Kinder-Uni in Stuttgart-Vaihingen Bewegung ist wie Dünger fürs Gehirn

Von und Achim Zweygarth 

Professorin Nadja Schott vom Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften hat an der Universität in Vaihingen erklärt, wie unser Gehirn funktioniert und wie es uns manchmal Streiche spielt – die Nachwuchsstudenten waren begeistert von vielen Tests und Versuchen.

Der erste Test  der Vorlesung, Nadja Schott macht’s vor: Man berührt mit dem Daumen der rechten Hand die übrigen Finger der Reihe nach und fängt mit dem kleinen Finger an, dann  Ring- ,Mittel- und  Zeigefinger. Gleichzeitig macht man das mit der linken Hand, aber in umgekehrter Reihenfolge. Das war gar nicht so einfach Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth 18 Bilder
Der erste Test der Vorlesung, Nadja Schott macht’s vor: Man berührt mit dem Daumen der rechten Hand die übrigen Finger der Reihe nach und fängt mit dem kleinen Finger an, dann Ring- ,Mittel- und Zeigefinger. Gleichzeitig macht man das mit der linken Hand, aber in umgekehrter Reihenfolge. Das war gar nicht so einfach Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Lernt man Vokabeln besser, wenn man gleichzeitig Liegestützen macht? Rechnet man vielleicht während des Fahrradfahrens schneller als auf einem Schreibtischstuhl? Fühlt man sich durch Sport nur besser, oder steigert er auch wirklich unsere Intelligenz? Diese Fragen hat sich die Professorin Nadja Schott vom Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft gestellt. In der Vorlesung „Macht Bewegung wirklich schlau?“ hat sie den Nachwuchsstudenten erklärt, wie ein Gehirn funktioniert und wie viel Spaß es macht, es zu trainieren.

Wer steuert die Funktionen im Gehirn?

Im Gehirn ist die rechte Seite für die Bewegungen der linken Körperhälfte verantwortlich und umgekehrt. Die Forscher nennen das „Überkreuzverantwortlichkeit“. Dabei sind die meisten Hirne links dominiert, es gibt also mehr Rechts- als Linkshänder. Viele Menschen sind auch gemischt: sie schreiben ihren Namen mit rechts, kicken einen Ball mit links, lauschen an der Tür mit dem rechten Ohr und linsen mit dem linken Auge durchs Schlüsselloch.

Wie kann man das Gehirn herausfordern?

Das Versuchskind Fabio war in der Vorlesung ganz schön im Stress. Erst musste er ganz viele Wörter schnell lesen: Rot,Grün, blau, gelb, rot. Das hat 13 Sekunden gedauert. Dann musste er Farbfelder benennen – was er in 18 Sekunden geschafft hat. Die schwierigste Aufgabe war dann, die Farben zu nennen, wenn das Wort in einer anderen Farbe geschrieben war. Dafür brauchte Fabio 25 Sekunden. Nadja Schott sagt, das ist ganz normal. Unser Gehirn muss noch mehr arbeiten, weil unser Gedächtnis Buchstaben sofort erkennt und anfängt zu lesen, auch wenn nur die Farbe gefragt ist. Das nennt man semantisches Gedächtnis.

Wie ist das mit der Beherrschung?

Für viel Gelächter sorgte ein Film, in dem Kinder gezeigt wurden, die mit einer Süßigkeit allein in einem Raum zurückgelassen wurden. Man hatte ihnen versprochen, sie bekommen noch mehr Süßes, wenn sie nicht aufessen. Das war lustig, weil manche Kinder ärgerlich wurden oder zu hampeln anfingen, weil die verlockende Süßigkeit sie so nervös machte. Wissenschaftler nennen das „Belohnungsaufschub“ – Dreijährige essen sofort auf, Vierjährige warten vielleicht – wenn die Belohnung sich für sie lohnt. Meistens können wir uns besser beherrschen, je älter wir werden.

Wer ist im Hirn wofür zuständig?

Das Hirn besteht aus vielen Bereichen, die verschiedene Funktionen haben. So kontrolliert zum Beispiel das Kleinhirn Bewegungen, es ist für Gleichgewicht und Haltung verantwortlich und auch fürs Lernen wichtig. Und es gibt Bereiche, die das räumliche Bewusstsein steuern: wir können uns ans Ohr fassen und wissen, wo es ist – auch wenn wir es nicht sehen.

Macht Bewegung also schlau?

Der amerikanische Forscher Chuck Hillman hat herausgefunden, dass es im Gehirn viel mehr Sauerstoff gibt, wenn man 20 Minuten schnell gelaufen ist – und seine Versuchskandidaten konnten danach besser lernen. „Wenn man aber die Mathe-Aufgabe gar nicht verstanden hat, dann nützt alles Laufen nichts“, warnte Nadja Schott. Man wird also nicht automatisch schlau. Wenn man sich aber jeden Tag 20 bis 30 Minuten so bewegt, dass man ins Schnaufen kommt, dann kann das Gehirn sogar wachsen- „Regelmäßige Bewegung ist wie Dünger fürs Gehirn“, sagte Schott. Dabei wird es auch leistungsfähiger, weil die Bereiche besser miteinander verbunden sind. „Aus einem Gewirr von vielen kleinen Feldwegen entsteht ein Superhighway“, versprach Schott. Wenn man also lernt und sich bewegt, wirkt sich das positiv aus – auch wenn die Forscher noch nicht genau wissen, wie das im Einzelnen funktioniert.

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