Kickers-Trainer Stipic stellt sich vor Gedankenblitze auf dem Diktiergerät

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Der neue Trainer der Stuttgarter Kickers hat sich offiziell vorgestellt. Dabei sagte er optimistisch: „Wir werden heute beginnen, den Rückstand in der Tabelle aufzuholen.“

Tomislav Stipic blickt zuversichtlich in eine ungewisse Zukunft. Foto: Baumann 6 Bilder
Tomislav Stipic blickt zuversichtlich in eine ungewisse Zukunft. Foto: Baumann

Stuttgart - Tomislav Stipic hätte es kaum besser treffen können: mit den Stuttgarter Kickers im Allgemeinen, und Degerloch im Besonderen. Das Waldhotel als Interimsquartier macht seinem Namen ja alle Ehre, und die ruhige Lage verleitet den Hobbyläufer geradezu, täglich ein paar Runden im Grünen zu drehen. „Ich laufe normalerweise eine Stunde“, sagt der neue Trainer des Fußball-Drittligisten. Um den Kopf frei zu bekommen, und um in dieser lockeren Atmosphäre auch mal den einen oder anderen Gedankenblitz auf seinem Diktiergerät zu verewigen.

Angesichts des drittletzten Tabellenplatzes kann man dem neuen Coach aus Kickers-Sicht nur wünschen, dass ein paar gute Ideen darunter sind. Wenn man dem 36-Jährigen bei der Präsentation am Montag zugehört hat, darf man daran glauben. Er redete bestimmt, aber nicht überheblich. „Ich will die Spielideen hier weiterentwickeln und dabei unter den Spielern eine Gedankengleichheit erreichen.“ Eine Wortkreation des Kroaten („ich bin der einzige in der Familie, der keinen deutschen Pass hat“), die frei übersetzt wohl heißen soll: sich blind verstehen. „In der jetzigen Situation geht es darum, der Mannschaft klare Vorgaben zu machen, mit kurzen Trainingseinheiten, ohne die Spieler zu sehr zu stressen.“

Zwei Testspiele kurzfristig angesetzt

Aus diesem Grund wurden für diese Woche kurzfristig zwei Testspiele bei den Regionalligisten Hoffenheim II (am Mittwoch) und Homburg (Freitag) verabredet. Einen ersten Eindruck von der Mannschaft hat sich Stipic allerdings schon zweimal machen können. Am Samstag gegen Mainz II und zuvor – in Erfurt. „Rein zufällig“, wie alle Beteiligten im Nachhinein beteuerten, nachdem sich der Sportdirektor Michael Zeyer und der Trainer dort über den Weg gelaufen sind und ein erstes Kennenlernen stattgefunden hatte. Aus dem anschließenden Sondierungsgespräch wurde eine Vertragsunterschrift bis 30. Juni 2017, „weil wir davon überzeugt sind, dass Tomislav Stipic der richtige Mann ist, um die Wende zu bringen“, wie es der Präsident Rainer Lorz formulierte.

Nach zuletzt sieben Niederlagen besteht kein Anlass zu Hochmut, das weiß auch Stipic: „Wir wollen mit Fleiß, Bescheidenheit und Demut unten rauskommen.“ Wie weit? Das ließ der neue Mann offen, lediglich einmal blitzte sein Selbstbewusstsein durch: „Ich traue mir alles zu.“ Also auch Platz drei? „Ja“, sagte er nach kurzem Zögern. „Wir werden den Rückstand von heute an angreifen.“ Was nicht heißen soll, dass er noch den Aufstieg verspricht.

Co-Trainer wird noch gesucht

Zusammen mit der Mannschaft will er die schwierige Aufgabe angehen. „Es bringt nichts, etwas gegen die Spieler durchzusetzen, das wäre kontraproduktiv“, sagt Stipic, um aber auch die Hierarchien klarzustellen: „Wir arbeiten nicht auf Augenhöhe. Ich habe einen Führungsjob.“ Einen Job, den er im Moment noch alleine ausführt, aber ein Co-Trainer soll sich alsbald dazu gesellen. Trotz der letzten Pleite am Samstag gegen Mainz hat Stipic dabei durchaus Lichtblicke erkannt. „Auch nach dem 0:3 oder 1:4 hat sich die Mannschaft keine Sekunde aufgegeben“, sagte er – mit Blick auf die vermeintlichen Stärken des Kaders, die in letzter Zeit allerdings leicht in Vergessenheit geraten sind. „Wir brauchen etwas Feintuning, um den schnellen Erfolg zu haben“, sagt Stipic, der eine durchaus interessante Vita vorweist.

Als Fußballer hat er lediglich im Amateurbereich gespielt, und bereits mit 25 Jahren die Trainerkarriere eingeschlagen: in der elften Liga beim FC Hitzhofen als Spielertrainer. Es folgte der SV Denkendorf (in Bayern), dann als Coach die A-Jugend des FC Ingolstadt sowie die U 23, ehe er bei Erzgebirge Aue die erste Profistation antrat. Inzwischen hatte Stipic seinen bürgerlichen Beruf endgültig an den Nagel gehängt. 15 Jahre lang arbeitete der gelernte Schreiner als Industriemechaniker bei Audi (wo sonst in Ingolstadt). Jetzt hat er nach eigenen Worten „den schönsten Job der Welt“. Nicht nur wegen der Höhenluft in Degerloch. Mal sehen, wie lange er die schnuppert. Der Vater von vier Kindern sucht ein gemeinsames Zuhause für die Familie. Wann? Stipic sagt: „Das hängt vielleicht auch von den Ergebnissen ab.“