Kinderbetreuung Kita-Ausbau geht voran, aber Erzieher fehlen

Von Torsten Ströbele 

In der Theorie sollen in den nächsten Monaten alle Kinder einen Platz finden.

In Zuffenhausen, Stammheim, Weilimdorf, Botnang und Feuerbach soll es bald genug Kita-Plätze für unter Dreijährige geben. Foto: dpa
In Zuffenhausen, Stammheim, Weilimdorf, Botnang und Feuerbach soll es bald genug Kita-Plätze für unter Dreijährige geben. Foto: dpa

Stuttgarter Norden - Der Ausbau der Kinderbetreuung im Stuttgarter Norden geht mit großen Schritten voran. Zwar fehlen laut dem Jugendamt immer noch insgesamt 641 Plätze für Mädchen und Buben unter drei Jahren (Stand 1. März 2014) in Botnang, Weilimdorf, Feuerbach, Zuffenhausen und Stammheim, aber der Gemeinderat hat den Bau vieler weiterer Kitas schon beschlossen. Wenn alle diese Einrichtungen in den nächsten Monaten in Betrieb gegangen sind, müssten rein statistisch gesehen im Stuttgarter Norden sogar 60 Plätze frei sein. Im ganzen Stadtgebiet hingegen werden dann aber immer noch 464 Kinder auf einer Warteliste zu finden sein. Das heißt: 58,6 Prozent der Stuttgarter in dieser Altersgruppe wären dann aber schon einmal betreut. Noch besser sieht es sogar bei den Mädchen und Buben zwischen drei und sechs Jahren aus. Alle 15 943 Kinder in Stuttgart können schon jetzt auf einen Betreuungsplatz zugreifen.

So weit mal die Theorie. In der Praxis fehlen nämlich weiterhin konstant rund 100 bis 120 Fachkräfte in den Kitas, wie der stellvertretende Leiter des Jugendamtes, Heinrich Korn, bestätigt: „Da kann man machen was man will.“ Gebäude würden deshalb keine leer stehen, aber dafür in einzelnen Einrichtungen Erzieher fehlen. „Aber wir ziehen alle Register, um mehr Personal zu gewinnen“, sagt Korn. Man werbe beispielsweise auf Messen, im Internet, veranstalte Tage der offenen Tür und hole auch Fachkräfte aus dem Ausland. Im vergangenen Jahr wurden 18 Erzieherinnen aus Rumänien eingestellt. 2015 sollen 15 Damen aus Italien folgen. Zudem biete die Stadt auch die praxisintegrierte Ausbildung (Pia) in Tageseinrichtungen für Kinder an. Der Unterschied zur herkömmlichen Ausbildungsform: Bei Pia können die Azubis Geld verdienen – zwischen 830 und 950 Euro pro Monat. „Immerhin“, sagen Auszubildende an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Botnang. Aber wegen des Geldes habe sich wohl eh niemand dafür entschieden, Erzieher zu werden. Denn auch nach der Ausbildung werde man sicherlich nicht reich. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) spricht von einem Bruttogehalt von durchschnittlich 2811 Euro. Damit liege es um 638 Euro unter dem Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer in Deutschland.

Verdi: Es wird wohl gestreikt werden

Wenn es nun nach der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi geht, soll sich das schnellstmöglich ändern. Zehn Prozent mehr Geld sollen Beschäftigte in sozialen Berufen bekommen. Profitieren sollen also nicht nur Erzieher, sondern beispielsweise auch Sozialpädagogen, Schulsozialarbeiter und Pfleger. Erreicht werden sollen die Ziele, in dem die sogenannten Sozial- und Erziehungsberufe in eine höhere Tarifstufe rutschen. Damit soll den größeren Erwartungen und Anforderungen an die Mitarbeiter in diesen Arbeitsfeldern Rechnung getragen werden, heißt es bei Verdi. Mitte/Ende Februar sollen erste Gespräche mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) stattfinden. Bei Verdi geht man davon aus, dass es ohne einen Arbeitskampf kaum gelingen wird, die Forderungen durchzusetzen.

Hinter den Kulissen wird der Streik schon vorbereitet, zu dem es aber wohl vor Mitte/Ende März nicht kommen wird. „Wenn gestreikt wird, schließen wir alle unsere rund 185 Kitas“, sagt Korn. „Egal wie viele Mitarbeiter sich am Streik beteiligen.“ So sei das auch 2009 gewesen, als 13 Wochen lang zum Streik aufgerufen wurde. „Zudem wurden uns von Verdi damals leider Notdienstvereinbarungen verwehrt. Der einzige, kleine Ausweg ist, dass Eltern die Kinder in den Einrichtungen selbst betreuen. Das werden wir auch wieder beim nächsten Streik erlauben“, sagt Heinrich Korn. Er hofft aber auf ein schnelles Verhandlungsergebnis. „Ein Streik hat uns immer zurückgeworfen.“ Verletzungen im Umgang zwischen dem Personal und den Eltern seien in solchen Fällen nicht zu vermeiden.

Der Gesamtelternbeirat der städtischen Kindertageseinrichtungen und Horte in Stuttgart ist schon in Gesprächen mit Verdi und der Elternschaft, sagt Vorstandsmitglied Monika Schneider auf Nachfrage der Nord-Rundschau. „Wir stehen hinter den Forderungen, hoffen aber natürlich, dass es nicht zu einem längeren Streik kommt. Das würde die Eltern sehr stark belasten.“

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