Kickers-Spieler Halimi Frech wie Besar!

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Der nicht immer pflegeleichte Besar Halimi hat sich beim Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers gut eingelebt und ist heiß auf das anstehende Spiel gegen seinen Ex-Club VfB Stuttgart II, bei dem er nicht wie gewünscht zum Zug gekommen war.

Besar Halimi (rechts) macht sich nach seinem Wechsel zu den Kickers gut. Foto: Baumann
Besar Halimi (rechts) macht sich nach seinem Wechsel zu den Kickers gut. Foto: Baumann

Stuttgart - Besar Halimi ist ein aufgewecktes Bürschchen. Das scheint in der Familie zu liegen. Neulich hat ihn sein kleiner Bruder doch glatt gefragt, was er macht, wenn er im Fußball-Drittligaderby am Samstag (14 Uhr) gegen den VfB Stuttgart II ein Tor schießt. Jubeln oder nicht? „Das weiß ich noch nicht genau“, sagt der Mittelfeldspieler der Stuttgarter Kickers, „das kommt auf die Emotionen an.“

Die schlagen schon mal hoch bei ihm. Nach seinem ersten Treffer im Trikot der Blauen fiel er seinem Trainer Horst Steffen schnurstracks um den Hals. Nach dem zweiten formte er mit den Händen einen zweiköpfigen Adler als Symbol für den Kosovo, wo die familiären Wurzeln des Profis liegen, der im Vorjahr noch beim nächsten Gegner gespielt hat.

Nun haben sich viele Fußballer in solchen Fällen einen Torschrei verboten, aus Respekt vor dem Ex-Verein. So weit will Halimi nicht gehen. „Ich habe keine besondere Beziehung zum VfB“, sagt der 19-Jährige. Was zeigt: ein Herz und eine Seele waren Spieler und Verein nicht. „Irgendwie habe ich nicht ins System gepasst“, sagt er rückblickend. „Ich habe gedacht, bei so einer zweiten Mannschaft eines Bundesligisten wird mehr Fußball gespielt als gekämpft.“ Diesen Seitenhieb kann und will sich der Spieler nicht verkneifen.

Die bisherige Bilanz: zwei Tore, acht Vorlagen

Und er setzt noch einen drauf: „Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, zu den Kickers zu wechseln.“ Bei denen war er schon seit vergangenem Herbst im Fokus des Sportdirektors Michael Zeyer. Und als sich herauskristallisierte, dass der VfB II keinen Wert mehr auf die Dienste Halimis legte („Wie der Verein mich am Schluss behandelt hat, war nicht korrekt“), griffen die Kickers zu. Danke! Halimi sagt: „Ich hatte vom ersten Gespräch an ein gutes Gefühl.“

Das hat ihn nicht getäuscht. „Der Trainer leistet eine herausragende Arbeit. Nicht nur taktisch“, betont Halimi. Was ihn zudem auszeichnet? Er sei eine Autoritätsperson mit sehr menschlichen Zügen. „Hier darf man auch mal einen Fehler machen“, sagt Halimi, der dann aber offen angesprochen wird. „Horst Steffen will aus jedem Einzelnen noch mehr rausholen.“

Bei Halimi hat das in kurzer Zeit gut funktioniert. Der Junge geht in seiner Rolle als Offensivakteur auf der rechten Außenbahn voll auf, acht Vorlagen neben den beiden Treffern sind der Beleg. „Wir brauchen seine Unberechenbarkeit für den Gegner“, sagt der Trainer, der deshalb zunächst auch darauf verzichtet hat, Halimi als Ersatz für Enzo Marchese ins zentrale Mittelfeld zu stellen, obwohl er diese Rolle in der Vorbereitung ebenfalls bestens besetzt hatte. Was zeigt: er ist vielseitig verwendbar.

Von Frankfurt über Nürnberg nach Stuttgart

Beim VfB II hat er eher als Zehner hinter den Spitzen agiert, wenn er denn zum Einsatz kam – 14-mal, teilweise nur als Einwechselspieler. Was vielleicht auch dem besonderen Konkurrenzkampf bei einer zweiten Mannschaft geschuldet war. „Das ist dann schon etwas anderes, da hat man nicht viele Freunde“, sagt sein Ex-Trainer Jürgen Kramny. Ein paar sind dennoch übrig geblieben. Mit Erich Berko oder Francesco Lovric trifft er sich regelmäßig – vielleicht auch nach dem Spiel. Zudem kamen beim VfB II kurzfristig oft auch Profis aus dem ersten Team zum Einsatz. „Bis Samstag dachte man noch, dass man spielt, dann saß man vielleicht nicht mal auf der Bank“, so beschreibt er rückblickend die nicht immer einfache Situation.

Wobei: ein pflegeleichter Typ ist Halimi nicht gerade. Oder sollte man besser sagen: war er nicht? „Ich war schon etwas frech“, sagt er zu seiner Zeit in Nürnberg, wo er seit seinem 14. Lebensjahr im Jugendinternat untergebracht war, mit nur einem Ziel: Profi werden. Das hat er allerdings kurzfristig aus den Augen verloren. „Ich habe schon mal über die Stränge geschlagen“, gibt Halimi zu, dass er auch mal ein Training verpasste. Und suspendiert wurde.

Schlechte Karten also, obwohl er in dieser Zeit schon in der U-18- und U-19-Nationalmannschaft war, wie sich kürzlich auch sein damaliger Trainer Christian Ziege (jetzt Unterhaching) erinnerte. Apropos Nationalmannschaft: die hat ebenfalls schon angeklopft. Allerdings aus dem Kosovo, wo seine Herkunft liegt, obwohl Besar Halimi in Frankfurt aufgewachsen ist, wo seine Familie jetzt noch lebt und er viel freie Zeit verbringt.

Über die Vertragsverlängerung wird geredet

„Ich habe aber erst einmal höflich abgesagt“, sagt der Lausbub, „aktuell ist das kein Thema.“ Weil der Kosovo noch kein offizielles Fifa-Mitglied ist und er zudem bis jetzt nur einen deutschen Pass besitzt. Sollten irgendwann EM- oder WM-Qualifikationsspiele anstehen, könnte sich das ­ändern. Außer: der DFB-Coach klopft an. „Für Deutschland zu spielen wäre unbeschreiblich.“

Einstweilen konzentriert er sich auf seine Rolle bei den Kickers. Die liegt ihm. Weshalb er sich gut vorstellen könnte, länger zu bleiben als nur bis zum Saisonende. „Es ist ja bekannt, dass wir über eine Vertragsverlängerung reden“, sagt Zeyer. Nicht ohne Chancen. „Ich denke, dass wir im Winter entsprechende Gespräche führen werden“, sagt Halimi. „Ich könnte mir schon vorstellen, hier zu bleiben, schließlich habe ich den Kickers viel zu verdanken.“ Und: „Wenn man mich machen lässt, springt auf dem Platz auch ein bisschen was raus“, sagt er mit neuem Selbstvertrauen.

Mehr jedenfalls als beim VfB II. Und auch wenn er durchaus Respekt vor seiner ehemaligen Mannschaft hat, erst recht nach deren Verstärkungen aus dem Profilager, sagt er doch rotzfrech wie Oskar: „Die putzen wir weg!“ Man spürt förmlich: der Junge ist heiß. Doch Obacht. „Wir sind es auch“, sagt der VfB-Trainer Kramny. Das sind mal Kampfansagen vor dem Derby.

Testspiel: Die Kickers bestreiten an diesem Mittwoch (18.30 Uhr) in Mössingen-Belsen ein Spiel im Rahmen des Sponsorvertrags mit Su­baru gegen eine Mössinger Stadtauswahl. Dabei sollen möglichst alle Spieler zum Einsatz kommen, darunter auch der Mittelfeldspieler Predrag Stevanovic, der diese Woche ein Probetraining absolviert. Der 23-Jährige war bei Werder Bremen und zuletzt arbeitslos – deshalb könnte er kurzfristig verpflichtet werden.