Kind aus Sachsenheim braucht Stammzellenspender Arijans Leben hängt am seidenen Faden

Von Susanne Mathes 

Die Familie Bojku gibt die Hoffnung nicht auf: Ihr siebenjähriger Sohn Arijan hat Blutkrebs und braucht einen Stammzellenspender. Am Samstag gibt es eine Typisierungsaktion für den Jungen. Das Leben mit der Krankheit und die Frage, wie es weitergehen wird, sind eine permanente Zerreißprobe für die Familie.

Der kleine Patient  ist gerade mal zuhause – und hier beim Spielen mit seinem großen Bruder Gent. Foto: factum/Granville 8 Bilder
Der kleine Patient ist gerade mal zuhause – und hier beim Spielen mit seinem großen Bruder Gent. Foto: factum/Granville

Sachsenheim - Der Kontrast könnte kaum größer sein. Der siebenjährige Arijan, gerade aus dem Stuttgarter Olgäle zurück, hat trotz der Strapazen schon wieder Freude an lautstark geschmetterten Kinderliedern und am Spielen mit seinem Bruder Gent. Arijans Mutter dagegen, die 34-jährige Nahide Bojku, die ein Zimmer weiter am Wohnzimmertisch sitzt, muss alle Willensanstrengung aufbringen, um die Fassung zu bewahren angesichts der Situation ihres Sohnes. „Mit einem Fuß im Leben zu stehen und mit dem anderen immer in der Ungewissheit, was morgen kommt, kostet unglaubliche Kraft“, sagt sie.

Kämpfen musste er von Geburt an

Arijan musste von Geburt an kämpfen. Er kam mit dem Down-Syndrom zur Welt und hat einen Herzfehler. Auch andere Beeinträchtigungen setzen ihm zu. „Aber unser Ari“, sagt Nahide Bojkus Schwägerin Bettina Bojku, „ist ein Sonnenkind, ein richtiges Stehaufmännchen.“ Trotz seiner Probleme ist er ein lebensfrohes Kind, behütet, gestützt und ermutigt von seinen Eltern, seinen beiden Brüdern und dem engen Familienkreis. Er besuchte den Kindergarten, wo er mit seinem besten Freund – einem Jungen ohne Handicap – ein Herz und eine Seele war.

Im September 2018 wurde Arijan eingeschult. Genau eine Woche und zwei Tage lang währte sein Leben als ABC-Schütze. Dann fanden die Ärzte Leukämiezellen in seinem Blut. „Die Diagnose hat uns den Boden unter den Füßen wegzogen“, beschreibt es seine Mutter. „Von jetzt auf gleich waren wir aus dem Alltag gerissen. Und isoliert.“ Die Schule, Spielplatzbesuche, Treffen mit Freunden: Alles, was Arijan an ein normales Leben andockte, ist seither gestrichen. Sein Leben spielt sich fast ausschließlich in der Wohnung, die zur Vermeidung von Infektionsherden penibelst, ja beinahe aseptisch rein gehalten werden muss, und in der Stuttgarter Kinderklinik ab, wo sofort nach der Diagnose die Chemotherapie begann.

Ein Leben am Limit

Arijan wurde ein sogenannter Port eingepflanzt, eine kleine Kammer mit einem Schlauch, der in eine herznahe Vene mündet. Bis vor Kurzem bekam er seine Medikamente über eine spezielle Nadel direkt in den Port. Zuletzt wurde er mit einer Antikörpertherapie behandelt – die Chemotherapie belastete ihn zu sehr. All die Medikamente, Vollnarkosen, Strapazen: Sie bringen das Kind, bei dem die Mediziner wegen des Down-Syndroms ohnehin besondere Vorsicht obwalten lassen müssen, an sein Limit. Dazu gesellen sich üble Begleiterscheinungen wie Lungenentzündungen oder eine Thrombose.