Kinder mit Krebs Blutkrebs galt früher als Todesurteil

Reportage: Frank Buchmeier (buc)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Es ist eine grausame Vorstellung, dass ein kleines Mädchen stirbt, bevor es richtig leben durfte. Die Suche nach einem Hoffnungsschimmer führt zum Chef der Tübinger Kinderklinik, einem Mann mit Stoppelfrisur und Brille. Rupert Handgretinger, 56, gilt in der pädiatrischen Onkologie als Koryphäe. Von 2000 bis 2005 war er Direktor der Abteilung für Stammzelltransplantation am St.Jude Children's Research Hospital in Memphis/Tennessee.

Er berichtet: bevor das St. Jude Hospital Anfang der 1960er Jahre gegründet wurde, ließen Ärzte leukämiekranke Kinder sterben. Die Diagnose Blutkrebs galt als Todesurteil, allein der Versuch einer Heilung als ethisch nicht vertretbar. Dann entwickelte der St.-Jude-Chefarzt Donald Pinkel eine Kombinationstherapie mit dem Hormon Cortison, der Arznei Vincristin sowie Schädelbestrahlung. 40 Prozent seiner jungen Patienten konnte Pinkel auf Anhieb heilen.

500 von 600 Kinder überleben

Auf diesen großen Sprung folgten viele kleine Fortschritte. Mit dem Zwischenergebnis, dass von den etwa 600 Kindern, die hierzulande dieses Jahr an Leukämie erkrankten, mehr als 500 überleben werden.

Rupert Handgretinger hat zu dieser wissenschaftlichen Erfolgsgeschichte ein wichtiges Kapitel beigetragen: die haploidente Stammzelltransplantation. Obwohl beide Elternteile jeweils nur die Hälfte der Erbinformationen ihres Kindes aufweisen, ermöglicht diese Methode, dass Mutter und Vater als Spender infrage kommen. Um zu vermeiden, dass die Spenderzellen mit den nichtidentischen Gewebemerkmalen lebensbedrohliche Abstoßungsreaktionen bei dem Kind hervorrufen, werden die unverträglichen Zellen durch ein kompliziertes Laborverfahren aus dem Transplantat entfernt.




Unsere Empfehlung für Sie