Lukas Kiefer: Antreiber und Arbeitsbiene im Kickers-Mittelfeld Foto: Baumann
Der neue Kapitän Lukas Kiefer spricht vor dem Kickers-Duell Stuttgart gegen Offenbach über die erste Niederlage, seine Ziele sowie die Kommunikation mit Trainer und Geschäftsführer.
Herr Kiefer, wie haben Sie die erste Saisonniederlage weggesteckt?
Ich habe da schon ein, zwei Tage gebraucht, das Ganze zu verarbeiten. Aber dann blickt man auch schnell wieder nach vorne.
Ändert sich als neuer Kapitän etwas an der Aufarbeitung?
Grundsätzlich nicht. Man trifft sich mit der Mannschaft, macht eine Videoanalyse und spricht die entscheidenden Dinge an. Aber als Kapitän hinterfragt man sich vielleicht noch mehr. Man überlegt, ob man alles getan hat, damit das Spiel einen anderen Verlauf hätte nehmen können. Das sollte natürlich jeder Spieler tun, aber als Kapitän ist man noch etwas selbstkritischer.
Wie erklären Sie sich das fehlende Aufbäumen, die geringe Gegenwehr nach der Pause beim 0:3 in Mainz?
Ich fand schon, dass wir zu Beginn der zweiten Halbzeit eine Drangphase hatten, ohne jedoch gefährlich vors Tor zu kommen. Akku und Geist waren dann irgendwann mal leer. Grundsätzlich ist es normal, dass mit unserer jungen Mannschaft so ein Rückschlag mal kommt. Wenn man diesen Weg einschlägt, muss man das auch mal zugestehen, und dies ist auch ein Teil der Entwicklung. Man hat ja auch schon gesehen, was in der Mannschaft steckt. Wir wollen wieder ein anders Gesicht zeigen – schon am Freitag.
Wie wichtig wird es, gegen den OFC wieder in die Erfolgsspur zu kommen?
Sehr wichtig. Das wichtigste Spiel nach einer Niederlage ist immer das nächste. Damit man nicht in eine Abwärtsspirale kommt, auch vom Kopf her. Jedes Spiel ist eine Herausforderung. Aber so ein Flutlichtkracher gegen einen attraktiven Gegner vor voller Hütte mit vielen gegnerischen Fans, das ist einfach geil und schon etwas ganz besonderes.
Befürchten Sie bei einer weiteren Niederlage, dass die Stimmung bei den Fans der Blauen ins Negative kippt?
Ich glaube, der Großteil kann alles gut einordnen. Dabei ist die Art und Weise wie wir auftreten das Entscheidende. Wenn wir unser Herz auf dem Platz lassen, mit voller Leidenschaft zur Sache gehen, dann wird einem eher etwas verziehen. Ich erinnere mich an das Spiel gegen den OFC in der vergangenen Runde. Da haben wir ein klasse Spiel gezeigt, alles reingehauen und die Zuschauer sind auch nach dem 1:1 zufrieden nach Hause gegangen.
Fordert der Coach die Basics öfter und härter ein?
Trainerteam und Mannschaft – wir haben uns generell mehr mit dem Thema beschäftigt. Für was steht das Kickers-K? Für was stehen wir als Mannschaft, wenn wir das Trikot tragen? Welche Art von Fußball wollen wir spielen? Dabei sind die Basics einfach nicht verhandelbar. Das fordert der Coach klarer ein, nicht nur sachlich und rational, sondern – wenn es angebracht ist – auch mal anders, lauter.
Wie bringt sich der Geschäftsführer Sport ein?
Lutz Siebrecht hat als Ansprechpartner immer ein offenes Ohr und gibt auch mal einen Tipp. Er kann auch lauter werden, wenn es sein muss. Er ist ein guter Typ, ein Gefühlsmensch, der weiß, wann was angebracht ist. Lutz hat einfach sehr viel Erfahrung – da hört man als Spieler hin. Er ergänzt sich sehr gut mit dem Trainerteam.
Kiefer (re.) und sein Vorgänger als Kapitän, Nico Blank Foto: Baumann
Wie schätzen Sie bisher die Liga ein?
Die Liga wird immer ausgeglichener. Wenn du nicht Vollgas gibst, holst du nichts. Krass ist wie die SG Sonnenhof Großaspach gestartet ist. Sie sind ein eingespieltes Team mit viel Euphorie und könnten einen ähnlichen Weg gehen wie wir nach dem Aufstieg. Der SGV Freiberg bekommt es trotz eines großen Umbruchs bisher wieder überragend auf die Kette. Aber es sind erst vier Spieltage vorbei.
Es geht weniger um einen Tabellenplatz, sondern darum, die Entwicklung voranzutreiben. Wir sind in der Lage, jeden Gegner zu schlagen. Aber dafür müssen wir jedesmal ans absolute Limit gehen. Bei 34 Spieltagen, in jedem Spiel über die Grenzen zu gehen, ist nicht leicht. Wenn wir die Konstanz hinbekommen mit unserer jungen Mannschaft, dann können wir eines der begeisterungsfähigsten Teams der Liga werden.
Sie sind 32, Ihr Vertrag läuft bis 2027. Gibt’s schon Pläne für die Zeit nach dem Fußball?
Ich möchte so lange Fußball spielen wie es geht. Ich habe eine Ausbildung zum Vermögensberater abgeschlossen, kann mir aber auch gut vorstellen im Fußballgeschäft zu bleiben. Ich habe vor, den Trainerschein zu machen und auch mal bei den Kickers in der Geschäftsstelle reinzuschnuppern, ein Praktikum zu machen.
Wie geht’s aus gegen OFC?
Wir gewinnen 2:1 oder 3:1.
Zur Person
Vita Lukas Kiefer kam am 25. April 1993 in Böblingen zur Welt. Nach der Zeit beim GSV Maichingen wechselte er 2004 in die Jugend des VfB Stuttgart und gewann 2009 die deutsche U-17-Meisterschaft unter Trainer Marc Kienle. Weitere Stationen bei den Aktiven: VfB II (2012 bis 2014), 1. FC Saarbrücken (2014 bis 2016), Waldhof Mannheim (2016 bis 2018), wieder VfB II (2018 bis 2020), SSV Ulm 1846 (2020 bis 2022), ab 2022 Stuttgarter Kickers. Bei den Blauen ist er seit dieser Saison Kapitän.
Persönliches Kiefer ist liiert mit Sibel. Das Paar wohnt in Sindelfingen. Hobbys: mit Freunden Kaffee trinken, Playstation, Hunde. (jüf)