Die reduzierten Zeiten vor allem an Wochenenden und Feiertagen belasteten die Kinder-Notaufnahme im Klinikum besonders, so die Befürchtung. Foto: Stefanie Schlecht
Der Böblinger Landrat formuliert wegen der angekündigten verkürzten Öffnungszeiten der Kinderärztlichen Bereitschaftspraxis deutliche Kritik gegen die Kassenärztliche Vereinigung.
Nach dem Klinikverbund Südwest kritisiert auch der Landkreis Böblingen die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung (KVBW), die Kinderärztliche Bereitschaftspraxis Böblingen kurzfristig ab 1. April früher zu schließen – an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen anstatt um 22 Uhr bereits um 19 Uhr.
In einer gemeinsamen Pressemitteilung von Landratsamt und Klinikverbund betonte Landrat Roland Bernhard: „Während wir aktuell an allen Standorten unserer Kliniken händeringend nach Lösungen für das Problem in der Kinderärztethematik suchen, setzt die Kassenärztliche Vereinigung mit ihrer zudem äußerst kurzfristigen Information andere Paukenschläge“, ärgert sich Bernhard. Bernhard ist auch Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikverbunds.
Landrat beklagt auch mangelnde Kommunikation
Nur wenige Tage vorher hätten die Beteiligten selbst vor Ort erst erfahren, dass sich die Zeiten ändern. „Ein Unding“, so Bernhard. „Nach der Neuordnung des ambulanten Notfallangebots der KV ist diese überraschende Kürzung der Zeiten ein neuerlicher Tiefschlag.“ Leidtragende seien am Ende die Betroffenen, und indirekt natürlich auch die Notaufnahmen der Kliniken, wohin sich dann die Patientenströme verlagern würden, befürchtet Landrat Bernhard.
Roland Bernhard, Landrat und Aufsichtsrat im Klinikverbund, findet deutliche Worte. Foto: Eibner-Pressefoto
Auch der Chefarzt der Kinderklinik, Lutz Feldhahn, kritisierte gegenüber unserer Zeitung den Entschluss sowie die fehlende Kommunikation der KVBW. Für Feldhahn ist klar, dass die zu seiner Kinderklinik gehörende pädiatrische Notaufnahme in Böblingen den Wegfall der Spontanversorgung von kleinen Patienten in der ebenfalls im selben Gebäude untergebrachten Bereitschaftspraxis „ausbaden werden“ müsse. Konkret werde pro Wochenendtag mit zehn bis 20 Patienten mehr in der Notaufnahme gerechnet.
Auch Klinikverbund-Geschäftsführer Alexander Schmidtke fand Worte der Kritik: „Die Entscheidung trifft kleine Patienten, Eltern und vor allem unsere Mitarbeitenden in einer ohnehin angespannten Situation mit voller Wucht und das ausgerechnet vor Ostern. Diese Änderung zwingt sie zu zusätzlichen Diensten und erheblicher Mehrbelastung. Das ist nicht nur organisatorisch hochproblematisch, sondern auch eine Frage der Wertschätzung gegenüber den Teams, die die Versorgung sicherstellen. Ein solches Vorgehen ist nicht verlässlich und entspricht keiner partnerschaftlichen Zusammenarbeit.“
Spätabend-Angebot für KVBW nicht mehr zu halten
Am 20. März hatte die für die Kinderärztliche Bereitschaftspraxis zuständige KVBW angekündigt, ihre Praxis abends früher zu schließen. Auf Anfrage erklärte die KVBW das Versorgungsangebot vor allem in den Abendstunden an Wochenenden und Feiertagen für nicht mehr tragbar. Ein Sprecher sagte: „Die Öffnungszeiten sind so nicht aufrechtzuerhalten. Bisher sind wir zwischen 8.30 und 22 Uhr geöffnet, also 13,5 Stunden. Eine solch lange Zeit ist extrem belastend, für angestellte Ärzte gar nicht zulässig. Da es immer mehr angestellte Ärzte gibt, würde die Belastung für die Praxisinhaber noch stärker ansteigen.“
Der Klinikverbund und der Landkreis fordern nun „eine kurzfristige Klärung des Sachverhalts sowie eine Rückkehr zu einem abgestimmten Vorgehen im Sinne einer sicheren und qualitativ hochwertigen Versorgung“.