Kia Carens Immer der Tigernase nach

Von Gundel Jacobi 

Der Siebensitzer hat klassenübliche Raumverhältnisse und bietet vorbildliche sieben Jahre Garantie. Die beiden Plätze ganz hinten sind nur für Kinder vollwertig geeignet.

Die stark geneigte große Windschutzscheibe prägt den Kia Carens. Foto: Hersteller
Die stark geneigte große Windschutzscheibe prägt den Kia Carens. Foto: Hersteller

Einst gehörten die Kompaktvans zur langweiligen Kastenfraktion: Fahrzeuge wie Schuhkartons, deren tieferer Sinn darin bestand, viele Menschen und Waren zu befördern. Am Transportvermögen hat sich nichts geändert, aber es darf in einer hübschen Verpackung geschehen - wie der Kia Carens beweist. Schick, vergleichsweise flach und sanft gerundet steht er da, mit einer keil­förmigen Seitenlinie, ausgeprägten Sicken, stark geneigter großer Windschutzscheibe, keckem Dachspoiler und langgezogenen Scheinwerfern. Kia-typisch ist sein Kühlergrill in Form einer Tigernase, die man auch für einen Hundeknochen halten kann.

Erstaunlich, was ein 85 kW (115 PS) leistender Dieselmotor auf der Pfanne hat! Denn mit einem Leergewicht von knapp 1,6 Tonnen ist der Carens keineswegs federleicht - trotzdem kommt er manierlich in Schwung. Er möchte zu diesem Zweck halt eifrig geschaltet werden. Hat man die Reisegeschwindigkeit erreicht, geht es äußerst entspannt im sechsten Gang voran, leise und tendenziell komfortabel gefedert. Der Innenraum ist gut durchdacht. Abgesehen davon, dass gut ablesbare Instrumente, eine geschwungene Armaturentafel sowie einfach zu bedienende Knöpfe und Schalter das Cockpit wohlgefällig erscheinen lassen, sind die sieben Sitze natürlich genau das Richtige für eine kompakte Familienkutsche.

Der Kia besitzt eine 68 Zentimeter hohe Ladekante

Im Fond kann man die drei ­Einzelsitze individuell verschieben und umklappen, eine Reihe dahinter sind zwei ­weitere Plätze mühelos mit einer Schlaufe aus der völligen Versenkung zu holen, ­geeignet freilich nur für Kinder - oder auf kurzen Strecken für Erwachsene, die dort in geduckter Haltung mit aufragenden Knien hocken müssen. Bei fünfsitziger Bestuhlung fasst der Kofferraum 492 Liter; ist das hinterste Gestühl ebenfalls in Gebrauch, bleiben noch 103 Liter bis zur Fensterunterkante. Wird zum Zweck höchstmöglicher Transport­kapazität alles eben gemacht, stehen 1650 ­Liter bis unters Dach zur Verfügung. Im Sinne rückenfreundlichen Stauens ist die 68 Zentimeter hohe Ladekante; klasse übrigens auch die umlegbare Beifahrersitzlehne, die eine Ladelänge für Gegenstände bis 2,15 Meter ermöglicht, sowie Ablagefächer im Fußraum der zweiten Reihe.

Bei 19 990 Euro beginnt die Carens-Preisliste, und zwar mit einem 99 kW (135 PS) starken Benziner unter der Motorhaube. In der sogenannten Dream-Team-Edition, die in der Diesel-Ausführung einen 85 kW (115 PS) leistenden Selbstzünder an Bord hat, kostet der Kompaktvan aus Korea 24 890 Euro - für die Plätze sechs und sieben werden 750 Euro zusätzlich fällig. Mit einem Verbrauch von 6,3 Liter Diesel in der getesteten Variante lief nur rund ein Liter mehr durch die Kraftstoffleitungen, als in der Norm angegeben; das gelingt selten. Fazit: der Kia Carens sprengt zwar keine klassenüblichen Grenzen, was Ladekapazität und Flexibilität im Innenraum angeht, aber er muss sich auch nicht im Reigen der siebensitzigen Kompaktvans verstecken. Wer sich für solch ein Fahrzeug interessiert, sollte eines mit bedenken: sieben Jahre Garantie sind derzeit unschlagbar. Sie gilt für alle Kia.