Kinderbetreuung in Gerlingen Immer weniger Kinder – das hat auch sein Gutes

Sinkende Geburtenraten kommen Kommunen zurzeit gelegen – weil sie weniger der raren Betreuungsplätze benötigen. Foto: dpa

Die sinkende Geburtenrate entlastet aktuell die Kommunen bei der Erfüllung ihrer Pflicht zur Kinderbetreuung. Auf diese Entwicklung reagiert die Stadt Gerlingen auf besondere Art.

Die deutschlandweit sinkende Geburtenrate entlastet aktuell die Kommunen bei der Erfüllung ihrer gesetzlichen Pflicht zur Kinderbetreuung. Auf die Entwicklung reagiert die Stadt Gerlingen jetzt, in dem sie Krippen- in Kindergartenplätze umwandelt.

 

Seit dem Jahr 2021 fallen in Deutschland die Geburtenzahlen. Was sich gesamtgesellschaftlich zum Problem entwickeln könnte, kommt den Städten und Gemeinden recht: Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kindergartenkinder lässt sich leichter erfüllen, wenn weniger Neugeborene hinzukommen.

Die Stadt Gerlingen hat deshalb angekündigt, im Laufe des kommenden Betreuungsjahrs 2025/2026 einige Ganztagesbetreuungsplätze für Kleinkinder unter drei Jahren (U3) in solche für Kinder über drei Jahre (Ü3) umzuwandeln. Betroffen ist hiervon das Kinderhaus Waldsiedlung, wo die U3-Betreuung komplett eingestellt werden soll. Zehn Ganztageskrippenplätze fallen hier weg, elf Ganztagesplätze für Kinder über drei Jahren sollen hinzukommen.

Weniger Personal nötig

„Durch diese Umstrukturierung und die zusätzliche Umwandlung von sieben Kindergartenplätzen mit verlängerter Öffnungszeit in sieben Ganztagesbetreuungsplätze passen wir den sinkenden Bedarf an U3-Plätze an und kommen gleichzeitig dem Bedarf an weiteren Ganztagesplätzen für Kinder ab drei Jahren in der Waldsiedlung nach“, erläutert die Stadt. Zugleich reduziere sich dadurch der Personalaufwand. Anfragen nach Krippenplätzen in der Waldsiedlung könnten von der Einrichtung „Windelflitzer“ abgedeckt werden. Der Gemeinderat hat dieses Vorgehen einstimmig gebilligt.

In Gerlingen leben derzeit pro Jahrgang durchschnittlich 162 Kinder. Zuletzt waren dies 175 Kinder. Der Versorgungsgrad liegt im Krippenbereich in Gerlingen bei 38,7 Prozent. Bürgermeister Dirk Oestringer (parteilos) betont, dass in Gerlingen „alle eingegangenen Betreuungsanfragen mit einem Betreuungsangebot bedient werden können“.

Im November 2024 demonstrierten Eltern in Gerlingen gegen hohe Kita-Gebühren. Foto: Geronimo Schmidt

Nicht unwahrscheinlich ist freilich, dass viele Gerlinger Familien einen Krippen- oder Kindergartenplatz erst gar nicht nachfragen, weil sie die vergleichsweise hohen Kita-Gebühren in der Kommune nicht bezahlen wollen oder können. Im vergangenen Jahr war es in Gerlingen deshalb zu massiven öffentlichen Protestaktionen gekommen.

Hohe Ausgaben

Für einen Ganztagesplatz in der Krippe müssen Eltern in Gerlingen seit 1. Januar monatlich 596 Euro zuzüglich 64 Euro Essensgeld bezahlen. Im Kindergarten (Ü3) liegen die Gebühren für die Ganztagesbetreuung bei 338 Euro für das erste Kind und bei 250 Euro für das zweite. Zuletzt hatte die Stadt Anfang dieses Jahres die Gebühren um 7,5 Prozent angehoben. Nach dem Willen des Gemeinderats folgt zum 1. September eine weitere Erhöhung um 7,3 Prozent. Elternvertreter betonen, dass damit die Grenze des Zumutbaren überschritten sei.

Entspannung bei Fachkräftemangel

Entspannung scheint sich jedoch beim Fachkräftemangel in Gerlinger Kindergärten abzuzeichnen: So soll in der Kinderkrippe Breitwiesenhaus, wo aktuell aufgrund der angespannten Personalsituation die Öffnungszeiten reduziert sind, ab dem kommenden Jahr die volle Betreuungszeit wieder gewährleistet sein.

Weiter verbessern könnte sich die Betreuungssituation, wenn voraussichtlich ab dem zweiten Quartal kommenden Jahres in der Bosch-Unternehmenszentrale auf der Schillerhöhe eine Kita für 50 Kinder in Betrieb geht. Hier bestehe im Bedarfsfall „die Option, Belegplätze für Gerlinger Kinder zu buchen“ erklärt die Stadtverwaltung.

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