In L.-E. sind aktuell 20, 3 Stellen der Erzieherstellen nicht besetzt
Kommunen stellt dies vor große Herausforderungen. „Das Potenzial an Menschen, die sich in Deutschland für einen Erzieherjob entschieden haben, ist ausgereizt“, sagt Oberbürgermeister Roland Klenk dazu. In Leinfelden-Echterdingen sind aktuell 20, 3 Stellen für Erzieherinnen und Erzieher nicht besetzt.
Für jede einzelne Familie, die dieses Kitajahr leer ausgegangen ist, ist es freilich wenig tröstlich, dass die Lage woanders genauso schlecht oder vielleicht noch schlechter ist. Die Wut darüber, möglicherweise nicht mehr arbeiten gehen zu können, weil es für den Nachwuchs keinen Betreuungsplatz gibt, hat sich erst kürzlich wieder am Rande einer Gemeinderatssitzung entladen. „Der Eindruck, dass sie zu wenig täten, ist schon entstanden“, sagte ein Vater in Richtung der Verwaltungsspitze und des Gemeinderates. „Die unzureichende Quantität“ bei der Kinderbetreuung bewertet er als „einen Standortnachteil für alle Arbeitgeber in dieser Stadt“. Eine Mutter beklagte, dass sie ihren Job kündigen musste, weil sie keinen Kitaplatz für ihren Sohn bekommen hat. Eine Tagesmutter regte an, einen Korridor dafür zu schaffen, dass Tageseltern auch in einer Kita arbeiten können, ohne dort lediglich als Hilfskräfte zu gelten.
Mütter und Väter hatten auch schon eine Demo vor der Echterdinger Zehntscheuer organisiert. Die Initiative lässt nicht locker, macht weiter mobil – auch wenn die Stadtverwaltung kürzlich zumindest alle Kita-Eltern zu einem virtuellen Austausch via Zoom eingeladen hatte. Die Kritik daran: Jene Familien, deren Namen bisher nur auf Wartelisten stehen, wurden nicht eingeladen. Eine regelmäßige, ernsthafte und ehrliche Kommunikation wird eingefordert; auch über die hohen Krankenstände in den Einrichtungen und die Ursachen von Fluktuation solle gesprochen werden.
Verständnis für den Frust der Eltern
„Dass es Wut, Frust und scharfe Töne gibt, das können wir schon verstehen“, sagt Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell unserer Zeitung. „Die Eltern wollen und müssen wieder arbeiten und brauchen eine Rückmeldung, wann dies möglich ist.“ Er sagt aber auch: „Wir haben schon den Wunsch, dass die Eltern zur Kenntnis nehmen, dass die Stadt hier schon viel leistet und sehr viel geleistet hat.“
Die SPD-Fraktion sieht das ähnlich. So habe die Stadt in ihren Kitas beispielsweise bereits hauswirtschaftliche Kräfte und Bürokräfte eingesetzt, um die Erzieherinnen und Erzieher zu entlasten. Dennoch: „Unsere Stadt muss noch zwei Zähne zulegen“, sagt Stadträtin Barbara Sinner-Bartels. Sie bereitet dazu gerade einen Antrag vor. Die Stadtverwaltung will derweil demnächst genaue Zahlen präsentieren, wie sich das Angebot an Betreuungsplätzen in der Stadt in den vergangenen zehn Jahren entwickelt habe. Bürgermeister Kalbfell geht davon aus, dass es sich nahezu vervierfacht habe.
Gleichzeitig wolle man nichts unversucht lassen. So soll beispielsweise eine externe Marketingagentur beauftragt werden, attraktivere Stellenausschreibungen zu entwickeln. Tagesmütter in Kitas einzustellen bringe nur dann etwas, wenn dies nicht an anderer Stelle Lücken reiße, erklärt der Bürgermeister. Das Land müsste den Fachkräftekatalog erweitern, hauswirtschaftlichen Kräfte sollten bei der Zahl der notwendigen Fachkräfte pro Einrichtung angerechnet werden.
Was die Stadt allerdings nicht leisten könne, ist den Erzieherinnen und Erziehern mehr zu bezahlen. „Wir haben in der gesamten Stadtverwaltung 50 offene Stellen – auch im technischen Bereich“, sagt Kalbfell. „Da können wir nicht flächendeckend zusätzliche Pauschalen gewähren.“ Sich außerhalb des Tarifs zu bewegen, heize den Wettbewerb zwischen den Kommunen noch weiter an.