Im Rennen um den Chefsessel im Rathaus von Leinfelden-Echterdingen stand das Thema Kinderbetreuung hoch im Kurs. Auch Otto Ruppaner, damals noch Bürgermeister von Köngen, versprach, das Thema zügig anzugehen. Es war Teil seines Zehn-Punkte-Plans für Leinfelden-Echterdingen. Hier könne er auch Erfolge aus Köngen vorweisen. „Wir sind in der glücklichen Situation, keine Wartelisten zu haben“, hatte er zu unserer Zeitung gesagt.
Personal zu gewinnen und zu binden sei wichtig, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. In Leinfelden-Echterdingen wolle er ähnlich vorgehen wie in seiner bisherigen Gemeinde: Wenn neue Baugebiete entwickelt werden, sei klar, dass dann auch eine Kita gebaut werde. Es gebe dort Springerkräfte, ein Qualitätsmanagement und einen leicht erhöhten Personalschlüssel.
Kinderbetreuung zur Chefsache machen
Nachdem Otto Ruppaner die Wahl für sich entscheiden konnte, sagte Robert Weißgraeber, Sprecher einer Elterninitiative in Leinfelden-Echterdingen, dann auch: „Mit seiner Führungsstärke wird Otto Ruppaner seinen angekündigten Maßnahmenplan zur Kinderbetreuung umsetzen können, sodass mit einer Verbesserung zu rechnen ist.“ So optimistisch ist Weißgraeber jetzt nicht mehr. Vielmehr bemängelt er, dass der Neue das Thema Kinderbetreuung noch nicht zur Chefsache gemacht habe. Ein Anlass: Eltern aus der Kita Aicher-/Layhweg hatten ihn im April informiert, dass dort anstatt einer Ganztagsbetreuung nur noch ein Halbtagsangebot bis 14 Uhr angeboten werde. Das sei noch immer so, dabei sei diese Einrichtung lange Zeit die Vorzeige-Kita mit Öffnungszeiten bis 17 Uhr gewesen, betont er.
Im Kinderhaus Gärtlesäcker werden Eltern immer wieder morgens informiert, dass sie am selben Tag ihr Kind bereits um 13 Uhr abholen müssen. Der Grund: „Kurzfristige personelle Ausfälle“, wie Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell auf Nachfrage schreibt. Dazu hat die zuständige Amtsleiterin Ingrid Krebs im jüngsten Sozialausschuss gesagt: „Krankheit kann man nicht planen.“ Gleichzeitig mit den erkrankten Mitarbeiterinnen waren offenbar Kolleginnen im Urlaub sowie auf einer Fortbildung, auf die sie schon mehrere Monate gewartet haben, wie Bürgermeister Kalbfell ergänzte. „Hätte ich sie aus dem Urlaub oder der Fortbildung zurückholen sollen?“, fragte er die Fraktionen. Und setzte nach: „Wir wollen ja unsere Erzieherinnen auch halten.“
„Der Umfang der in den vergangenen Jahren vom Gemeinderat beschlossenen Maßnahmen zur Verbesserung der Personalsituation in der Kinderbetreuung ist enorm“, schreibt der Bürgermeister. So gebe es mittlerweile keine befristeten Stellen mehr in den Kitas der Stadt. Mehr hauswirtschaftliche Kräfte sind im Einsatz. Oberbürgermeister Ruppaner hatte im März – als er erst wenige Tage im Amt war – gemeinsam mit Kalbfell weitere Ideen zur Verbesserung der Betreuungssituation in die Gremien eingebracht. Ein Springermodell für Hauswirtschaftskräfte und für Fachkräfte wurde da beschlossen. Hier wurde eine Stelle bereits besetzt, eine Fachkraft ist an einer solchen Position interessiert. „Wir setzen alle Beschlüsse konsequent um“, betont der Bürgermeister. Die Stadt sei zudem wieder dabei, spanische Fachkräfte anzuwerben.
Anders als in anderen Kommunen habe der Gemeinderat die Öffnungszeiten der Kitas nicht generell gekürzt. „Wir halten nach wie vor an den Regelöffnungszeiten fest“, schreibt Kalbfell. Allerdings könnten diese aufgrund des Fachkräftemangels und im Falle von Krankheitswellen nicht immer durchgängig angeboten werden. Oberbürgermeister Otto Ruppaner will die Betreuungssituation sowie Lösungsansätze in den kommenden Wochen über Elternbriefe kommunizieren und so für Transparenz sorgen.
Probleme in anderen Kitas
Kita St. Franziskus
Der Fachkräftemangel macht sich in vielen Kitas bemerkbar, die konfessionellen Träger sind davon nicht ausgenommen. In der Kita St. Franziskus der katholischen Gemeinde Leinfelden-Echterdingen gibt es freitags keine Betreuung mehr. Dass ein Betreuungstag künftig komplett wegfällt, haben betroffene Eltern nur mit einem Vorlauf von zwei Wochen erfahren, bemängeln sie.
Dschungel-Kinderhaus
Nach Informationen unserer Zeitung hat sich der Evangelische Kirchenbezirk Bernhausen als Träger des Echterdinger Dschungel-Kinderhauses entschieden, aufgrund der angespannten Personalsituation die Öffnungszeiten der Kita bis zu den Sommerferien auf 30 Stunden pro Woche zu reduzieren. Die Kita hat bis dahin nur noch bis 14 Uhr geöffnet.