Stadtkind Stuttgart

"Kesselrollen"-Crew aus Stuttgart Dynamik, Dynamos, Doku

Von Tanja Simoncev 

Zum Nachdenken anregen und ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit schaffen, wollen die beiden Filmer Felix Länge und Roman Högerle. Die beiden leidenschaftlichen Biker aus Stuttgart-Ost planen die Doku "Kesselrollen" über die Radszene im Kessel. Jetzt fehlt nur noch ein bisschen Geld, um Equipment und Technik zu organisieren.

We see them rollin: Die Filmer und Fahrrad-Freunde Felix Länge und Roman Högerle (v.li.).  Foto: Tanja Simoncev 5 Bilder
We see them rollin: Die Filmer und Fahrrad-Freunde Felix Länge und Roman Högerle (v.li.). Foto: Tanja Simoncev

Stuttgart - "Uns ist wichtig, dass die Stadt, in der wir wohnen, lebenswert ist", sagen Roman Högerle und Felix Länge aus Stuttgart-Ost. Zwei, die sich super verstehen und top ergänzen. Zwei, die gern und fast immer mit dem Rad unterwegs sind. Zwei, die eine dreißigminütige Dokumentation mit dem Namen "Kesselrollen" planen. Was dahinter steckt? Zunächst einmal vor allem die Critical Mass (CM) - ein Event, bei dem sich hunderte Radfahrer jeden Monat dafür einsetzen, dass Stuttgart fahrradfreundlicher wird und wo sich die beiden Filmschaffenden kennengelernt haben. Und was noch? "Die Lust mal wieder einen Film zu machen", sagt Roman. Der 32-Jährige, der in Konstanz Medienwissenschaften studiert hat und seit 2011 beim Filmbüro Baden-Württemberg arbeitet, habe die CM sofort als spannendes Filmprojekt empfunden. Von der Mutti mit ihren Kids bis hin zum Hipster und seinem Fixi würden alle mitradeln. Und Felix, der sich gerade in den Endzügen seiner Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton befindet, ergänzt: "Wir wollen das, wovon wir so begeistert sind, nun einfach nach außen tragen."

Bewusstsein schaffende Biker

Zur Begeisterung trägt wohl auch ein bisschen dazu bei, dass man hinter Stuttgart, einer berühmt berüchtigten Autostadt, nicht direkt so eine starke Rad-Szene vemutet hätte. "Als ich das erste Mal bei der Critical Mass mitgefahren bin, hatte ich mit maximal fünfzig Teilnehmern gerechnet", erinnert sich Felix. Dass es weit mehr, manchmal sogar rund 650 Biker seien, die mitfahren würden, hätte ihn mehr als positiv überrascht. Und dieser Einsatz sei wichtig, vor allem für Radfahrer und Fußgänger. Denn die Straßeninfrastrukter mache den Weg sprichwörtlich steinig und schwer. "Alles hier ist auf das Auto ausgerichtet", betont Roman. Radwege, die ins Nirvana führen, machen die Sache auch nicht besser. Deshalb fährt Felix auch nicht auf Radwegen, weil sie ihm schlichtweg zu gefährlich sind. "Wir wollen aber auch nicht sagen, dass Autos generell sinnlos sind", so der 21-Jährige weiter.

Es gehe den beiden vordergründig einfach darum, ein Bewusstsein zu schaffen. Stichwort: Feinstaubalarm. "Man könnte der Problematik locker mit Fahrgemeinschaften oder noch mehr Elektro-Cars entgegen wirken", findet Roman, den es ärgert, dass so viele Menschen allein im Auto sitzen. Neunzig Prozent ihrer Lebensdauer würden die Fahrzeuge sowieso nur herumstehen, das sei statitisch bewiesen - "keine gute Bilanz", so die beiden. "Und was man mit dem Platz alles machen könnte, wofür man ihn nutzen könnte, das zeigt z.B. der Parking-Day ganz gut", betont Felix. Dieser werde neben vielen anderen "unglaublich guten Aktionen" im Film ebenfalls beleuchtet. Mit dabei sind neben der Critical Mass, dem Aushängeschild der Doku, außerdem u.a.Lastenrad Stuttgart, das kleine Parkraumwunder, Fahrräder für Afrika, eine Organisation, die alte Räder fit macht und nach Afrika bringt, BasisHobbyhimmel, PlusradOK Lab Stuttgart und viele mehr. Hauptsächlich würden aber Biker, die bei der CM mitfahren und die man auf der After-Mass besser kennengelernt hätte, portraitiert und ihre Beweggründe dafür beleuchtet, so Roman.

Sozialer Support

Mit dem Auseinandersetzen und Hinterfragen der Fahrradsituation in Stuttgart, sei den beiden auch das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger geworden. Man denke nun z.B. auch anders über Ernährung nach und wolle diesen sozialen Grundgedanken, von der Quantität zur Qualität zurückzukommen, weitergeben. "Nur wenn die Leute zum Nachdenken gebracht werden, kann sich was ändern", betonen die beiden. Man wolle schlichtweg die Alternativen zum Autofahren aufzeigen und damit auch wie attraktiv diese seien, ohne dabei in die öde Öko-Ecke abzudriften. Jetzt sammeln die beiden aber erst einmal support. Denn noch sind die Biker-Boys a.k.a. die Kesselrollen-Crew in der Crowdfundingphase - bis Samstagnacht kann gespendet werden. Man wolle sich mit dem Geld gutes Equipment ausleihen und kaufen können. "Neben der Premiere wird der Film jedem kostenlos im Internet verfügbar sein. Die Technik soll uns ermöglichen, das Ganze in einer professionellen Qualität auf die Beine zu stellen", so Felix.  

Auf der Startnext Page suchen die beiden nach Unterstützern. Wer später noch helfen will und den Film-Freunden finanziell oder sonst wie unter die Arme greifen will, kann die beiden gern kontaktieren: kesselrollen@posteo.de.