Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) hält die Gründung einer neuen Landesuniversität speziell für Themen der angewandten Künstlichen Intelligenz, die die Landes-CDU untern ihrem Spitzenkandidaten Manuel Hagel im Wahlprogramm propagiert, für falsch. „Das ist viel zu langsam, zu unflexibel und gerade in der Startphase zu wenig international“, sagte die Grünen-Politikerin unserer Zeitung.
CDU-Generalsekretär Tobias Vogt warf der Ministerin hingegen Mutlosigkeit vor. „Natürlich dauert eine Universitätsgründung“, sagte er. Deshalb müsse jetzt damit begonnen werden. „Frau Olschowski und die Grünen verwalten lieber bestehende Strukturen“, sagte Vogt.
Olschowski befürchtet Überkapazitäten
Olschowski befürchtet allerdings zudem, dass es angesichts stagnierender Studentenzahlen und begrenzter Finanzmittel durch eine Uni-Neugründung zu Überkapazitäten bei Bachelor- und Masterstudiengängen in den KI-relevanten Fachbereichen und zu Kannibalisierungseffekten an eingeführten Studiengängen etablierter Landesuniversitäten kommen könnte.
„Jetzt stagniert die Zahl der Studierenden“, erklärte die Ministerin. Laut Statistischem Landesamt ist die Zahl der Studenten in Baden-Württemberg seit dem Wintersemester 2016/17 kontinuierlich von knapp 360 000 auf rund 347 500 gesunken. In Baden-Württemberg gibt es laut Hochschulstatistik aktuell 75 Hochschulen an 105 Hochschulstandorten, darunter neun Landesuniversitäten. 1967, nach den jüngsten Universitätsgründungen in Ulm und Konstanz, waren es laut Statistischem Landesamt 39 Hochschulen – nach 25 Hochschulen zur Zeit der Landesgründung im Jahr 1952.