Kfz-Versicherungen Warum sich der Wechsel jetzt besonders lohnt

Wer seine Kfz-Versicherung wechseln will, sollte genau hinsehen. Foto: imago /Robijn Pagee

Traditionell im Herbst suchen viele Deutsche einen neuen Kfz-Versicherer, denn es winken niedrigere Beiträge. Doch in diesem Jahr kommt hinzu, dass sich einiges aufgestaut hat im Versicherungswesen.

München - Jörg Rheinländer erwartet in den nächsten Wochen einen lebhaften Wettbewerb. „Das diesjährige Wechselgeschäft wird spannend, es besteht Nachholbedarf“, sagt der Vorstand von Deutschlands größtem Kfz-Versicherer, Huk Coburg. Voriges Jahr um diese Zeit haben hierzulande rund zwei Millionen Autohalter ihre Kfz-Police gewechselt. Das war ein Zehntel weniger als 2019, dem Jahr vor Ausbruch der Coronapandemie. Auch zunehmende Online-Geschäfte konnten nicht ausgleichen, dass Maklerbüros und Zulassungsstellen lange geschlossen waren. Das hat auch den Versicherungswechsel gedämpft.

 

Durch die Pandemie kam der Markt auf andere Art in Bewegung: Weil weniger gefahren wurde, gab es weniger Unfälle und weniger Versicherungsschäden. Einige Konzerne haben deshalb Beiträge zurückerstattet, andere die Prämien gesenkt. Wie stark die Pandemie die Beiträge verfallen ließ, hat das Vergleichsportal Check 24 ermittelt. Ende August lagen sie im Marktschnitt um sechs Prozent unter dem Vergleichsmonat 2019. Um bis zu fünf Prozent niedriger sieht das aktuelle Prämienniveau auch Jörg Rheinländer. Das könnte das Wechselgeschäft dieses Jahr vor allem bei jenen anheizen, die sich 2020 nicht nach einer günstigeren Police umgesehen haben.

Keine weiteren Vergünstigungen

Erwartungen an neuerliche Vergünstigungen dämpft Rheinländer indessen. „Eine neue Beitragsrückerstattung für 2021 ist auch wegen der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen unwahrscheinlich“, schätzt der Manager. So lägen die Kosten aus Elementarschäden bei Huk bereits nach neun Monaten in diesem Jahr beim Fünffachen des gesamten vergangenen Jahres, nämlich bei rund einer halben Milliarde Euro.

Auch beim größten Konkurrenten Allianz glaubt man deshalb nicht an eine neue Senkung des Prämienniveaus durch die Kfz-Versicherer. „Die bleiben ohne große Schwankungen ungefähr wie im Vorjahr“, vermutet der Chef der Allianz Versicherungs-AG, Frank Sommerfeld. Klar ist aber auch, dass die Kfz-Prämien derzeit marktweit am Sinken sind. Das ist jedes Jahr um diese Jahreszeit so, bis sie kurz vor dem 30. November, dem allgemeinen Stichtag für einen Versicherungswechsel, ihren saisonalen Tiefpunkt erreichen und danach wieder spürbar ansteigen.

Uneinheitliche Konditionen bei E-Autos

Einigen Orientierungsbedarf dürften diesmal vor allem auch solche Wechsler haben, die auf ein Elektroauto umgestiegen sind – und das werden immer mehr. „Die Konditionen bei der Versicherung von Elektroautos sind am Markt noch sehr uneinheitlich“, räumt Rheinländer ein. Das gilt vor allem auch für Schäden an der sehr teuren Hochvoltbatterie. Der Neupreis wird hier im Fall eines Totalschadens je nach Versicherer oft nur erstattet, wenn das Fahrzeug nicht älter als ein oder zwei Jahre ist. Nicht alle Anbieter verzichten hier auf zeitliche Beschränkung, was für Versicherte bedeuten kann, dass sie im Schadenfall auf hohen Kosten sitzen bleiben. Denn einen Gebrauchtmarkt für Hochvoltbatterien gibt es praktisch noch nicht, und neu kosten sie bis zu 20 000 Euro.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Kfz-Versicherungen dürften billiger werden

Dennoch haben Versicherer erkannt, dass Elektroautos die Zukunft gehört. Deshalb werden die Versicherungsprämien dafür rabattiert. Bei der Allianz sind es bis zu 20 Prozent oder bei Huk zehn Prozent. Das ist marktüblich und führt dazu, dass Elektroautos in der Kfz-Police bis zu ein Drittel billiger sind als vergleichbare Verbrennermodelle, hat Check 24 ermittelt. Beim Vergleich von 28 Elektroautos mit Verbrennermodellen sei in 20 Fällen der Stromer günstiger gewesen. Allerdings versichert nur ein Drittel aller Kfz-Versicherungstarife die Hochvoltbatterie eines Elektroautos ausreichend mit, warnen die Experten des Vergleichsportals.

Wie versichert man autonom fahrende Autos?

Noch größere Veränderungen in der Kfz-Versicherung dürften autonom fahrende Autos bringen. „Autos mit Assistenzsystemen haben im Schnitt ein Fünftel weniger Schadenaufkommen“, weiß Rheinländer. Konkurrentin Allianz sieht deshalb eine technologiebasierte Autoversicherung kommen: Mit zunehmender Automatisierung würden Versicherungsmerkmale wie Typklasse, Fahrleistung oder persönliche Daten des Halters gegenüber der Sicherheitstechnik im Auto in den Hintergrund treten.

„Wir werden bald mehr und mehr Computerfahrer mit geringer Fahrerfahrung auf unseren Straßen sehen“, sagt Klaus Peter Röhler als Chef der Allianz Deutschland. Sein Konzern werde diese Roboter am Steuer erst einmal wie einen autonomen Fahranfänger einstufen und sehen, wie er sich in der Praxis schlägt. Auch Technik muss sich Schadenfreiheitsrabatt erst einmal erfahren.

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