Der Familienreport 2017 zeigt ein wachsendes Armutsrisiko für Kinder in Deutschland auf. Alle großen Parteien haben dazu Vorschläge in ihren Wahlprogrammen. Ein nachhaltiger Einsatz der Regierenden fehlt bislang, so Matthias Schiermeyer.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Stuttgart - Dass dieses wohlhabende Land eine gefestigt hohe Armutsrisikoquote für Kinder ausweist, ist bekannt. Dass Zuwanderung die Negativbilanz noch verstärkt, kann auch nicht überraschen. Dennoch sind die Resultate des Familienreports 2017 ein Ärgernis, wenn man an die vielen Ideen dazu in den Wahlprogrammen denkt. Warum erst jetzt? Die große Koalition hat nur minimale Verbesserungen vorgenommen – auch weil der Finanzminister die Taschen zuhielt. Für teure Wohltaten bei der Rente hingegen war Geld da.

Gießkannenpolitik bringt nichts

Kinderarmut gehört zu den großen Ungerechtigkeiten, weil sie stigmatisiert und oft ein Dauerzustand ist. Sie kann Aufstiegschancen lebenslang bremsen. Etwas mehr Kindergeld für alle hilft da genauso wenig wie höhere Kinderfreibeträge, die eher Gutverdiener entlasten. Wirkungsvoller erscheinen die Abschaffung der Kita-Gebühren und ein Rechtsanspruch auf Betreuung im Grundschulalter plus zielgerichtete Teilhabemöglichkeiten. Zwar gibt der Staat viele Milliarden Euro für familienpolitische Leistungen aus, doch konkrete Bedürfnisse der Kinder werden im Unterstützungssystem zu wenig berücksichtigt. Auch Alleinerziehende müssen als wesentlicher Faktor für Kinderarmut noch viel mehr in den Fokus genommen werden. Hohle Wahlversprechen will niemand mehr lesen. Nachhaltiges Handeln zählt.

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