Kinderbetreuung Ungewöhnlich: Auf den Fildern sind 30 Tageseltern-Plätze frei

, aktualisiert am 24.04.2026 - 14:46 Uhr
In die Kita, oder doch lieber zu einer Tagesmutter? Vor dieser Frage stehen Familien derzeit auf den Fildern. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Während bei der Kita-Betreuung in Leinfelden-Echterdingen nicht alle Eltern-Wünsche erfüllt werden können, gibt es bei den Tageseltern noch viele offene Plätze. Was sind die Gründe?

Filderzeitung: Natalie Kanter (nak)

Auf den ersten Blick will das nicht zusammenpassen: Der Kita-Platz, den Familien dieser Tage von der Stadt für ihre Kinder und das kommenden Kitajahr angeboten bekommen haben, liegt nicht immer in der Wunsch-Kita und auch nicht immer im gewünschten Ortsteil. Es bleiben also Wünsche der Eltern offen. Gleichzeitig gibt es bei Tagesmüttern und Tagesvätern mehr als 30 offene Plätze für das kommende Kindergartenjahr. 

 

„Familien, die bewusst in unsere Beratung kommen – auf Empfehlung von anderen Familien oder weil sie Tageseltern persönlich kennen – entscheiden sich meist auch für die Kindertagespflege.“

Carmen Silberberger, Tageselternverein

„Das ist ein großer Mangel, den wir haben“, sagt Carmen Silberberger. Sie ist die für Leinfelden-Echterdingen zuständige Fachberaterin des Tageselternvereins im Kreis Esslingen. Wenn die Plätze auf längere Sicht nicht belegt werden können, befürchtet der Verein, dass Tageseltern zurück in ihre alten Berufe gehen und dann gar keine Betreuungsplätze mehr anbieten. „Allein in meiner Zuständigkeit haben sich in den vergangenen Jahren sieben langjährige Tagesmüttern dazu Gedanken gemacht“, sagt Carmen Silberberger.

Tagesmütter: Die Betreuung ist „familiärer und persönlicher“

Dabei kann die Betreuung bei einer Tagesmutter oder einem Tagesvater – gerade für jüngere Kinder – durchaus Vorteile haben. „Die Betreuung ist familiärer, persönlicher als in einer Kita“, sagt Carmen Silberberger. Viele der Tageseltern bieten mittlerweile auch Betreuungszeiten bis 16 Uhr oder sogar länger an. Und das an vier bis fünf Tagen – das sind bis zu 40 Wochenstunden, klärt sie auf.

Gleichzeitig seien die Elternbeiträge bei einer Betreuungszeit von bis zu 30 Stunden pro Woche sogar etwas günstiger als in der Kita. Wer mehr Betreuungszeit braucht, zahle ähnlich viel wie in einer Kita. In der Kindertagespflege werden die Elternbeiträge ebenfalls gefördert. Hinzu kommt: Auch in den Randzeiten wird es für die Familien nicht teurer. „Die Betreuungsstunde kostet zu jeder Tageszeit gleich viel.“

Warum bevorzugen viele Eltern dennoch zunächst eine Betreuung ihres Nachwuchses in der Kita? Die Gründe dafür sind laut Silberberger recht unterschiedlich und auch sehr individuell. Manche Familien entscheiden sich beispielsweise für eine Betreuung in einer Kita, weil das Geschwisterkind bereits dort ist, oder weil es dort mehrere Betreuungspersonen gibt, erklärt sie.

Eine Tagesmutter betreut bis zu fünf Kinder. Foto: Oksana Shufrych/IMAGO

Die Tagespflege ist ein vom Jugendamt geprüftes Betreuungsmodell

Letzteres gebe es mittlerweile auch in der Tagespflege. Insbesondere dann, wenn sich zwei Tagesmütter in dafür extra angemieteten Räumen gemeinsam um eine Gruppe von bis zu zehn Mädchen und Jungen kümmern. Dieses Konzept nennt sich TiagR. Die Abkürzung steht für Betreuung in anderen geeigneten Räumen. Drei solcher Angebote gibt es in Leinfelden-Echterdingen: in Leinfelden, Musberg und Oberaichen. Auch generell „gibt es gute Vertretungsmodelle, allerdings können wir keine 1:1-Vertretung wie in einer Kita anbieten“, sagt Silberberger.

 Manche Eltern hätten Angst, dass wenn sie ihr Kleinkind bei einer Tagesmutter anmelden, es später keinen Platz mehr in einer Kitagruppe für ältere Kinder bekommt. „Die Kindertagespflege gilt wie ein Betreuungsplatz“, erklärt Silberberger. Das werde bei der Platzvergabe seitens der Stadt berücksichtigt.

 

Eine Offenheit gegenüber der Tagespflege, bei der es um ein vom Jugendamt geprüftes Betreuungsmodell handelt und die Kinder von qualifizierten Tageseltern betreut werden, seien entscheidend. „Familien, die bewusst in unsere Beratung kommen – auf Empfehlung von anderen Familien oder weil sie Tageseltern persönlich kennen – entscheiden sich meist auch für die Kindertagespflege“, sagt Carmen Silberberger. Und: „Das Kennenlernen ist bei uns ganz wichtig.“ Danach entscheiden sich die Eltern und die Tageseltern, ob sie gemeinsam einen Betreuungsvertrag abschließen wollen – oder nicht.

25 Tageseltern kümmern sich um 99 Kinder

Auch für Schulkinder
Aktuell kümmern sich in Leinfelden-Echterdingen 25 Tageseltern um 99 Kinder. Die meisten ihrer Schützlinge sind jünger als drei Jahre. Es werden aber auch ältere Kinder und sogar Schulkinder betreut.

Online-Infoabende
Der Verein bietet seit Corona Online-Infoabende an. Interessierte Eltern können sich unter der Adresse: leinfelden@tev-kreis-es.de dafür anmelden. Ausführliche Infos gibt es auch auf der Homepage des Tageselternvereins www.tev-kreis-es.de nachzulesen.

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