Kinder drehen den Streifen „Scherben bringen Glück“ in Weinstadt Der Heimatort als Filmkulisse

Von Annette Clauß 

Zwölf Grundschüler aus Weinstadt arbeiten derzeit an einem Film über ihren Heimatort. Der Kinderfilm, der mit Fördergeldern des Bundesverbands Jugend und Film finanziert wird, feiert am 30. März seine Premiere im Kommunalen Kino.

Ein altes Buch aus dem Stadtarchiv Foto: Eppler
Ein altes Buch aus dem Stadtarchiv Foto: Eppler

Weinstadt - Leyla zupft an ihren weißen Spitzenhandschuhen, zieht eine Augenbraue hoch und deutet hinter sich, auf das Häuschen, in dem das Stadtarchiv untergebracht ist. „Da bin ich die Chefin“, sagt die Grundschülerin, „und Herr Breyvogel ist mein Assistent.“ Bernd Breyvogel, der Weinstädter Stadtarchivar, steht neben der Zehnjährigen und trägt seine Degradierung mit Humor – ebenso wie die Tatsache, dass er zusammen mit Leyla gerade zehn Mal hintereinander die gleiche Szene hat drehen müssen. So ist das eben beim Film.

Der Filmtitel steht schon: „Scherben bringen Glück“

Noch die ganze Woche über ist der Stadtteil Großheppach die Kulisse für einen Film, der „von Kindern mit Kindern für Kinder“ gedreht wird. „Scherben bringen Glück“ lautet der Titel des Projekts, bei dem zwölf Grundschüler der Friedrich-Schiller-Schule die Arbeit als Filmemacher kennen lernen. Und zwar von der Pike auf: Die Mädels und Jungs haben Großheppach erkundet, Drehorte aufgestöbert, das ein oder andere Gespenst aufgeschreckt, sich mit Großheppacher Bürgern unterhalten, spannende Geschichten verfasst, das Filmen mit einem i-pad in Rekordgeschwindigkeit erlernt – und nun wird also endlich geschauspielert.

„Action“, sagt Thomas Hauck, der künstlerische Leiter des Filmprojekts, und seine rechte Hand Christine Fritz hält drauf mit der Kamera auf die nächste Szene, die in einem Baumhaus im romantischen Park des Großheppacher Schlössles spielt. Ein dickes, uraltes Buch aus dem Stadtarchiv, das eine wichtige Rolle in der Geschichte hat, liegt auf dem Boden, vier Kinder scharen sich drum herum und über allem schwebt ein Mikrofon. „Wir mussten die Szene im Archiv vorziehen, weil der Stadtarchivar in den Urlaub geht“, erklärt Hauck, der als Autor und Schauspieler tätig ist und seine Filmcrew spitze findet: „Es ist traumhaft, wie die Kinder dabei sind.“

Insgesamt 40 Jungen und Mädchen hätten sich für die Teilnahme beworben – und das, obwohl das Filmprojekt ausschließlich außerhalb des Schulunterrichts und in den Ferien laufe, erzählt die Grundschullehrerin Gabriele Hermes. Sie hatte die Idee zum Projekt und hat auch die aufwendige Bewerbung um Fördergelder bewerkstelligt. Aus den vielen Dritt- und Viertklässlern hat Gabriele Hermes eine „gut gemischte Gruppe“ mit zwölf Kandidaten zusammengestellt.

Kinder sollen sich vernetzen

„Die Kinder sollen ihren Wohnort und die Leute, die dort leben, kennen lernen, sie sollen sich vernetzen“, beschreibt Gabriele Hermes die Ziele des Filmprojekts. Die Pädagogin hofft, dass die Sache zum Selbstläufer wird: Im Atelierunterricht der Grundschule, in dem jahrgangsübergreifend gearbeitet wird, könnten in Zukunft Dokumentarfilme und Interviews entstehen, sagt sie – das nötige Wissen könnten die zwölf Kinder an ihre Schulkameraden weiter geben.

Die Geschichte von „Scherben bringen Glück“ ist ein Gemeinschaftswerk. Thomas Hauck, der auch als Autor tätig ist, vergleicht es mit einem Puzzle: „Jedes Kind hat nach dem Rundgang durch den Ort seine Geschichte geschrieben und dann haben wir daraus eine gemeinsame Story gemacht, in der jeder seinen Teil wiederfindet.“ Ein Teller, der von der Großheppacher Porzellanmalerin Claudia Schopf eigens für den Dreh bemalt worden ist, spielt eine bedeutende Rolle – so viel sei vorab verraten. Diverse Gespenster haben einen Auftritt, eines davon spielt die achtjährige Joanna, für die von Anfang an klar war, dass sie mitmachen will beim Dreh „weil ich das cool finde“. Sie schlüpft in die Rolle des Weingeistes, der sich im Gewölbekeller des Schlössles herumtreibt, und übernimmt zudem den Part eines Räubers.

Bei dem medienpädagogischen Projekt werde den Kindern klar, dass das, was im Fernsehen zu sehen ist, oft nicht die Wahrheit, sondern gestellt sei, sagt Thomas Hauck. Außerdem lernten die Kinder, wie viel Arbeit und Disziplin in einem Film steckten. Denn nach den Dreharbeiten kommt noch das Schneiden und das Vertonen, ja selbst die Herstellung der Plakate und der Eintrittskarten gehört zu den Aufgaben. Wie lange der Film wird, das sei noch unklar, sagt Hauck: „Vielleicht wird er ja abendfüllend.“ Aber eines weiß der künstlerische Leiter schon jetzt: „Bei der Premiere gibt es einen roten Teppich.“




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