Kickers-Präsident Lorz Trainer- und Spielerentscheidungen in der Winterpause

Sport: Jürgen Frey (jüf)
Und darüber hinaus?
Wie gesagt, wir werden eine umfassende Bestandsaufnahme machen. Im Augenblick ist Paco Vaz auf einem sehr guten Weg bei uns.
Martin Braun gilt als fleißig, seriös, akribisch, aber nicht unbedingt als der Typ, der forsch und mutig für frischen Wind sorgt. Sollte diese Eigenschaft dann idealerweise der Trainer verkörpern?
Es geht in unserer Situation nicht darum, groß aufzuräumen. Aber klar: Trainer und Sportdirektor dürfen sich von ihrem Charakter her gerne ergänzen. Sie können in Teilbereichen unterschiedlicher Meinung sein, aber sie müssen gut zusammenarbeiten und im Sinne des Vereins dann gemeinsam die beste Entscheidung treffen.
Kommen wir zur Mitgliederversammlung. Der Verein steckt trotz des jüngsten Sieges weiter in einer tiefen Krise. Welche Stimmungslage erwarten Sie?
Wir müssen die Kirche im Dorf lassen – sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung. Sportlich haben wir jetzt ein Spiel gewonnen und stehen auf Platz 13. Auch wenn kann man die vielen langfristig Verletzten mildernd anführen kann, können wir mit der sportlichen Situation also nicht zufrieden sein. Und auch wirtschaftlich gibt es für einen Verein wie die Kickers die hinlänglich bekannten Herausforderungen in der vierten Liga. Ich glaube aber, dass die Mitglieder die geleistete Arbeit in dieser schwierigen Phase realistisch einordnen können.
In der Kasse klafft beständig ein Loch - das immer größer wird?
Wir berichten am Montag ja über das Jahr nach dem Abstieg, das durch dramatisch geänderte Rahmenbedingungen geprägt war. Der Zuschauerschnitt ging von 4600 in der dritten Liga auf 3000 pro Spiel zurück. Die Einnahmen aus dem Spielbetrieb verringerten sich von rund 1,34 Millionen auf 574 000 Euro. Das komplette TV-Geld fiel weg. Das sind gravierende Einschnitte. Wir mussten wesentliche Einsparungen vornehmen wie beispielsweise auf der Geschäftsstelle und im Spielerkader, im Ergebnis mussten die Personalkosten halbiert werden.
Konkret nachgefragt: Wie hoch fällt das Defizit aus, nachdem sie für das Geschäftsjahr 2015/16 einen Verlust von 521 000 Euro vermelden mussten?
Aufgrund von Sondermaßnahmen werden wir für die Spielzeit 2016/2017 ein kleines positives Ergebnis präsentieren können.
Welche Sondermaßnahmen sind dies?
Insbesondere mit dem Ziel einer Verbesserung der Passivseite der Bilanz bestand die aus meiner Sicht sehr hoch einzuschätzende Bereitschaft von Gremienmitgliedern und gremiumsnahen Personen, auf ihnen zustehende Darlehensforderungen gegen den Verein zu verzichten.
Wie hoch ist dieser Betrag?
Da möchte ich der Mitgliederversammlung nicht vorgreifen?
Geschah dies, um die Überlebensfähigkeit des Vereins zu sichern?
Jein. Auch die Erklärung von Rangrücktritten wäre insoweit eine Möglichkeit gewesen, die aber nicht zu der beabsichtigten Verbesserung der Passivseite der Bilanz geführt hätte.
Die bilanzielle Überschuldung beläuft sich immer noch auf mehr als 2,6 Millionen Euro. Wo sehen Sie die mittelfristige Perspektive der Kickers?
Dieses negative Eigenkapital verringert sich erst dann, wenn wir Gewinne erzielen. Dies ist in der Regionalliga auf Basis der derzeitigen Strukturen schwierig. Das heißt, dass wir entweder weitere Einsparungen vornehmen und zum Beispiel den Etat weiter herunter schrauben müssen, bei gleichzeitigem besseren Einsatz der Mittel …
…ein Aufstieg wäre dann aber unrealistisch.
Man könnte ihn nicht planen oder sagen: ich will aufsteigen. Denn das hieße, sich in die eigene Tasche zu lügen. Auf Dauer wären auch die guten Spieler nicht zu halten. Der zweite Weg wäre, dass man Anstrengungen unternimmt, neue Mittel zu gewinnen.




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