Kika-Moderator Arkona Während seine Mitschüler kickten, spielte Malte Klavier

Von Michael Ohnewald 

Es ist ein lauer Abend, dem Sommer näher als dem Frühling. Der Hausherr trägt eine graue Hose, weiße Turnschuhe aus Herzogenaurach und ein paar kleine Falten im Gesicht, die ihm für gewöhnlich weggeschminkt werden in der Maske. Das gehört zu seinem Job, in dem es gute Scheine gibt für den hübschen Schein.

Malte Arkona schnuppert schon früh Bühnenluft. Als sechsjähriger Bub tanzt er in Hannover im Ballett, mit acht bekommt er seine erste Rolle am Theater. Seine Mutter hat in der Zeitung gelesen, dass Schauspieler gesucht werden für "Das Haus in Montevideo" von Curt Goetz.

Als er zehn ist, zieht die Familie nach München. Während andere aus seiner Klasse kicken, spielt Malte lieber Klavier, bevorzugt Beethoven und Mozart. Es ist seine Art, sich abzugrenzen gegen ein Elternhaus, in dem sonntagmorgens zum beschaulichen Frühstück die harten Songs von ZZ Top durch die Stube wummern. Das klingt seltsam, ist aber nicht allzu verwunderlich, wenn der Vater Hannes Arkona heißt und ein Rockstar ist, der mit seiner Gruppe Eloy große Hallen füllt.

"Tigerentenclub" und zugleich "Fröhlicher Alltag"

Was tut ein Halbwüchsiger, der sich nicht reiben kann an spießigen Eltern, der gedüngt wird mit dem Geist von Freiheit und Rock'n'Roll? Er spielt aufrecht sitzend vor dem Klavier von Frau Mattheis anspruchsvolle Klassik. Adagio Cantabile. So was prägt. Im Affalterbacher Bullerbü gibt es einen weißen Flügel aus dem Jahr 1911, vor dem ein Heft liegt, in das Malte Arkona einst unter den gestrengen Blicken von Frau Mattheis die gehobene Notenliteratur säuberlich und eselsohrenfrei eingeklebt hat. "Na ja", sagt Malte Arkona ein halbes Leben später und klimpert dabei ein bisschen auf seinem Flügel, "die E-Gitarre war bei uns halt schon besetzt."

Ein gaudiger Typ ist er von Haus aus, ein Lächler vor dem Herrn, einer, dessen Glas irgendwie immer halb voll zu sein scheint, egal, was kommt. Mit solcherlei Rüstzeug kann man im späteren Leben manchen Spagat wagen. Zum Beispiel den "Tigerentenclub" moderieren, die Kultsendung, bei der im Kinderkanal das frühpubertäre Publikum manchmal vor Aufregung ein bisschen in die Hose pieselt und zugleich den "Fröhlichen Alltag" im volkstümlich angehauchten SWR-Abendprogramm, wo angeblich beim gesetzteren Publikum mitunter Ähnliches passiert wie im "Tigerentenclub", nur dort eben aus anderen Gründen.

Sonderthemen