Kicken in Ludwigsburg Das Fußball-Märchen von Eglosheim
Aufstieg vom Bolzplatz auf den Kunstrasen: Die Sonntagskicker erzählen eine bezaubernde Geschichte von Menschen, Maulwurfshügeln und sportlichem Miteinander.
Aufstieg vom Bolzplatz auf den Kunstrasen: Die Sonntagskicker erzählen eine bezaubernde Geschichte von Menschen, Maulwurfshügeln und sportlichem Miteinander.
Im Ludwigsburger Stadtteil Eglosheim ist immer Fußball-Märchen. Im Frühling, im Herbst, sogar im Winter. Und im Sommer sowieso. Sonntags trifft man sich zum Kicken. Es kommen Junge, Alte und viele dazwischen. Es kommen Leute aus Eglosheim oder drumherum und solche, die ursprünglich aus Marokko, Ungarn, der Türkei oder der Dominikanischen Republik stammen. Jeden Sonntag verbindet hier der Fußball die Menschen.
Und das schon seit knapp zwei Jahrzehnten. Wann es genau losging mit den Sonntagskickern, kann Andy Trümper gar nicht mehr sagen. „Das ist so aus einer Laune heraus entstanden – ungefähr vor 20 Jahren.“ Gemeinsam mit Christoph Luda kam die Idee, „mal gemeinsam zu kicken“. Man aktivierte ein paar Leute aus dem Bekanntenkreis und traf sich an einem Sonntagmorgen auf dem Bolzplatz in Eglosheim.
Ab dem zweiten Sonntag begann die Sache zu wachsen. Immer wieder stießen Neue dazu, mal Kinder, mal Jugendliche, mal jemand Älteres. Aktuell ist die Jüngste zehn Jahre alt und der älteste Sonntagskicker Ende 60. Natürlich hörte auch immer wieder jemand auf. Aber grundsätzlich galt und gilt bis heute: Sonntags wird gekickt. Aus denen, die da sind, werden zwei bunte Mannschaften gebildet. Egal, ob drei gegen drei im Sechzehner, acht gegen acht quer auf dem Platz oder in voller Mannschaftsstärke auf dem ganzen Feld.
Seit ein paar Jahren, seit die Sonntagskicker auf den Kunstrasenplatz des TSV Ludwigsburg umgezogen sind, ist das ja dank der Linien auch gar kein Problem mehr. Vorher, auf dem Bolzplatz in Eglosheim, ging es da noch ein bisschen rustikaler zu.
Denn gespielt wurde bei Wind und Wetter, im Regen, im Schnee. „So sah man dann auch aus“, berichtet Andy Trümper. Der damalige Bolzplatz hinter der Wohnanlage mit zwei Metalltoren und einem Rasen, der aus allerlei Gewächsen und vielen Maulwurfshügeln bestand, hatte es in sich, aber er hatte Charme. Dank der leichten Hanglage spielte immer eine Mannschaft bergauf.
Oft war das Gras so hoch, dass der Ball nach zwei Metern schon wieder liegen blieb. „Da haben wir manchmal einfach selbst die Sense mitgebracht und gemäht“, sagt Trümper. Oder ein paar Maulwurfshügel mit der Sandkastenschaufel platt gemacht. Oder im Kofferraum des Autos Rindenmulch mitgebracht um die Kuhle vor den Toren etwas aufzufüllen...
Vor einigen Jahren wurde der Bolzplatz geschlossen. Andy Trümper suchte nach Ersatz und wurde beim benachbarten TSV Ludwigsburg fündig. Dort spielen die Sonntagskicker seither auf dem Kunstrasenplatz – welch ein Aufstieg, doch ade, liebe Bolzplatzromantik.
Auch wenn er den Charakter und den Flair des Bolzplatzes ein wenig vermisst. „Der Kunstrasenplatz ist natürlich viel angenehmer“, räumt Trümper ein. Außerdem sei die Verletzungsgefahr geringer und „man kommt sauberer nach Hause“. Was auch seine Frau freuen dürfte. Sie wäscht nämlich jede Woche die Leibchen der Sonntagskicker.
Seit dem Umzug auf den Kunstrasenplatz beginnt das gemeinsame Kicken nicht mehr um 9 Uhr sondern schon um 8.30 Uhr. Damit die Damenmannschaft des TSV sich vor ihren Heimspielen in Ruhe aufwärmen kann. Für die Sonntagskicker geht es derweil für diejenigen, die möchten, ins benachbarte Vereinsheim auf ein Bier oder eine Limo.
Für Andy Trümper ist die Sache eine Herzensangelegenheit. Seit bald 20 Jahren koordiniert er die sonntäglichen Fußball-Termine, anfangs per SMS, inzwischen längst per WhatsApp-Gruppe. Dass mal ein Kick-Sonntag ausgefallen ist, hat es in all den Jahren äußerst selten gegeben. „Das kann man an zwei Händen abzählen“, so der 57-Jährige.
Aktuell sind es etwa 15 „feste“ Sonntagskicker und zehn immer mal wieder Kommende, sie nennen sie die Gastspieler. In all den Jahren „haben wir Kinder wachsen sehen, die ganz frisch angefangen haben, die später dann in Vereinen kicken – von der Kreisliga bis zur Landesliga“, berichtet Trümper. Und einer davon sogar in Österreich in der dritten Liga.
Und daheim auf dem Eglosheimer Fußballplatz trifft man sich weiter jeden Sonntag, „man redet und tauscht sich aus in allen Lebenslagen von Jung zu Alt“, sagt Andy Trümper. Und man kickt natürlich gemeinsam. „Ich freue mich schon auf nächsten Sonntag.“