Der Bedarf ist groß, doch der Personalmangel setzt in Ditzingen der Kinderbetreuung Grenzen: Viele Plätze in den Kindertagesstätten können nicht vergeben werden. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Ditzingen - Gestresste und verärgerte Eltern, Kita-Personal und Stadtverwaltung unter Druck: die Situation in Ditzingen ist laut der Stadtverwaltung dieselbe wie in anderen Kommunen. Der Grund: Es fehlt an Personal. Bei der Tagung einer Arbeitsgemeinschaft des Städtetags sei deutlich geworden, „dass es sich um ein landesweites Problem handelt und die Lösungsansätze der Kommunen im Prinzip überall gleich sind“, teilt die Stadtverwaltung mit. Das ändert freilich nichts an der Situation der Stadt: Derzeit können nach eigenen Angaben rund 110 Plätze in Kindertagesstätten in der Stadt nicht belegt werden.

Kita-Erweiterungen nicht berücksichtigt

In Ditzingen sind – Stand Ende Oktober – 19 Stellen unbesetzt. Weitere vier Stellen müssten nach Kündigungen von April an wiederbesetzt werden. Offene Stellen würden durch Zusatzkräfte kompensiert, zudem durch neun junge Menschen, die derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) leisten, heißt es in einer Information an den Gemeinderat.

Die Zahl nicht belegter Plätze bezieht auf die derzeitige Situation. Nicht berücksichtigt seien die zusätzlich erforderlichen Kräfte für die Erweiterung der Kita Schwabstraße auf 80 Plätze. Dafür braucht es weitere drei Mitarbeiter. Auch die Besetzung von sieben Stellen für die neue Kita Wiesenäcker II seien nicht eingerechnet. Zwei Stellen seien besetzt worden, könnten aber erst zum Jahresbeginn 2022 umgesetzt werden – die neuen Stelleninhaber müssen Kündigungsfristen an ihrer bisherigen Arbeitsstelle einhalten.

Bis zu fünf offene Stellen in der Kita

Die größten personellen Engpässe bestünden in den Kitas Hohe Straße mit fünf offenen Stellen sowie Wiesenäcker und Korntaler Straße. Dort sind jeweils dreieinhalb Personalstellen unbesetzt. In diesen Einrichtungen könnte der Dienstbetrieb immerhin gewährleistet werden, mittels FSJ- und weiteren Zusatzkräften, bei gleichzeitiger Reduzierung der Kinderzahl. Doch weitere Kinder würden könnten derzeit nicht aufgenommen werden .

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Aber auch in anderen Kindertagesstätten im Ort wirkt sich die Personalknappheit laut der Verwaltung aus: Die Einrichtungen Schloss und Gerlinger Straße könnten noch keinen Normalbetrieb für den Ganztag anbieten. Wegen langfristig erkrankten Personals und zusätzlich unbesetzter Stellen – je anderthalb sind das – sei die Betreuung bis 17 Uhr noch nicht möglich.

Um Personal zu gewinnen, würden Stellen auf mehreren Plattformen ausgeschrieben und Bewerbungen schnell bearbeitet. Ob Jobticket, Supervision, Coaching und unter anderem Zusatzkräfte für Integration und Hauswirtschaft – das Ditzinger Kita-Personal würde so unterstützt, wie es in anderen Kommunen auch der Fall sei. Nur die Arbeitsmarktzulagen, wie es sie in Stuttgart gebe, würden in Ditzingen nicht bezahlt.

Der Oberbürgermeister Michael Makurath (parteilos) hatte in der Vergangenheit argumentiert, das verschärfe nur den interkommunalen Wettbewerb: Es verlagere das Problem, löse es aber nicht. In allen Kommunen fehle Kita-Personal. Der Gemeinderat teilte diese Einschätzung.

Stadt will mehr Personal selbst ausbilden

Um selbst Personal zu generieren, will die Stadt verstärkt ausbilden. Im nächsten Ausbildungsjahr sollen es sechs Azubis mehr, also 16 sein. „Ob diese Stellen besetzt werden können ist fraglich, auch die Bewerberlage auf dem Ausbildungsmarkt ist sehr angespannt“, sagt Barbara Schäffler, Abteilungsleiterin in der Stadtverwaltung.

Nicht das einzige landesweite Problem

Eine weitere, ebenfalls landesweite Entwicklung: die Besetzung von Leitungspositionen ist noch schwieriger als die anderer Personalstellen. Zur Kompensation nicht besetzter Stellen könne derzeit auf eine Ausnahmeregelung des Kreisverbandes für Jugend und Soziales zurückgegriffen werden. Diese erlaube die Einstellung von ungelernten Zusatzkräften, die von Trägern der Einrichtung als geeignet eingestuft würden. Diese Regelung läuft zum Jahresende aus. Eine Verlängerung bis zum Ende des Kitajahres 2022 sei bei der Tagung empfohlen worden – „und ist dringend erforderlich“, heißt es.