Kinder kochen mit prominenten Köchen Vincent Klink, Timo und die Maultasche
Was kommt dabei heraus, wenn prominente Köche mit Kindern deren Lieblingsessen zubereiten? Ein neues Kochbuch liefert auf 240 bunten Seiten die Antwort.
Was kommt dabei heraus, wenn prominente Köche mit Kindern deren Lieblingsessen zubereiten? Ein neues Kochbuch liefert auf 240 bunten Seiten die Antwort.
Stuttgart - Na prima! Das fängt ja gut an, dachte sich Conny Wenk, als sie im Februar mit einem Kofferraum voll Equipment bei Vincent Klink in der Wielandshöhe vorfuhr. Es war wie immer bei den Fotoprojekten, die die Elterninitiative 46plus und die Stuttgarterin miteinander schon gestemmt haben: tolle Idee, dann irgendwie doch wenig Zeit, Turbostress. Aber mittlerweile ist das ja der normale Arbeitsmodus, den sich die Projektgruppe um Petra Hauser angeeignet hat. Kein Grund zur Besorgnis also. Zum Zieleinlauf hat noch immer alles geklappt.
Denn ob Fotokalender – für den der Unternehmer Reinhold Würth bei der Fotosession spontan die Zunge rausgestreckt, der TV-Unterhalter Harald Schmidt Eis gelöffelt hat – oder wie jetzt beim Kochbuch „#46pluskocht voll lecker“: Die angefragten Prominenten sagen meist zu. Die Idee besticht: Immer zeigen die Fotografien auf spielerischen Art und Weise, dass Kinder mit Downsyndrom nicht mit Samthandschuhen angefasst werden müssen, und schaffen so ein Stück Normalität. Ob in der Modefotografie, in Freundschaftsszenen oder eben beim Kochen. Denn immer geht es dabei um Begegnung. Auch hier gilt die so banale und dennoch so wahre Erkenntnis: Wer sich kennt, baut Vorurteile oder falsche Vorstellungen voneinander ab. Daran arbeitet die Elterninitiative 46plus Down Syndrom Stuttgart mit bewundernswertem Durchhaltewillen seit 15 Jahren. Die Projekte werden immer größer und anspruchsvoller. Sie wachsen wohl mit den Kindern.
Und dann ist es wie immer in den Terminkalendern viel beschäftiger und viel gefragter Menschen: Das Zeitfenster ist nicht sehr groß. Eine Stunde ist da schon viel, aber eben auch ziemlich wenig, wenn ein anspruchsvolles Fotobuch mit Kochszenen und professioneller Foodfotografie entstehen soll. Da muss man im Kopf schon mal alles durchspielen, um keine Sekunde zu vergeuden – um dann doch für alle Eventualitäten gerüstet zu sein und irgendwann alle Planung über den Haufen zu schmeißen. Denn am Ende hatten alle dann doch sehr viel mehr Zeit, „haben mit Liebe und Hingabe“ (Wenk) Spätzleteig angerührt oder Currywürste zelebriert, wie der Currywurstpapst Frank Buchholz.
18 Köche und Köchinnen und ein Koch-Konditoren-Ehepaar sagten Ja, als sich die Elterninitiative 46plus mit ihrem Wunsch an sie wandte. Ein ganz besonderes Kochbuch sollte entstehen. Ein Buch, in dem prominente Köche das Lieblingsgericht der Kinder mit den Kindern zusammen kochen sollten. Dazu sollte es noch ein Dessert geben und viele Antworten auf neugierige Frage an die Köchinnen und Köche nach Lieblingsessen, Lieblingsutensil und das beste Resteessen. Das alles sollte Schritt für Schritt in Fotos festgehalten werden.
Die Liste der Köche ist eindrucksvoll. Zusätzlich zu den Nachwuchsköchen im Alter von vier bis 22 Jahren haben neben Vincent Klink unter anderen Lea Linster, Alfons Schuhbeck, Frank Buchholz, Simon Tress, Cornelia Poletto, Ole Plogstedt und Ali Güngörmüs zugesagt. Jede Menge Prominenz also, die einem, wenn es ernst wird, vor dem Treffen vor Lampenfieber den Puls in die Höhe treiben könnte. Denn das 46plus-Team begab sich auf eine Reise durch die Welt der angesagtesten Köche und ihre Küchen. Dabei war das Machen mindestens so schön wie das Produkt.
Doch zurück auf Anfang. Kick-off-Termin: das Feinschmeckerlokal Wielandshöhe in Stuttgart. Ein Februartag, an dem es gar nicht richtig hell werden will. In der Küche ist es sicher dunkel, denkt sich Conny Wenk, die sonst nur mit natürlichem Licht arbeitet. Kein Problem. Da packt man eben die Blitzanlage ein samt Schirm von immerhin einem Meter Durchmesser und was halt an Technik sonst noch Helligkeit in dustere Räume bringt. Conny Wenk freundet sich mit dem Gedanken an, diesmal mit Studiolicht zu arbeiten.
Doch dann sagt der Küchenchef Vincent Klink: „Was wollen Sie mit dem Ding?“ Die Fotografin sieht auch sofort, warum der Koch diesen nicht unherzlich gemeinten, aber ziemlich direkten Willkommensgruß wählt. Klinks Reich ist nicht sehr groß. Nicht nur bei ihm heißt Kochen, ständig in Bewegung zu sein. Die Fotografin und das 46plus-Team lernen in den kommenden Wochen: Kochen ist neben viel Erfahrung, den richtigen Zutaten, der nötigen Portion Genialität auch jede Menge Gewusel und Gerenne zwischen Töpfen, Pfannen und Schneidebrett. Das Stolpern über Schirmständer oder Lampen ist in dieser Performance nicht vorgesehen. Die Blitzanlage blieb also im Auto. Bei Klink ebenso wie bei den weiteren 18 Fotobegegnungen.
Die Aufnahmen wurden trotzdem genial. Und erst das Essen! Wenn Conny Wenk von den Maultaschen erzählt, die Klink auf der Wielandshöhe zusammen mit seinem Gast Timo gekocht hat, hat sie nur ein Wort dafür: „Hammermaultaschen!“
Denn so wie der Stress und die Anspannung im Vorfeld gehört eines zu den überaus angenehmen Begleiterscheinungen in der Entstehungsgeschichte des Kochbuchs: „Wir durften fast alles hinterher aufessen“, sagt Conny Wenk, bekennende Minimalköchin, mit einem schwärmerischen Unterton in der Stimme. „Und wir hatten nach jedem Termin ein neues Lieblingsessen“, bekennt sie.
Als ob man es nicht schon geahnt hätte, haben die Begegnungen in Hamburg, München, Stuttgart, Köln und Mainz dem herumreisenden Team bewiesen: „Nichts bringt die Menschen stärker zusammen, als wenn sie miteinander kochen.“ Zudem bildet Kochen – oder zumindest das Drumherum bildet. Denn eines müssen sich Eltern abschminken, wenn sie sich ans Kochen unter Anleitung der Starköchinnen und Köche machen: Es gibt nicht nur pädagogisch Wertvolles und grünkernökologisch Ausgewogenes in Töpfen und Pfannen. Nein, gekocht werden ja schließlich der Kinder Leibgerichte: paniertes Schnitzel, Nudeln mit Tomatensoße oder eben die berühmt-berüchtigte Currywurst.
Aber dass es in der eigenen Küche ein bisschen raffinierter gehen kann als in so mancher Fast-Food-Bude, das macht das Buch einem doch sehr deutlich. Deshalb sind die 240 Seiten, auf denen es auch prätentiöser Daherkommendes wie Lachslollies, Haselnuss-Schokoschäumchen oder Passionsfruchttarte mit Blutorangenkompott und Schokoladeneis gibt, ein Kochbuch, in das man sich sofort vertiefen will. Ein Buch für Leib und Seele!
Buch: Conny Wenk: „#46pluskocht – voll lecker“. Neufeld-Verlag, Cuxhaven. 240 Seiten, 19,90 Euro.