Kinderbetreuung in Sillenbuch Kita in der Zwickmühle

Der Waldorfkindergarten Sillenbuch muss dringend saniert werden. Foto: Caroline Holowiecki

Der Waldorfkindergarten Sillenbuch muss dringend saniert werden, die Stadt hat üppig Zuschüsse in Aussicht gestellt. Doch es kann partout kein Ausweichquartier für die nahezu 100 Kinder gefunden werden. Nun droht während der Bauphase die Schließung.

Es soll laut Vorstand eine der größten Betreuungseinrichtungen in ganz Stuttgart sein. Nahezu 100 Kinder werden täglich im Waldorfkindergarten Sillenbuch in fünf Gruppen gehütet. Die Ganztagseinrichtung am Himbeerweg schaut auf eine lange Tradition zurück. Seit den 70ern gibt es sie. Zwei Anbauten wurden seither auf dem Gelände in Hanglage errichtet, dennoch kommt der Kindergarten an seine Grenzen. Schlaf- oder Sozialräume fehlen, ebenso eine barrierefreie Erschließung. Auch technisch ist das Gebäude nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Am Brandschutz hakt es unter anderem. Das Haus muss dringend saniert und erweitert werden. Vor etwa anderthalb Jahren ist der Vorstand in die Planungen eingestiegen. „Der Bauantrag wird demnächst eingereicht“, sagte Marco Grünke, Vorstandsmitglied im Förderverein des Kindergartens, in der jüngsten Sitzung des Sillenbucher Bezirksbeirats.

 

Das Ganze hat allerdings einen großen Haken. Eine Sanierung im laufenden Betrieb, mit so vielen Kleinkindern, ist nicht praktikabel. Die Mädchen und Jungen sowie das Personal, 35 Personen, müssen während der etwa 18-monatigen Bauphase raus. Ein Interimsquartier lässt sich aber partout nicht finden. Der Vorstand ist nach eigenen Angaben seit zehn Monaten auf der Suche und hat sich in der Zeit 20 Optionen und Objekte im Stadtbezirk und drüber hinaus angeschaut. Nichts sei geeignet gewesen.

Zwischenzeitlich ist man auf die Idee gekommen, Container auf eine Freifläche zu stellen. Gut 600 Quadratmeter werden benötigt. Vier vorgeschlagene Areale habe die Stadt allerdings aus baurechtlichen oder anderweitigen Gründen abgelehnt. „Unsere gesamte Bauplanung wird dadurch blockiert“, betonte Marco Grünke. Das Kita-Team hat sich daher hilfesuchend an den Bezirksbeirat gewandt. „Vielleicht haben Sie eine Idee“, sagte Marco Grünke in der Sitzung.

Die Zeit drängt

Knackpunkt: Der Kita-Gemeinschaft hängt die Zeit im Nacken. Rund 4,6 Millionen Euro hat die Stadt in den aktuellen Doppelhaushalt 2024/25 für das Bauprojekt eingestellt, um das Vorhaben zu fördern; laut Vorstand 75 Prozent des Gesamtvolumens der Maßnahme. Allerdings seien die Gelder an Bedingungen geknüpft. Während der Umbauphase dürfe kein Betreuungsplatz verloren gehen, außerdem müsse der Baubeginn im Haushaltszeitraum erfolgen. Dafür wird es nun allerdings zeitlich eng. Laut dem Architekten Lukas Brenner, der das Projekt betreut, ist die Planungszeit für den Interim bereits verstrichen. „Wir sind eigentlich schon hintendran.“

Was, wenn alle Stricke reißen und das Interimsquartier nicht rechtzeitig aufgetan werden kann? Marco Grünkes Antwort ist eindeutig. „Schließen. Das wäre der Worst Case.“ Will heißen: 100 Sillenbucher Familien stünden während der Bauphase ohne Betreuung da.

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