Die Kinderbetreuung zählt zu den großen Herausforderungen für viele Kommunen. Um qualifizierte Fachkräfte ist ein scharfer Wettbewerb entbrannt. Leinfelden-Echterdingen hat seine Beschäftigten Mitte Juni bis Ende Juli 2023 gefragt, was ihnen wichtig ist, was sie besonders schätzen und in welchen Bereichen sie Verbesserungsmöglichkeiten sehen. Die Ergebnisse sind ermutigend. „Insgesamt ist die positive Zustimmung sehr hoch“, resümierte Ralph Brückner. Der städtische Mitarbeiter hat die Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Amt für Schulen, Jugend und Vereine entwickelt, durchgeführt und ausgewertet. Jüngst wurden die Ergebnisse im Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss vorgestellt.
Zusammenarbeit wird als überwiegend gut bewertet
Die Gesamtzufriedenheit liegt bei 75 Prozent bei den Kita-Beschäftigten und bei 82 Prozent bei den Angestellten in der Schulkindbetreuung. Wichtig für die Zufriedenheit ist die überwiegend als gut bewertete Zusammenarbeit im Kollegium und die Führung. Wenn die Leitung und das Kollegium als positiv beurteilt würden, könne über negative Aspekte leichter hinweggesehen werden, so Brückner. Gleichzeitig verstärke eine negative Beurteilung der Führung und des Teams die negative Beurteilung anderer Punkte. Zentraler Punkt der Motivation sei die Arbeit mit den Kindern.
Allerdings hat die Umfrage auch ergeben, dass es Bereiche gibt, die von vielen Mitarbeitenden als verbesserungswürdig gesehen werden. Einer der Hauptkritikpunkte über alle Einrichtungen hinweg ist die Mehrbelastung, sobald ein Kollege beispielsweise wegen Krankheit, abwesend sei. Eine enge Personalausstattung führe zu einer „Spirale der Mehrbelastung und Erschöpfung“, heißt es in der Zusammenfassung der Umfrageergebnisse. Zu einer Entlastung der pädagogischen Mitarbeiter könnte beitragen, wenn sie von einigen Tätigkeiten und Hauswirtschaftsaufgaben entlastet würden. Die Unterstützung der bereits vorhandenen Assistenzkräfte und der hauswirtschaftlichen Mitarbeiter werde in den Einrichtungen sehr wertgeschätzt.
Hohe Lärmbelastung in der Schulkindbetreuung
Zu den Negativseiten im Schulkindbereich tragen die Arbeitsbedingungen bei. Insbesondere die hohe Lärmbelastung senkt die Zufriedenheit. „Da müssen wir rangehen“, sagt Brückner. Hinzu kommen fehlende oder ungeeignete Pausenräume, was auch die Beschäftigen der Kindergärten bemängelten. Auch die technische Einrichtung wurde kritisiert. So haben manche Häuser beispielsweise kein WLAN in allen Räumen. „Das geht nicht“, findet Brückner. Auch solche Umstände sorgen für Unzufriedenheit.
Aufgrund der Altersstruktur wird sich die Fluktuation insbesondere bei der Schulkindbetreuung in den kommenden Jahren erhöhen. Derzeit sind 43 Prozent der Mitarbeitenden älter als 55 Jahre. Mit dem Rechtsanspruch auf eine Schulkindbetreuung ab 2026 wird sich die räumliche und personelle Situation verschärfen. „Der Wettbewerb wird noch härter. Wir stehen erst am Anfang“, erklärte der Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell.
Deshalb sollen die Umfrageergebnisse rasch in Maßnahmen münden. „Es ist eine Fundgrube an vielen Erkenntnissen. Ich hätte den Wunsch, dass wir Gas geben“, sagte Kalbfell. Schnell umzusetzen wäre beispielsweise die Entfristung der Verträge der Büroassistenzkräfte. Auch eine Erhöhung des Beschäftigungsumfangs des hauswirtschaftlichen Personals könne die Rahmenbedingungen verbessern. Um die Mitarbeitenden im Krankheitsfall zu unterstützen, werde über ein Springermodell nachgedacht. Ferner könnten neue Arbeitszeitmodelle wie eine Vier-Tage-Woche geprüft werden.
Im September soll eine weitere Befragung durchgeführt werden. Ziel ist es, festzustellen, wie sich die Zufriedenheit der Mitarbeitenden verändert hat.
Mit der Verbesserung der Arbeitsbedingungen sollen in Leinfelden-Echterdingen Mitarbeiter gehalten und neue Mitarbeiter gewonnen werden. Derzeit seien 20 Arbeitsplätze unbesetzt, räumte der Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell während der Präsentation der Umfrageergebnisse ein.
Details zur Umfrage
Teilnehmer
Befragt wurden in Leinfelden-Echterdingen die Angestellten in 14 Kinderhäusern und fünf Schulkindbetreuungen auf elektronischem Wege. Insgesamt haben 200 Personen an der Befragung teilgenommen, was einer Teilnehmerquote von 70 Prozent entspricht. Die Umfrage sei anonym gewesen, erklärt die Stadt.
Fragebogen
Der Fragebogen umfasste Themen wie Arbeitsbedingungen, Kommunikation und Zusammenarbeit, Pädagogische Arbeit, Vergütung und Wertschätzung sowie Persönliche Entwicklung.
Ergebnis
Die Gesamtzufriedenheit (sehr zufrieden oder eher zufrieden) beträgt bei den Kita-Beschäftigten 75 Prozent und bei den Beschäftigten der Schulkindbetreuung 82 Prozent. 67 Prozent der Kita-Angestellten würden ihren Arbeitsplatz weiterempfehlen. Acht Prozent würden die Stadt Leinfelden-Echterdingen als Arbeitgeber nicht weiterempfehlen. Bei der Schulkindbetreuung sind diese Werte schlechter. Dort würden 52 Prozent den eigenen Arbeitsplatz weiterempfehlen, die Stadt als Arbeitgeber würden 43 Prozent empfehlen. 13 Prozent würden die Stadt als Arbeitgeber nicht empfehlen.