts ausgebaut. Dieser Schillerwein soll dann im kommenden Frühjahr präsentiert werde, zusammen mit dem Fotobuch „Rettet die Reben“, das die Geschichte des Museumwengerts und die dort wieder heimisch gewordenen Rebsorten dokumentiert.

Kopferziehung und Dreischenkeltechnik

Dort, wo jeweils drei Stöcke der alten Sorten wie Affentaler oder Kleinweiß und ein etwas größerer Bestand an Honigler stehen, ist auch optisch klar, dass es sich bei der Anlage nicht um einen normalen, modernen Weinberg handelt. Denn in einem Teil der Parzelle werden die Stöcke, wie es früher üblich war, an Einzelpfosten gebunden. Sie stehen nicht senkrecht zum Hang, angeordnet in Drahtanlagen, sondern in waagrechten Reihen.

Für die traditionelle „württembergische Kopferziehung“ mit drei Ruten, die mittels der so genannten Dreischenkeltechnik an den Pfosten befestigt werden, ist hier im Schlössleswengert Senior Siegfried Beurer zuständig, der diese Technik einst noch praktiziert hat. Auch gebunden wird im Stettener Museumsweinberg auf die traditionelle alte Art – mit „Raaschaub“ (Pfeifengras) und mit Weidenruten.




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