Kinder in Stuttgart Gibt es jetzt weniger Spielplätze? – „Bankrotterklärung für die Stadt“

Der Dino-Spielplatz beim Löwentormuseum im Rosensteinpark ist neu und sehr beliebt. Doch nicht alle Spielplätze in Stuttgart sind so attraktiv. Foto: Lichtgut/Rettig

Der Richtwert, wie viele Spiel- und Bewegungsfläche es pro Einwohner geben soll, wird nach unten geschraubt. Was bedeutet das konkret?

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Stuttgart hat sich auf die Fahnen geschrieben, eine kinderfreundliche Stadt zu sein. Dennoch wird der Richtwert, wie viele Spiel- und Bewegungsfläche es pro Einwohner geben soll, nach unten geschraubt – und zwar von zwei bis vier Quadratmeter pro Einwohner auf 1,75 bis 2,25 Quadratmeter pro Einwohner. Diese Zahlen gelten allerdings nur für neue Wohnbauprojekte. Denn wo bereits gebaut ist, tut sich die Stadt schwer damit, überhaupt zusätzlich Flächen für Spielplätze zu finden.

 

Allerdings gilt auch: Wird auf Flächen der Stadt gebaut, oder baut die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) in Quartieren, in denen Spiel- und Bewegungsflächen rar sind, ist ein höherer Richtwert, nämlich 2,25 Quadratmeter pro Einwohner, anzusetzen. So steht es in einer aktuellen Vorlage des Gemeinderats zur Fortschreibung des Spielflächenleitplans, die der Jugendhilfeausschuss diskutiert und der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik am Dienstag beschlossen hat.

Warum die Kinderbeauftragte der Stadt zustimmt

Aus Sicht der Stadt ist der neue Plan ein Fortschritt. So sollen künftig die Bedürfnisse von Jugendlichen bis 18 Jahren stärker berücksichtigt werden. Zudem erhofft sich die Verwaltung mehr Verbindlichkeit. Damit begründete auch die Stuttgarter Kinderbeauftragte Maria Haller-Kindler im Jugendhilfeausschuss ihr „Commitment“ zu dem Plan. Die alten Richtwerte seien nie erreicht und damit irgendwann nicht mehr ernst genommen worden. Die neuen Richtwerte seien für eine Großstadt im Kessel noch immer ambitioniert. Nun gehe es darum, dieses Standards auch ernst zu nehmen.

Um mehr Verbindlichkeit zu erreichen, wird künftig bei allen Wohnbauentwicklungen ab mittlerer Größe und bei Vorhaben in Stadtvierteln mit „besonderer Handlungspriorität“ die städtische Kinderbeauftragte als Sachverständige in das Preisgericht aufgenommen. Besonders hohen Handlungsbedarf sieht die Verwaltung in den Quartieren, in denen Spielflächen rar sind und die Armut vergleichsweise hoch ist. Diese befinden sich vor allem:

  • in den innerstädtische Bezirken
  • in den obere Neckarvororten
  • in Bad Cannstatt
  • in den nördlichen Stadtbezirken Zuffenhausen und Stammheim

„In den betroffenen Stadtvierteln sind zukünftig die öffentlichen Spiel- und Bewegungsflächen besonders mit qualitätsvollen Spielgeräten auszustatten und verstärkt neue öffentliche Spiel- und Bewegungsflächen dauerhaft oder temporär zu schaffen“, heißt es in der Vorlage.

Weil Flächen in Stuttgart knapp sind und neuer Wohnraum dringend benötigt wird und deshalb weiter gebaut werden muss, stimmten die Fraktionen im Gemeinderat der Absenkung des Richtwerts zwar zu. Im Jugendhilfeausschuss waren aber auch viele kritische Stimmen zu hören. „Die Absenkung des Richtwerts tut weh. Ich würde mich freuen, wenn wir anders diskutieren und den Fokus wieder auf die Kinder lenken könnten“, sagte Manja Reinholdt (Die Linke/SÖS/Plus). Jasmin Meergans (SPD) sprach von einer „Bankrotterklärung für eine kinderfreundliche Stadt“. Unter anderem Isabelle-Florentine Weichselgartner (CDU) forderte mehr Jugendbeteiligung bei der Ausgestaltung von Spielplätzen.

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