Kettenhäuser im Korinnaweg Seltene Einblicke beim Tag des Denkmals

Treppen und Schrägen ermöglichen ungewöhnliche Raumeindrücke. Foto: Achim Zweygarth
Treppen und Schrägen ermöglichen ungewöhnliche Raumeindrücke. Foto: Achim Zweygarth

Mehrere Ebenen und schiefe Wände: Am Tag des Denkmals konnten Besucher die Kettenhäuser besichtigen - und stießen dabei auf so manche Überraschung.

Bad Cannstatt: Annina Baur (ani)
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Stuttgart - Mehrere Ebenen, schiefe Wände, Dachschrägen und ungewöhnliche Grundrisse: in den Kettenhäusern im Korinnaweg ist keine Wand wie die andere. Das ist aber nicht nur für die Bewohner eine Herausforderung, die sich unkonventionell einrichten müssen. Beim Rundgang durch die drei Reihenhäuser in Sonnenberg müssen die Architekten Michael Koch und Hans-Joachim Kraft die Besucher regelmäßig vor vorspringenden Mauerecken und niedrigen Durchgängen warnen. Sie sind der Preis für "eine lebendige Raumfolge, ungewöhnliche Blickwinkel und vielfältigste Raumeindrücke auf kleinstem Raum", sagen die beiden, die beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag durch die Wohnanlage geführt haben.

Beide kennen die Kettenhäuser, von denen jedes lediglich über 70 Quadratmeter Wohnfläche verfügt, wie ihre Westentasche: Koch hat lange mit dem chinesischen Architekten der Kettenhäuser, Chen Kuen Lee zusammengearbeitet. Kraft hat die im Jahr 1967 erbauten Häuser Ende der 80er Jahre im Auftrag des heutigen Besitzers aufwendig saniert. Obwohl die vergleichsweise junge Anlage nicht recht zum diesjährigen Thema des Denkmaltages "Romantik, Realismus, Revolution - das 19. Jahrhundert" passt, sind die Kettenhäuser bereits zum vierten Mal bei der bundesweiten Veranstaltung dabei: "Wir nutzen jede Möglichkeit, die Häuser ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen", sagt Kraft.

Einzigartige Kombination aus Wohnen und Arbeiten

Selbst unmittelbare Nachbarn wüssten häufig gar nicht, was für ein Kleinod sich hinter den Hecken verbirgt: "Es ist eine einzigartige Kombination aus Wohnen und Arbeiten", erklärt Koch die Besonderheit der ein- und eineinhalbgeschossigen Wohnhäuser mit Betriebsgebäude, die einst für die Mitarbeiter der ehemaligen Gärtnerei Haag gebaut worden waren.

Heute wird noch eines der drei Häuser von einer Mitarbeiterin der Baumschule Hörmann bewohnt, die beiden anderen stehen im Dienst der Kunst. Seit drei Jahren beherbergt ein Haus die Galerie Sonnenberg. Zweimal pro Jahr finden dort für jeweils sechs Wochen Ausstellungen statt, meist zu Architekturthemen. Das mittlere Haus wird als Gästehaus genutzt, in dem unter anderem ausstellende Künstler eine Bleibe finden, wie etwa Jaro Straub. Der Künstler zeigt in der Galerie fotografische Experimente, die unter anderem in Gärten von Häusern von Lee sowie in dem Künstlergarten von Hannah Höch entstanden sind.




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