Kinder und Geld Warum Taschengeld wichtig ist
Mit Hilfe von Taschengeld lernen Kinder mit kleinen Summen den verantwortungsbewussten Umgang mit Geld. Dazu gehört auch die Freiheit, sein Geld auch für Unsinniges ausgeben zu dürfen.
Mit Hilfe von Taschengeld lernen Kinder mit kleinen Summen den verantwortungsbewussten Umgang mit Geld. Dazu gehört auch die Freiheit, sein Geld auch für Unsinniges ausgeben zu dürfen.
Ob Eis, Spielzeug, Bücher oder – nach ein bisschen Sparen – ein neues Handy: An einem Taschengeld erfreut sich wohl jedes Kind. Doch ab wann sollte der Nachwuchs Geld zur freien Verfügung bekommen? Wie viel sollte es sein? In welchem Turnus wird ausgezahlt? Und was muss davon bezahlt werden? An diesen Fragen scheiden sich die Geister – und sie sorgen mitunter für handfeste Streitigkeiten in Familien.
Zunächst einmal gilt: „Taschengeld ist wichtig, damit Kinder und Jugendliche frühzeitig lernen, mit Geld umzugehen.“ So lautet die offizielle Position des Bundesfamilienministeriums dazu. Die Begründung: „So müssen sie selbst entscheiden, was sie sich leisten können und was nicht, und tragen dafür auch die Verantwortung.“ An diese Maxime halten sich auch die allermeisten Eltern: Schon in der Grundschule bekommen mehr als die Hälfte der Kinder Taschengeld, zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Direktversicherers Cosmos Direkt.
Das richtige Maß zu finden, ist dabei aber gar nicht so leicht. Kinder, die zu wenig Taschengeld bekommen und sich Kleinigkeiten wie ein Eis am Kiosk nicht leisten können, stehen schnell als Außenseiter da. Aber auch wer zu viel bekommt, kann schnell außen vor sein – denn das ruft Neider auf den Plan. Außerdem leidet dann der erzieherische Effekt, den Wert des Geldes zu vermitteln. Denn Kinder und Jugendliche sollen schließlich lernen, dass man für größere Anschaffungen auch sparen muss – und wer ein ausreichendes, aber eben auch nicht zu hohes Taschengeld bekommt, kann damit zielgerichtetes, freiwilliges Sparen erlernen.
Die Mehrheit der Eltern (67 Prozent) macht die Höhe des Taschengeldes der Umfrage zufolge vom Alter der Kinder abhängig, weitere 20 Prozent orientieren sich an der jeweiligen Klassenstufe. Damit liegen sie ganz auf der Linie des Familienministeriums und auch des Deutschen Jugendinstituts (DJI) – beide Institutionen raten zu einem altersabhängigen Betrag, der mit zunehmendem Alter ansteigen sollte. Laut DJI-Empfehlung sollten Kinder spätestens, wenn sie in die Grundschule kommen, also im Alter von ungefähr sechs Jahren, ein erstes eigenes Taschengeld bekommen. Denn wenn Kinder rechnen lernen, können sie auch im Alltag Wechselgeld und Preise nachrechnen und so ein Verständnis für den Zusammenhang zwischen Geld und Ware entwickeln.
Für Kinder im Grundschulalter rät das DJI zu einem Taschengeldbetrag von ein bis drei Euro pro Woche. Da sind die Eltern der Forsa-Umfrage zufolge etwas spendabler: Sie zahlen Grundschulkindern im Schnitt 3,40 Euro pro Woche aus.
Der wöchentliche Turnus ist bei Kindern im Grundschulalter wichtig. Kinder sind dann nämlich noch nicht in der Lage, den Wert des Geldes richtig einzuschätzen und es über einen längeren Zeitraum einzuteilen. Ab einem Alter von zehn Jahren sollen Eltern dazu übergehen, ihren Kindern das Taschengeld nicht mehr wöchentlich, sondern monatlich auszahlen. Denn dann geht es darum, das Einteilen zu lernen – und im Kleinen schon mal die Erfahrung zu machen, wie es ist, wenn am Ende des Geldes noch Monat übrig ist. Wünsche bekommen so einen Wert und die Kinder merken schnell, dass der monatliche Betrag eben nur einmal ausgegeben werden kann. Kinder von zehn bis 14 Jahren sollten dann zwischen 15 und 26 Euro Taschengeld im Monat bekommen. Für Kinder von 14 bis 18 Jahren, die finanziell von Ihren Eltern abhängig sind, wird ein Taschengeld zwischen 31 und 79 Euro empfohlen.
Ab einem Alter von etwa zehn Jahren ist es sinnvoll, das Taschengeld nicht mehr in bar auszuzahlen, sondern per Überweisung. Dafür bieten sich Jugend-Girokonten an, die die meisten Banken und Sparkassen kostenlos anbieten – teilweise mit Guthaben-Verzinsung. Die Jugendkonten haben dieselben Funktionen wie ein normales Girokonto, können also zum Einzahlen und Abheben sowie zum Bezahlen mit Karte genutzt werden. Auch Daueraufträge und Überweisungen sind möglich. Das Konto läuft aber laut Angaben des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) ausschließlich auf Guthabenbasis, Überziehungen oder die Inanspruchnahme von Krediten sind ausgeschlossen – selbst mit Einwilligung der gesetzlichen Vertreter. Die Bank führt Überweisungen und Lastschriften nur aus, wenn das Konto ausreichend gedeckt ist. Auch Bargeld können Minderjährige nur unter der Voraussetzung abheben, dass noch ausreichend Taschengeld auf dem Konto ist. Auf diese Weise können Heranwachsende selbstständig die ersten Schritte bei Finanzthemen machen, ohne gleich in die Schuldenfalle zu geraten.
Familien, die mit wenig Einkommen auskommen müssen und es sich nur geringere Summen leisten können, sollten darüber offen mit ihren Kindern sprechen und ihnen erklären, warum sie nicht so viel Taschengeld bekommen wie ihre Freunde, rät das DJI – denn den Kindern sollte klar sein, dass es nichts mit ihnen zu tun hat, sondern dass die Umstände eben aktuell keine höheren Summen erlauben.
Ohnehin ist die Höhe des Taschengeldes gar nicht so entscheidend. Viel wichtiger ist, dass die Kinder in regelmäßigen Abständen eine kleine Summe bekommen – und zwar unaufgefordert und zur freien Verfügung. Und frei heißt auch wirklich frei: Dinge wie Schulmaterialien sollten vom Taschengeld nicht bezahlt werden müssen – und es sollte keine Vorschriften geben, für was man sein Geld ausgeben darf. Eltern haben nur eine moralische Kontrollfunktion – beim geplanten Zigarettenkauf dürfen sie selbstverständlich einschreiten. Gegen scheinbar planlose Ausgaben sollten sie hingegen nicht protestieren. „Manchmal ist es für uns als Erwachsene schwer auszuhalten, für was Kinder Geld ausgeben“, sagt Christian Heck von der Dienststelle Kinderförderung und Jugendschutz des Stuttgarter Jugendamts. „Das sind aber die wichtigen Erfahrungen, die wir zulassen müssen.“
Laut DJI-Angaben geben Kinder den Betrag besonders gerne für Spielsachen, Zeitschriften oder Süßigkeiten aus, Jugendliche für Fast Food, Ausgehen und ihr Handy. Der größte Geschlechterunterschied findet sich darin, dass Mädchen eher Kleidung bevorzugen und Jungs alles rund um Computer. Wenn dem Nachwuchs aufgrund – zumindest aus Eltern-Perspektive – planloser Ausgaben das Geld ausgeht, ist der Lerneffekt da: Wünsche sind eben nicht unbegrenzt finanzierbar – und man muss sich sein Geld einteilen, um damit auszukommen. Gerade die kleinen Schritte sind wichtig, um zu lernen, wie man verantwortungsvoll mit Geld umgeht. Finanzkompetente Menschen wissen, dass das Haushalten mit Geld und die damit einhergehende finanzielle Unabhängigkeit wichtig für ein selbstbestimmtes Leben sind.
An Bedingungen knüpfen sollten Eltern das Taschengeld aber auf keinen Fall. Das Taschengeld zu streichen, weil das Benehmen des Kindes oder dessen Schulnoten nicht den Erwartungen entsprechen? Aus Sicht von Jugendexperte Heck ist das tabu. „Verknüpfen Sie die Sicherheit eines regelmäßigen Taschengelds nicht mit Leistung“, rät er. „Erinnern Sie sich an Ihre eigene Kindheit zurück: Konnten Sie frei über Ihr Taschengeld verfügen? Was hätten Sie sich gewünscht?“ Die Aufgabe der Eltern sei es, beim Lernprozess beratend zur Seite zu stehen und dem Kind dabei möglichst wenig Auflagen und Einschränkungen zu machen.
Umgekehrt wird eher ein Schuh draus: einen Taschengeld-Bonus für gute Schulnoten auszuloben oder vielleicht auch ein paar Euro extra zu bezahlen, wenn das Kind den Rasen mäht, ist für die meisten Experten durchaus in Ordnung. Geld kann schließlich ein Anreiz sein, sich anzustrengen. Auch in der Welt der Erwachsenen gibt es später Gehaltszulagen für besondere Leistungen. Hier wäre also durchaus eine Parallele oder ein Lerneffekt zu sehen. Je früher der Nachwuchs das lernt, desto besser.