KI-Fake aus Herrenberg „Das Video stellt nicht die Realität dar“ – Feuerwehr stellt klar
Ein KI-generiertes Video von einem Feuerwehreinsatz in Herrenberg kursiert auf Tiktok. Es zeigt Szenen, die so nie stattgefunden haben.
Ein KI-generiertes Video von einem Feuerwehreinsatz in Herrenberg kursiert auf Tiktok. Es zeigt Szenen, die so nie stattgefunden haben.
Mussten in Herrenberg nach dem Kühlmittelaustritt beim Kaufland am Freitag, 17. April, Verletzte mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus? Oder stimmt eine andere Version? Die von einem großen, aber recht unspektakulären Einsatz von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei? Im Internet – gerade auf der Plattform Tiktok – kursieren mehrere Videos mit verschiedenen Inhalten, aber angeblich vom selben Einsatz bei dem Supermarkt im Schießtäle.
Grund dafür ist künstliche Intelligenz (KI). Von einem „Drama am Freitagvormittag“ spricht in einem Video auf Tiktok eine ernste Männerstimme. Im Kaufland hätten Mitarbeitende und Kunden über Atemwegsreizungen geklagt. Es ist die Rede von einer zweistelligen Zahl an Betroffenen. Der Supermarkt sei sofort geschlossen worden. Der Sprecher zitiert hier aus offiziellen Informationen von Feuerwehr und Medien. Scheinbar bleibt er dabei auch bei den Tatsachen. Allerdings übertreibt und dramatisiert das Video den Vorfall. Als „besonders brisant“ bezeichnet die Stimme beispielsweise, dass in der Nacht schon einmal Kühlmittel ausgetreten war. Außerdem sind Szenen von Feuerwehr und Rettungsdienst mit anrührend trauriger Musik unterlegt. Am Ende ist zu sehen, wie mehrere Tragen, mutmaßlich mit Verletzten, in der Nähe eines Rettungshubschraubers stehen.
„Das Video stellt nicht die Realität dar“, sagt der Sprecher der Feuerwehr Herrenberg, Philipp Löffler. Es handele sich um ein KI-generiertes Video. Trotzdem ist es auf Tiktok mehr als 26 600 Mal angeschaut worden. Löffler hat darum etliche Punkte zusammengestellt, an denen erkennbar ist, dass es sich um ein Fake handelt.
Dafür müsse man lediglich etwas genauer hinschauen. „Zum Glück ist das hier ein recht schlechtes KI-Video“, sagt Löffler. Auffällig sei zum einen, dass die Feuerwehrleute in dem Video sehr unterschiedliche Uniformen tragen: mal orange-rot, mal blau, mal schwarz. Es seien auch Fahrzeuge und Menschen zu sehen, die nicht am Einsatz teilgenommen hätten.
Während das vielleicht Punkte sind, die der Zuschauer nur mit einigem Wissen über die Arbeit der Feuerwehr erkennt, gibt es auch andere Signale, dass das Video unecht ist. Bei den Schriftzügen beispielsweise. Auf dem Heckausleger des Rettungshubschraubers steht das Wort „Notarzy“ anstatt Notarzt. Auch auf den Uniformen der Feuerwehr finden sich Schreibfehler – etwa sind die Städte Herrenberg und Böblingen falsch geschrieben. Die Nummernschilder der Einsatzfahrzeuge passen nicht immer zum Kreis Böblingen. Zu sehen ist darüber hinaus ein Feuerwehrfahrzeug mit Berliner Wappen.
Die falschen Szenen, die mutmaßlich mit echten – unrechtmäßig verwendeten – Bildern von Blaulicht-Fotografen erzeugt wurden, dramatisieren den Einsatz. Dadurch, dass Rettungstragen neben dem Hubschrauber gezeigt werden, werde beim Zuschauer die Annahme erzeugt, sagt Löffler, dass es Schwerverletzte gab. „Tatsächlich hat der Rettungshubschrauber bei diesem Einsatz ausschließlich als Notarztzubringer fungiert und ist schnell wieder abgeflogen“, sagt der Feuerwehrsprecher. Wahr sei, dass die Anwesenden vor Ort untersucht worden seien. Einzelnen sei geraten worden, im Anschluss noch ein Krankenhaus aufzusuchen.
Fake-Videos mit computergenerierter Stimme sind inzwischen keine Seltenheit mehr, weiß Löffler. KI-Apps und Chatbots, die mit dem Smartphone bedient werden können, versetzen nahezu jeden in die Lage, Fake-Videos zu erstellen. Umso wichtiger sei es, dass die Öffentlichkeit wisse, wo sie sich aus zuverlässiger Quelle informieren könne. „Das, was auf den verifizierten Kanälen von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst gepostet wird, ist richtig“, sagt der Feuerwehrsprecher. Über die Motive hinter den Fake-Videos könne man nur spekulieren. Daran wolle er sich nicht beteiligen, sagt er.