Auch die Stuttgarter Kinderärzte leiden unter der Entscheidung des Bundessozialgerichts, dass sogenannte Poolärzte, die in Notfallpraxen tätig sind, sozialversicherungspflichtig sind. Bei den Kinderärzten würden zwar keine Notfallpraxen geschlossen, wie das mancherorts auch in der Region in der Erwachsenenmedizin der Fall ist. Man sei aber dennoch betroffen, sagt Tilo Sauter, der zum Obleuteteam der Stuttgarter Kinder- und Jugendärzte gehört. Auch unter den Kinderärzten, die den Notdienst der Niedergelassenen versehen in der Notfallpraxis im Kinderhospital Olgäle, seien Poolärzte.
In Stuttgart gibt es rund 50 Kinder- und Jugendärzte, bekanntlich deutlich zu wenige gemessen an der großen Zahl der kleinen Patienten. Schon jetzt seien die Praxen „erheblich belastet“, sagt Tilo Sauter. Diese Lage verschärfe sich jetzt noch mehr, wenn die Niedergelassenen auch die Dienste etwa von angestellten Kinderärzten oder Pensionären, die sich bisher freiwillig am Notfallsystem beteiligt haben, übernehmen müssen. „Das ist eine hohe Belastung für die Praxen“, sagt Sauter. Auf die 50 Niedergelassenen kämen etwa 30 Poolärzte, deren Dienstzeiten jetzt ersetzt werden müssten.
Großer bürokratischer Aufwand
Für die bisherigen Poolärzte sei es „eine wesentlich höhere Hürde“, sich auch künftig an den Notdiensten zu beteiligen, wenn sie von einem Niedergelassenen angestellt werden müssen. Und abgesehen vom großen bürokratischen Aufwand sei der auftraggebende Arzt weiter in der Verantwortung, etwa wenn der angestellt Arzt wegen Krankheit ausfalle. Auch die Kinderärzte fordern die Rückkehr zum bisherigen Notfallsystem.
Die Stuttgarter Kinder- und Jugendärzte machen die Dienste in der pädiatrischen Notfallpraxis im Olgäle von Montag bis Freitag von 19 bis 22 Uhr und an den Wochenenden sowie Feiertagen von 9 bis 22 Uhr.