Kinder in der Coronakrise Der Lockdown hat die Jugendarbeit verändert

Von Sabine Fischer 

Die ersten Kinder dürfen seit Anfang Juni zurück in die Jugendhäuser im Land. Doch der neue Alltag ist für viele eine Herausforderung. Betroffene berichten vor der Kamera.

Stuttgart - Geduldig steht Agapi Martinaki vor der Tür des Jugendhauses Höfingen. Das erste Mal seit knapp drei Monaten ist die 10-Jährige heute wieder hier, seit Beginn des Corona-Lockdowns hat sie die Räumlichkeiten nicht mehr betreten. „Ich freue mich total, dass es jetzt wieder losgeht“, sagt Agapi. Hinter ihr stehen vier weitere Mädchen in ordentlichem Abstand nebeneinander und warten darauf, eingelassen zu werden. Vor ein paar Monaten noch wäre die Gruppe lauthals durch die Tür gestürmt und hätte in der Halle mit dem Nachmittagsprogramm begonnen. Doch inmitten der Pandemie sieht die Welt im Jugendhaus anders aus.

Keine Rückkehr zur Normalität

Seit Anfang Juni dürfen Kinder- und Jugendeinrichtungen in Baden-Württemberg ihr Präsenzangebot wieder aufnehmen – für viele ein Hoffnungsschimmer. Doch eine Rückkehr zur Normalität vor der Corona-Krise liegt dennoch in weiter Ferne. „Der Lockdown hat einiges verändert“, sagt Tabea Goldschmitt, Sozialarbeiterin im Jugendhaus Höfingen. Bisher setzte sie in der Kinder- und Jugendarbeit auf ein offenes Konzepts. Um den Kindern und Jugendlichen einen sicheren Raum abseits möglicherweise schwieriger Familienverhältnisse bieten zu können, sei es wichtig, den Zugang zu den Angeboten des Jugendhauses so freiheitlich zu gestalten. Spontan kommen und gehen zu können, war bisher eines der obersten Gebote.

Eigene Hygienekonzepte ausgearbeitet

Angesichts des Maßnahmenkatalogs, den das Land Baden-Württemberg für die Öffnung von Kinder- und Jugendeinrichtungen vorgelegt hat, muss Goldschmitt jedoch umdenken. Ein offenes Konzept sei im Moment nicht mehr möglich. „Wir müssen zum Beispiel die Größe der Gruppen regulieren. Das heißt, dass die Teilnehmer sich vorher anmelden müssen und nicht mehr spontan sein können. Für viele ist das gerade noch schwierig“, so Goldschmitt.

Für das Angebot im Jugendhaus hat Goldschmitt gemeinsam mit dem Team des Jugendhauses Höfingen zudem einen detaillierten Hygieneplan aufgestellt – Mindestabstand, gründliches Händewaschen und eine Gesundheitsbescheinigung inklusive. „Das ist eine neue Normalität für uns“, so Goldschmitt. „Es dauert eine Weile, aber die Kinder und Jugendlichen gewöhnen sich langsam daran.“




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