Alexandra Unger, Christiane Becker und Kristine Stasulane (von links) mit einigen der Hoppelhasen-Kinder . Foto: Roberto Bulgrin
Eltern gestalten aktiv den Kita-Alltag mit und schaffen ein familiäres Miteinander. Das ist das Konzept der Kindergruppe Hoppelhasen in Esslingen – und das seit 50 Jahren.
Petra Pauli
10.07.2025 - 20:00 Uhr
Die Kinder morgens abliefern, mal beim Elternabend auftauchen und vielleicht noch beim Sommerfest aushelfen – in der Kindergruppe Hoppelhasen müssen die Mütter und Väter mehr tun. Genauer gesagt: Sie wollen mehr tun.
Als Elterninitiative verwalten sie die zweigruppige Einrichtung auf dem Zollberg selbst. Jeder übernimmt eine Aufgabe, die möglichst den Neigungen oder dem beruflichen Hintergrund entspricht. Das reicht von Finanzen, Renovierungen oder Bestellungen bis zu pädagogischen Themen. Alle zwei Monate treffen sich die Eltern zum Austausch. Für die anfallenden Arbeiten in Haus und Garten gibt es zwei feste Termine, bei denen alle mithelfen.
Elternengagement stärkt familiären Zusammenhalt in Kita
Dass so viel Engagement verlangt wird, macht für Kristine Stasulane den Reiz des Konzepts aus. „Wir wollten unbedingt hierher“, sagt die Mutter, die für die Öffentlichkeitsarbeit der Elterninitiative zuständig ist. Sie schätzt das familiäre Miteinander im Kita-Alltag, an dem die Eltern mitwirken. „Hier geht man viel mehr auf die Bedürfnisse der Kinder ein“, sagt sie. Der Zusammenhalt ist groß. Man kennt und unterstützt sich und ist auf einer Wellenlänge. Ob eine neue Familie in die Gemeinschaft passt, versucht man über einen Anmeldebogen und persönliche Gespräche herauszufinden.
Eltern nehmen die Kinderbetreuung selbst in die Hand – in Zeiten von Kita-Notstand, fehlenden Plätzen und Erzieherinnenmangel klingt das hochmodern. Doch die Anfänge der Kindergruppe Hoppelhasen reichen ein halbes Jahrhundert zurück. Gefeiert wird das 50-jährige Jubiläum am Samstag, 12. Juli, von 14 bis 18 Uhr mit einem Fest samt Kinderprogramm. Ehemalige und interessierte Eltern sind gleichermaßen willkommen.
Bernd Passen, Kindergartenleiterin Alexandra Unger und Kristine Stasulane von der Kindergruppe Hoppelhasen. Foto: pep
Von der Freien Kindergruppe zur Kita: Ein Blick zurück
Die Hoppelhasen, die anfangs Freie Kindergruppe hießen, sind 1975 in Denkendorf gestartet. Zunächst waren sie in einem Haus der Gemeinde untergebracht, später dann im dortigen Feuerwehrhaus. 1991 zog die Elterninitiative ins Waldheim der Arbeiterwohlfahrt (AWO) auf dem Zollberg um.
Im Jahr 1992 wurde die Einrichtung als Kindergarten anerkannt. Die Stadt Esslingen ist froh über das Angebot. „Die Elterninitiative ist ein verlässlicher Partner und wertvoller Baustein der bunten und vielfältigen Esslinger Bildungs- und Betreuungslandschaft“, heißt es in einer Gemeinderatsvorlage.
Anfangs hatten die Hoppelhasen nur einen Raum bei der AWO, und im Garten standen noch keine Spielgeräte. Inzwischen belegt die Elterninitiative das idyllisch im Grünen gelegene Haus jedoch komplett. Neben den Gruppenräumen gibt es auch einen kleinen Werkbereich, eine Lese- und eine Bauecke.
Ehemaliger Speisesaal wird zur „Hasengrube“
Von den Kleinen heiß geliebt wird die „Hasengrube“. Der mit Matten und einer Sprossenwand ausgestattete Rhythmik- und Ruheraum, in dem auch getobt werden kann, war früher ein Speisesaal. Bei genauem Hinschauen erkennt man das noch an der Durchreiche zur ehemaligen AWO-Küche. Das Essen wird bei den Hoppelhasen dagegen von einem Caterer gebracht. 30 Mädchen und Jungen ab drei Jahren werden in zwei Gruppen betreut. Für 20 Kinder ist auch eine Nachmittagsbetreuung bis 16 Uhr inklusive Mittagessen möglich.
Bernd Passen gehört zwar nicht zu den Mitbegründern der Kindergruppe, hat die Anfangsjahre aber hautnah erlebt. Seine Kinder, die inzwischen erwachsen sind, waren Anfang der 90er-Jahre bei den Hoppelhasen. „Das Konzept hat uns überzeugt. Als Eltern ist man intensiv eingebunden“, sagt er. Anfangs gab es für die damals zwölf Kinder nur eine Erzieherin, sodass immer ein Elternteil sie unterstützen musste. Das nannte sich „Kindergruppendienst“, erinnert sich Bernd Passen.
Kinderbetreuung mit festem pädagogischem Personal
Dass Eltern bei Personalengpässen spontan einspringen, gibt es auch heute noch – das entspricht einfach dem Geist der Hoppelhasen. Die Regel ist es jedoch nicht mehr. Sieben pädagogische Fachkräfte, nicht alle in Vollzeit, kümmern sich um die Kinder. Der Betreuungsschlüssel entspricht etwa dem einer öffentlichen Kita. Für das pädagogische Konzept werden verschiedene Elemente aus der Waldorf-, Montessori- und Waldpädagogik integriert, erklärt Alexandra Unger, Leiterin der Einrichtung.
Die Natur spielt im Kita-Alltag der Hoppelhasen eine große Rolle. Nicht nur dass die Kinder das ganze Jahr über raus in den großen Garten gehen und so spielerisch den Wechsel der Jahreszeit erleben. Neben Waldangeboten steht vor allem der wöchentliche Besuch der benachbarten Jugendfarm mit ihren Ponys, Eseln, Ziegen, Schweinen und natürlich echten Hoppelhasen auf dem Programm.
Jubiläum
Fest Die Kindergruppe Hoppelhasen, eine Esslinger Elterninitiative, feiert am Samstag, 12. Juli, von 14 bis 18 Uhr, ihr 50-jähriges Jubiläum. In der Neuffenstraße 85 auf dem Zollberg gibt es Musik, Essen und Programm mit Zaubershow, Spielstraße und Bastelecke. Willkommen sind Gäste genauso wie Ehemalige.
Plätze Die Betreuungsplätze für das kommende Kindergartenjahr sind belegt. Für 2026 soll es aber zehn freie Plätze geben. Bei den Hoppelhasen werden 30 Kinder in zwei Gruppen von 7.30 bis 13 Uhr betreut, für 20 Kinder ist auch eine Nachmittagsbetreuung bis 16 Uhr inklusive Mittagessen möglich. Die Elternentgelte orientieren sich an den städtischen Kita-Gebühren. Eine Einkommensstaffelung gibt es nicht. Im Frühjahr findet ein Tag der offenen Tür statt, für den sich interessierte Eltern über die Homepage anmelden können.