Für den Wettbewerb Cyber Storys sucht das Cyber Valley in Vaihingen Geschichten über künstliche Intelligenz. Die Zielgruppe: Schüler ab Klasse 7.

Vaihingen - „Alexa, was ist die Definition von künstlicher Intelligenz?“ Es ist kaum anzunehmen, dass die populäre Software mit einer brauchbaren Antwort aufwarten kann. Eine offizielle Begriffsbestimmung existiert nicht, und kreativ zu werden, das übersteigt die Möglichkeiten der KI-Assistentin mit dem weiblichen Vornamen. Sie könnte auch keine neuen Einsatzmöglichkeiten für intelligente Technologie ersinnen. Genau dazu ruft der Wettbewerb Cyber Storys des Cyber Valley in Stuttgart-Vaihingen auf, der Start ist am 28. März. Schüler und Schülerinnen aller Schultypen aus Baden-Württemberg können sich einzeln oder im Klassenverbund mit ihren persönlichen KI-Visionen bewerben. In Form von eigenen Geschichten.

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„Wir wollen dazu motivieren, sich an dieses komplexe Thema heranzuwagen, auch wenn es vielleicht Berührungsängste mit Technikthemen gibt“, erklärt Rebecca Beiter, Public Engagement Managerin beim Cyber Valley, Europas größter Forschungskooperation im Bereich KI. Bislang gebe es eine Angebotslücke, wo es darum gehe, sich mit relevanten Bereichen wie der KI auf rein gedanklicher Ebene zu beschäftigen, ohne dass dies in konkrete Projekte münde. Die Vorstellungskraft der Teilnehmer steht im Mittelpunkt. Das verspricht auch neue Impulse für die Forschung.

Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft

Ohne die Fantasie durch das Gebot der Machbarkeit einzuengen, sind auch Begegnungen zwischen Forschenden und Schülern geplant – etwa im Rahmen von Schreibwerkstätten in der Stadtbibliothek Stuttgart. Der Wettbewerb fördert somit abseits wissenschaftlicher Hürden den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Dieser Ansatz überzeugte auch die Jury des bundesweiten „Hochschulwettbewerbs zum Wissenschaftsjahr 2022 – Nachgefragt!“, der den Aufruf zum Geschichtenerzählen als eines von 15 Projekten auszeichnete.

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Neben der Freude am Fabulieren verfolgt das Cyber Valley auch aufklärerische Ziele. So steht ab Ende März kostenfreies Material für den Unterricht bereit. Motto: „Künstliche Intelligenz – was ist das überhaupt, und was hat das mit mir zu tun?“ „Wer mag, kann natürlich auch einfach losschreiben“, so Beiter. „Die Möglichkeit zur pädagogischen Einbettung aber besteht.“ Und sie empfiehlt sich.

Denkanstöße auch zu ethischen Fragen

Zum einen geht es darum, zwischen dystopischen Ängsten und überzogenen Hoffnungen Orientierung zu bieten und darüber zu informieren, was Maschinen lernen können und woran Cyber Valley forscht. Vor allem aber liefern die Unterlagen Denkanstöße. Auch solche, die ethische Fragen berühren. Was bedeutet es, wenn ein Twitter-Algorithmus, der Bilder automatisch zurechtstutzt, ein weißes Gesicht korrekt erkennt und bei einer dunkelhäutigen Frau einen komplett falschen Ausschnitt wählt? Auch das hat mit KI zu tun, ebenso wie viele Funktionen, die täglich wie selbstverständlich von Smartphonebesitzern genutzt werden.

Cyber Storys stößt einen Prozess der Bewusstwerdung an. Kritisches Hinterfragen findet Raum, aber auch interessiertes Staunen, etwa wo es um haptische Intelligenz geht: Roboter, die lernen, so feinfühlig zu agieren, dass sich ihre Berührung für Menschen angenehm anfühlt? Daran wird unter anderem im Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme gearbeitet, einem der drei zentralen Cyber-Valley-Forschungseinrichtungen neben den Universitäten in Stuttgart und Tübingen.

Was soll KI können? Was darf sie entscheiden?

„KI umgibt uns nicht nur. Wir können sie auch gestalten“, betont Rebecca Beiter. Natürlich seien viele existierende Systeme nur noch durch jene justierbar, die sie geschaffen hätten. Umso wichtiger seien jedoch Transparenz und eine Demokratisierung der Technologie für die Zukunft. Was soll KI können? Wie weit sollen ihre Entscheidungen reichen? Das sind Knackpunkte, die jeden betreffen. Sie werden unweigerlich berührt, wenn Schüler und Schülerinnen Geschichten erfinden, und ihre Relevanz endet nicht mit dem Einsendeschluss am 3. Juni oder der Cyber-Storys-Preisverleihung im Rahmen des Stuttgarter Wissenschaftsfestivals. Das Unterrichtsmaterial steht daher auch unabhängig vom Wettbewerb zur Verfügung. Für Lehrkräfte, die sich unsicher fühlen oder eingehender vorbereiten wollen, bietet das Cyber Valley Online-Workshops an.

„Der Wettbewerb stößt die kritische Reflexion zu KI an. Weitere Angebote wie der KI-Makerspace in Tübingen können im Anschluss den Schritt übernehmen, KI selbst auszuprobieren“, fasst Beiter zusammen, die im Zuge ihres Masterstudiums an der Hochschule für Medien feststellte, wie viele Klischees in den Köpfen festhängen, wenn es um KI geht. Es sei wichtig, Ängste abzubauen und die Chancen der Technologie aufzuzeigen. Wer würde nicht begrüßen, dass cyber-physische Organe die Ausbildung von Chirurgen verbessern? Dass Maschinen unabhängig von dem Denken lernen, womit wir sie füttern, ist hingegen wenig wahrscheinlich. Alexa wird uns die Aufgabe nicht abnehmen, zu definieren, was künstliche Intelligenz ist oder sein soll.

„Train the Trainer“

Termine
Die Workshops für Lehrkräfte „Train the Trainer“ finden am 26. März (10.30 bis 11.30 Uhr), am 30. März (17 bis 18 Uhr) und am 7. April (18 bis 19 Uhr) statt. Es sind noch Plätze frei. Auch Anmeldungen für die Schreibwerkstätten der Stadtbibliothek Stuttgart für Klassen oder einzelne Schülerinnen und Schüler sind möglich. Alle Informationen finden sich auf www.cyber-valley.de/de/cyber-storys.