Kidical Mass statt Critical Mass Erste Fahrrad-Demo für Kinder in Stuttgart

Von masa 

Am Wochenende findet die Kidical Mass zum ersten Mal in Stuttgart statt. Kinder bekommen die Gelegenheit, unbeschwert zu radeln. Hinter dem Familien-Event steht ein politisches Anliegen.

Den Fahrradprotest Critical Mass soll es nun auch für Kinder geben. Foto: dpa
Den Fahrradprotest Critical Mass soll es nun auch für Kinder geben. Foto: dpa

Stuttgart - Der Fahrradprotest in Stuttgart zieht weitere Kreise. Nachdem die Critical Mass mittlerweile Hunderte Teilnehmer zählt, wird nun eine Fahrrad-Demonstration für Kinder angeboten. Am Samstag, 15. September, treffen sich kleine Radler zur ersten gemeinsamen Tour durch Stuttgart. Startpunkt der so genannten Kidical Mass ist der Feuersee in Stuttgart-West. Von dort geht es rund fünf Kilometer durch die Stadt.

Die erste organisierte Demonstration der erwachsenen Zweiradfahrer in Stuttgart fand vor acht Jahren statt. Seit zwei Jahren treffen sich Fahrradfreunde jeden ersten Freitag im Monat zur Cricital Mass, um den Autoverkehr auszubremsen und auf sich aufmerksam zu machen. Hinter der Aktion steckt die Forderung einer fahrradfreundlichen Verkehrspolitik.

Dafür wurde der Radentscheid gegründet, welcher von einem ehrenamtlichen Team getragen wird. Die Mitglieder sammeln derzeit Unterschriften, um einen Bürgerentscheid durchzusetzen. Das Ziel: mehr Radwege und sichere Straßen in Stuttgart.

Kinder sollen erfahren, wie Fahrradfahren sein könnte

Da die Critical Mass für Kinder wegen des regen Fahrradverkehrs zu gefährlich ist, entstand die Idee der Kidical Mass. „Kinder sollen sich ernst genommen fühlen und erfahren, wie Fahrradfahren in Stuttgart sein könnte“, sagt Thijs Lucas.

Er gehört zum Kernteam des Radentscheids und sagt: „Fahrradfahren ist für Kinder in Stuttgart eine Herausforderung.“ Die Bordsteine seien zu hoch, was es für Kinder schwer mache, auf den Bürgersteig zu kommen. Zudem seien die Ecken oft zugeparkt. „Für Autofahrer ist es teilweise unmöglich, ein Kind zu sehen, welches auf die Straße fahren möchte“, erklärt Lucas. Der Kinderradverkehr sei anders, denn diese hätten nicht die Übersicht und die Aufmerksamkeitsspanne wie Erwachsene.

Mit der Kidical Mass möchte das Team Kindern und deren Eltern die Angst nehmen, in Stuttgart ihre alltäglichen Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen. „Kinder trauen sich häufig nicht, mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren“, weiß Lucas. Bessere und sichere Radwege könnten das ändern. „Man kann nicht voraussetzen, dass sich Kinder einen ungefährlicheren und unkomplizierteren Weg von alleine suchen“, sagt der 31-Jährige.

Eltern und Großeltern dürfen mitfahren

Er weiß von Kindern, die sich unbedingt am Radentscheid beteiligen wollen: „Einmal war eine 12-Jährige wütend, weil ihre Stimme noch nicht zählt“, erzählt er. „Sie nahm sich drei Sammelbretter, holte eigenhändig Unterschriften ein und hat sich ihre Stimme damit selbst erarbeitet.“

Die Polizei erwartet, dass bei der Kidical Mass am Samstag im Schnitt mit etwa fünf Kindern jeweils ein Betreuer mitfährt. Eltern und Großeltern seien herzlich eingeladen, teilzunehmen. „Dies ist natürlich nur ein Antesten, aber wir rechnen damit, dass es unkompliziert wird“, zeigt sich Lucas optimistisch. Fällt die Rückmeldung positiv aus, soll die Kidical Mass auch in Zukunft stattfinden.

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