Kinder- und Jugendhilfe Neuhausen Heimleiter Siegfried Stark übergibt den Stab
Mit großem Einsatz und einem guten Draht zu den Menschen hat Siegfried Stark die Kinder- und Jugendhilfe in Neuhausen geleitet. Der Neubau war eine Herausforderung.
Mit großem Einsatz und einem guten Draht zu den Menschen hat Siegfried Stark die Kinder- und Jugendhilfe in Neuhausen geleitet. Der Neubau war eine Herausforderung.
Neuhausen - Etwas wehmütig geht Siegfried Stark derzeit in sein Büro bei der Kinder- und Jugendhilfe Neuhausen, um die Regale auszuräumen. Neunzehneinhalb Jahre hat der studierte Sozialpädagoge das Haus des Sozialdiensts Katholischer Frauen (SKF) geleitet. Nun ist der 64-Jährige glücklich, dass mit Marcus Delan ein langjähriger Mitarbeiter seine Nachfolge antritt. Davon verspricht sich Stark eine Mischung aus frischem Wind und Kontinuität.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Gefangen in Körperbildern
Gerade in den vergangenen Jahren hatte der Leiter der Kinder- und Jugendhilfe viele Herausforderungen zu meistern. Die Coronapandemie und deren Folgen haben den Alltag der Kinder und Jugendlichen wie auch den ihrer Betreuerinnen und Betreuer entscheidend geprägt. „In Zeiten der Isolation Nähe herzustellen“, das war auch für den erfahrenen Sozialpädagogen eine Gratwanderung.
Rund 40 Kinder und Jugendliche leben in den Innenwohngruppen, dazu kommen die zwölf Mädchen und jungen Frauen der „Ariadne“, die an Essstörungen leiden. Dazu kommen unter anderem die Außenwohngruppe in Scharnhausen und eine Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. „Gerade bei der Arbeit mit jungen Geflüchteten haben wir uns oft überfordert gefühlt“, blickt Stark kritisch zurück. Da habe der Landkreis den sozialen Träger oft nicht so in die Pläne oder in die aktuellen Entwicklungen einbezogen, wie man sich das gewünscht habe. So sei Leerlauf entstanden. Stark wünscht sich für seinen Nachfolger künftig verlässlichere Absprachen.
Mit seinem Team hat Stark dennoch für alles eine Lösung gefunden, auch wenn der erfahrene Heimleiter manchmal improvisieren musste. Glücklich ist er, dass die Kinder- und Jugendhilfe auch für geflüchtete junge Menschen neue Perspektiven entwickelt hat. Über das Projekt „Welcome – Informationsstelle für minderjährige Geflüchtete“ hat sich über die Jahre ein dichtes Netzwerk mit Patenschaften entwickelt. „Das hat den jungen Menschen geholfen, hier Fuß zu fassen“, blickt Stark auf diese Arbeit und auf die vielen ehrenamtlich engagierten Menschen zurück. Das Projekt „Stage – Stärkung von jungen Geflüchteten bei der Wahrnehmung ihrer Rechte und Pflichten“ wurde Ende Juli erfolgreich abgeschlossen.
Wichtig war dem Heimleiter auch immer das Gespräch mit den jungen Menschen, die im Haus in Neuhausen leben. „Viele Probleme lassen sich schon durch das Zuhören oder im vertrauten Gespräch lösen“, findet der Sozialpädagoge. Mit seiner unkomplizierten Art hat Stark oft Barrieren überwunden. Eine schöne, entspannte Atmosphäre in den Wohngruppen im Haus zu schaffen, das war stets sein Anliegen. „Dazu hat mein Team ganz wesentlich beigetragen“, ist er überzeugt. Als Führungskraft habe er immer darauf gesetzt, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Fähigkeiten und Potenzialen entsprechend entwickeln dürfen.
Das größte Projekt seiner Laufbahn war der Neubau der drei Häuser im Quartier für Generationen. Das Samariterstift mit 75 Pflegeplätzen für Seniorinnen und Senioren, der Mozartschule und neuen Wohnhäusern betrachtet er als eine ideale Nachbarschaft, in der sich Menschen begegnen können. 7,2 Millionen Euro hat der SKF in die neuen Gebäude investiert. „Wir haben auch Wert auf eine anspruchsvolle Architektur gelegt, die zum sozialpädagogischen Konzept passt.“ Nur durch Spenden war der Neubau möglich. „Dass wir den Kindern und Jugendlichen trotz gekürzter Mittel vieles bieten können, das macht unser Förderverein möglich“, lobt Stark das Engagement der Männer und Frauen von „Zukunft für Kinder“. Jetzt leben die Kinder und Jugendlichen nicht mehr in den Zimmern mit langen Gängen, wie das im ehemaligen Josefsbau der Fall war. Die Wohngruppen haben zentrale Küchen und Bäder. Neben Gemeinschaftsräumen gibt es die Zimmer, in die man sich zurückziehen darf. In diesen Räumen lassen sich die Angebote der Kinder- und Jugendhilfe nach Starks Ansicht optimal umsetzen.
Wie kam Stark zur Kinder- und Jugendhilfe? Nach langen Jahren beim Jugendamt des Landkreises Esslingen habe es ihn in die Praxis gezogen, blickt er zurück: „Die Entscheidung habe ich nie bereut.“ Bei aller Leidenschaft waren ihm jedoch die Familie mit seiner Frau und den zwei Töchtern sowie die ehrenamtliche Arbeit beim TSV Ötlingen ebenso wichtig.
Lange war der leidenschaftliche Freizeitfußballer Abteilungsleiter der Rhythmischen Sportgymnastik. Seine beiden Mädchen haben diese Disziplin betrieben, die nur wenige Vereine im Angebot haben. Nun freut sich Stark, dass er im Ruhestand viel Zeit für seinen Enkel hat. Zwar sei der jetzt noch zu klein, „aber die alte Märklin-Eisenbahn habe ich schon ausgepackt.“