Kimmich, Goretzka, Gnabry und Süle So tickt die neue starke Generation beim FC Bayern

Von Marco Seliger 

Der goldene Jahrgang 1995: Wie die Nationalspieler Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Leon Goretzka und Niklas Süle beim FC Bayern München die Führungsrolle übernehmen

Männer der Zukunft: Joshua Kimmich (li.), Leon Goretzka (Zweiter v. re.) und Serge Gnabry (re.) Foto: imago/Sven Simon
Männer der Zukunft: Joshua Kimmich (li.), Leon Goretzka (Zweiter v. re.) und Serge Gnabry (re.) Foto: imago/Sven Simon

Leverkusen/Stuttgart - Ein breites Kreuz hatte Leon Goretzka schon, als er noch gar keins hatte. Denn selbstbewusst und meinungsstark war der Nationalspieler des FC Bayern schon immer. Der gebürtige Bochumer ist ein Typ, der aufrecht durchs Leben geht und Haltung zeigt. Nun ist Goretzka dank seiner neuen Muskelpakete, die er sich in der Corona-Pause zugelegt hat, auch körperlich so etwas wie ein echtes Alphatier. So drückte Goretzka auch im Spiel bei Bayer Leverkusen (4:2) am Samstag seinen neuen starken Rücken wieder durch, er schoss ein Tor, gab eine Vorlage und war auch sonst sehr auffällig unterwegs im zentralen Mittelfeld.

Sollten die Bayern nun am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach gewinnen und der Tabellenzweite Borussia Dortmund zuvor bei Fortuna Düsseldorf verlieren, wäre die achte Meisterschaft in Serie schon am 31. Spieltag sicher – und der Mann, dem sie in München auf Sicht die Chefrolle zutrauen, weiß, warum das neben der sportlichen Qualität der Profis so ist. „Unser Vorteil aktuell ist, dass wir elf Chefs auf dem Platz haben“, sagte Goretzka am Samstag über die Machtstruktur beim FC Bayern – und gab damit ein ganz subtiles Zeichen dafür, dass nicht etwa nur die ältere Generation beim FC Bayern um Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Thomas Müller oder Robert Lewandowski den Ton angibt. Sondern eben auch Typen wie Leon Goretzka, der der sogenannten new Gen, also der „neuen Generation“, angehört.

Ein Jahrgang mit Haltung

Der Begriff kommt aus einer Zeit, als das Oktoberfest noch gefeiert werden durfte, was gar nicht so lange her ist. Im Herbst 2019 postete Innenverteidiger Niklas Süle, der nun nach einem Kreuzbandriss noch im Aufbautraining ist, während der Wiesn ein Foto auf Instagram. Darauf zu sehen waren neben ihm im Trachten-Outfit seine Kumpels Goretzka, Joshua Kimmich und Serge Gnabry – und darunter stand, genau: New Gen.

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Diese vier Münchner Nationalspieler sind ja sogar im Wortsinn eine Generation, da sie alle denselben Jahrgang (1995) haben – sie kennen sich aus gemeinsamen Zeiten in den Jugendnationalteams lange, und über ihre Einstellung zum Leben sagt Leon Goretzka diesen Satz: „Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind so eine letzte Generation zwischen den Älteren und den ganz Jungen – eine Generation, die sich bewusst ist, dass hinter allem viel Arbeit steckt, dass man wertschätzen sollte, was einem das Leben ermöglicht und dass man sich immer eine gewisse Bodenständigkeit bewahren muss.“

Mit dieser Einstellung hat es das Nationalspieler-Quartett des FC Bayern Deutschland schon zu einigem gebracht. So gewannen Kimmich, Süle und Goretzka im Sommer 2017 den Confed-Cup in Russland und zeigten schon da Führungsqualitäten. Mit Gnabry sind sie nun beim FC Bayern längst wichtige Säulen – auf und neben dem Platz.

Kimmich als Kapitän?

Der schleichende Machtwechsel im Münchner Kader ist ein viel beachtetes Thema – weil es eben um die Gegenwart und die Zukunft geht, in der das Quartett immer mehr das Sagen zu haben scheint und diesen Anspruch durch konstant starke Leistungen untermauert.

Sportdirektor Hasan Salihamidzic bekräftigte, dass dieser interne Prozess von Vereinsseite gewollt sei. Das Bayern-Gerüst der Zukunft scheint zu stehen. Und es ist deutsch, was so geplant war. „Immer, wenn der FC Bayern eine Ära geprägt hat, gab es einen starken Stamm deutscher Spieler, der auch die Atmosphäre steuerte“, sagte Salihamidzic. „Dass Joshua, Serge, Leon und Niklas bei uns spielen, ist kein Zufall. Sie sind die Spieler, die ihre Generation prägen.“

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Für Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge steht sogar fest, dass der zentrale Mittelfeldmann Joshua Kimmich „eines Tages unser Kapitän wird“. Kimmich selbst betonte schon vor zwei Jahren mit seinen damals 23 Jahren, dass man mit jedem auf Augenhöhe agieren müsse und keine Angst davor haben dürfe, „Jérôme Boateng oder Thomas Müller bestimmte Dinge zu sagen“. Längst hören nun auch die Alten auf den jungen Kimmich, auch wenn der im Zweifel immer darauf bedacht ist, dass das auch wirklich so ist und eher zu viele als zu wenige Kommandos gibt – und seinen Mitspielern damit auch mal auf die Nerven gehen kann.

Wie auch immer, Kimmich hat zuletzt mit Leon Goretzka und der Spendenaktion „We kick Corona“ auch außerhalb des Platzes an Profil gewonnen, nun will er das mit seinen Mitstreitern auch auf dem Platz tun – mit der einzig gültigen Währung in dieser Hinsicht beim FC Bayern München und auch im Nationalteam. „Unsere Generation hat viel Potenzial,“, sagt Kimmich, „aber eben noch nicht so viele Titel gewonnen.“




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