Ein Detektivspiel für Ortskundige
Im vergangenen Sommer hatte unsere Zeitung zum Straßen- und Plätze-Raten aufgerufen. Im ganzen Landkreis waren Reporter unterwegs und stellten Details von Örtlichkeiten in Wort und Bild vor, die es zu erraten galt. Bärbel Maier hat das Rätseln ganz schön beschäftigt: „Das war wie ein Detektivspiel für mich. Manchmal bin ich einen ganzen Abend gesessen, habe im Internet geschaut und meine Vermutungen überprüft, und manchmal konnte ich auch einfach nur raten.“ Nun durfte sie mit der persönlichen Führung durch die Kleinen Stadtführer ihren Gewinn einlösen. „Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Die Kinder haben sich super vorbereitet, sie wissen unheimlich viel über die Stadtgeschichte, und sie haben tolle Geschichten erzählt. Das Engagement dieser jungen Menschen für ihre Stadt ist einfach super“, zeigte sich die Köngenerin beeindruckt.
Wuchtige Steintürme dienten als Wohnungen
Anhand eines Pop-Up-Bilderbuchs gab es einen informativen Überblick, wie sich der Städtebau von den Anfängen bis heute entwickelt hat – immer ergänzt durch Esslinger Beispiele. So erinnerte Isabel Knickel daran, dass auch in Esslingen im 13. Jahrhundert wuchtige Steintürme als Wohnraum gebaut wurden: „Das Gelbe Haus am Hafenmarkt, in dem heute das Stadtmuseum zuhause ist, war so ein Turm. Heute ist er aber nur noch halb so hoch wie damals.“ Sie berichtete von den vielen Pfleghöfen, die sich bis heute in Esslingen finden, die einst als Zweigstellen und Wirtschaftshöfe der Klöster in den Städten dienten. Malte Grutschnig erzählte Stadthistorisches von der ersten urkundlichen Erwähnung Esslingens im Jahr 777 über die Ernennung zur Freien Reichsstadt 1181 bis zum Anschluss Esslingens 1865 an die erste Eisenbahnstrecke in Württemberg.
Daniel Berner erklärte, wie und weshalb das Alte Rathaus in verschiedenen Abschnitten erbaut wurde. Dazu demonstrierte seine Stadtführer-Kollegin Mia Naumann den „Schwäbischen Mann“, jene ganz besonders stabile, einem gestreckten X ähnelnde Fachwerkformation, die beim Bau zum Einsatz kam. Marie Mancilik ergänzte, dass das Alte Rathaus ursprünglich als Getreidelager und Markthalle mit Verkaufsständen gedacht war und dass die Nordseite später im Renaissance-Stil von Heinrich Schickhardt gestaltet wurde. Mit einem Schmunzeln hörte Bärbel Maier die Sage vom spukenden Männle, das diebischen Arbeitern im heutigen Kielmeyerhaus einen gehörigen Schrecken einjagte.
St. Dionys sollte einen dritten Turm bekommen
Nachdem der Regen nur wenig nachließ, schlossen die Kleinen Stadtführer einen spontanen Rundgang in der Stadtkirche St. Dionys an. Malte Grutschnig erläuterte, weshalb der Boden im Kirchenschiff eine dunklere Steinfarbe besitzt als der im Eingangsbereich: „Am heutigen Eingang war mal ein dritter Kirchturm geplant. Das Projekt wurde dann aber wieder verworfen.“ Er lenkte den Blick auf die Abweichung der Bau-Achse und auf ein Loch in der hölzernen Decke, durch das der Schall des Orgel-Fernwerks nach unten ins Kirchenschiff geleitet wird. Im Lettner der Kirche sorgte Daniel Berner für staunende Gesichter, als er die Herkunft des heute zum Schweigen auffordernden Ausdrucks „Halt die Klappe!“ erklärte: Die Sitzflächen im Chorgestühl können hochgeklappt werden. Um zu vermeiden, dass die Klappsitze während des Gottesdienstes, wenn die Mönche aufstanden, laut gegen die Rücklehnen knallten, galt die Anordnung: „Halt die Klappe!“
Als das Gewitter weitergezogen war, konnte die Gruppe zum krönenden Abschluss den Turm der Stadtkirche besteigen: „Das war für mich etwas ganz Besonderes, ich habe mich wie eine Königin gefühlt“, strahlte Bärbel Maier hinterher: „Der Blick von oben auf die Stadt, auf die Burg und auf die Weinberge war wunderbar. Und nach dem Regen war alles so grün und frisch, einfach herrlich.“
Das waren die Folgen des Straßenrätsels:
Baltmannsweiler: Eine Bordsteinkante sucht man vergeblich
Esslingen: Dieser Weg wird kein leichter sein
Baltmannsweiler: Häuserzeile mit Ausblick
Esslingen: Relief gewordener Zeitgeist
Kirchheim: Von Hufgetrappel und Peitschenknall
Altbach: Da passt was nicht zusammen
Esslingen: Der Platz ohne Name in Esslingen
Esslingen: Die geteilte Straße
Esslingen: Eine unterirdische Kathedrale aus Beton
Esslingen: Eine kleine Exklave im Grünen mit jeder Menge Holz
Kinder werden kreativ
Kinder-Biennale
Die 2009 von Margit Bäurle ins Leben gerufene Kinder-Biennale ist Ideenschmiede, Netzwerk und Kontaktbörse für kreative Projekte. In Kooperation mit Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Medien organisiert das ehrenamtliche Team Veranstaltungsreihen, Projekte, Workshops und Ausstellungen für Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren.
Kleine Stadtführer
Unter dem Motto „Kinder sind Profis“ dürfen Kinder bei der Kinder-Biennale in unterschiedlichste Berufe wie Koch, Gärtner, Künstler, Medienmacher oder Architekten hineinschnuppern. Die Kleinen Stadtführer haben zu historischen Esslinger Objekten Präsentationen erarbeitet, und sie bieten verschiedene Themen-Führungen zur Esslinger Stadt- und Baugeschichte an.