Kinderbuchfigur aus Sindelfingen Ritter Rost reitet zur Biennale nach Hause

Hinter diesem Spielplatz geht es in den Fabelwesenwald. Foto: Eibner-Pressefoto/Roger Buerke

Tapfer, witzig, clever: Die legendäre Kinderbuchfigur hat ihre Ursprünge in Sindelfingen – und zieht ihren Erfinder dorthin zurück.

Böblingen: Julia Theermann (the)

Wo der Ritter Rost wohnt, das wissen junge und alte Fans der musikalischen Bilderbuch- und Filmreihe sicher ganz genau: In einer Burg im Fabelwesenwald nämlich – dort, wo es so finster ist, dass sich selbst die Räuber nicht hinwagen. Doch wer hätte gedacht, dass der Eingang zum Fabelwesenwald in Sindelfingen liegt? „Ich kann den Einstieg bis heute genau verorten“, sagt Jörg Hilbert, der die Figur während seines Studiums erfunden hat. „Er liegt hinter dem Spielplatz in der Watzmannstraße 9.“

 

Jörg Hilbert Foto: dpa

Die Anfänge des Ritters aus Metall liegen aber noch weiter zurück. Hilbert, der in Sindelfingen aufgewachsen ist, erinnert sich an unzählige Stunden des Fantasiespiels mit seinen Brüdern im Eichholz im Sindelfinger Norden. „Wir haben uns Geschichten ausgedacht, dass es in der Wald eine Burg gab, in der unsere Kuscheltiere Abenteuer erlebt haben“, sagt der Erfinder, der mit seinem Ritter dieses Jahr die Biennale in Sindelfingen beehren wird. Die Burg habe ihn in den kommenden Jahren verfolgt. Schließlich seien ein Drache und ein Ritter hinzugekommen.

Ab 1998 in den Erfolg gesegelt

Während des Studiums in Essen lernte Hilbert den Komponisten Felix Janosa kennen, der Stoff für ein Kindermusical gesucht habe. „Komponisten sind glücklich, wenn ihnen jemand etwas hinwirft, aus dem sie was machen können“, scherzt der Komponist.

Janosa erinnert sich, die Geschichte habe damals noch „Knappe Feuerzeug“ geheißen. Er sei schnell begeistert gewesen von den intelligenten Charakteren und Geschichten. „Das ist zu meinem großen musikalischen Hit geworden und hat mir erlaubt, den Beruf des Komponisten auszuüben, ohne nebenbei unterrichten zu müssen“, sagt der 60-Jährige. Von der ersten musikalischen Skizze bis zum Vertrag mit dem ersten Verlag habe es vier Jahre gedauert. „Es ist schwieriger, einen Verleger zu finden, als ein gutes Buch zu machen“, sagt Hilbert dazu. „Ab 1998 sind wir dann in unseren Erfolg gesegelt“, so Janosa.

Generationen von Musikern geprägt

Und der hält bis heute an. 21 Kindermusicals als Bücher mit CDs haben Hilbert und Janosa gemeinsam veröffentlicht. In vier unterschiedlichen Verlagen seit 1994. „Die Idee, die CD im Buch zu deponieren und nicht zum freien Verkauf oder im Internet anzubieten, hat uns 20 Jahre lang ernährt“, sagt der Komponist.

Die Musik, die zum Ritter Rost untrennbar dazu gehört, ist sich Janosa sicher, ist auch einer der Gründe, warum die Reihe recht schnell aufgeführt wurde, und warum sie auch heute noch so bekannt ist. „Die Musik hat vordergründig Schwung, hält aber auch kritischer Analyse stand“, sagt er. „Sie hat viele Familien dazu gebracht, das Material zu Hause zu musizieren.“ Er bekomme immer wieder Rückmeldungen von Musikern, die in ihrer Kindheit beispielsweise in einer Schulaufführung das Burgfräulein Bö gespielt hätten. Damit, dass Ritter Rost so ein Phänomen wird, habe er zwar nicht gerechnet, sagt Autor Hilbert. „Aber ich habe schon gewusst, dass diese besondere, verrückte Welt ein gewisses Potenzial hat“, sagt er. „Ich mache auch andere Bücher, aber an Ritter Rost kommt bisher nichts ran.“

Lesung mit dem Autor

Zur diesjährigen Biennale Sindelfingen, die am 24. Juni eröffnet wird, kommen Ritter Rost und seine Freunde für einige Aufführungen und eine Lesung nach Hause. Bei einer Lesung am Donnerstag, 6. Juli, wird Jörg Hilbert ab 15 Uhr Stellen aus „Ritter Rost und das magische Buch“ vortragen und Zeichnungen aus dem Buch zeigen. Der Eintritt zu der Lesung für Kinder ab sechs Jahren im Oberlichtsaal der Stadtbibliothek ist frei. (Anmeldungen sind möglich unter der Telefonnummer 0 70 31/9 47 16).

Was dabei nicht fehlen darf, ist die Musik. So sollen auch ein paar bekannte Ritter-Rost-Lieder gesungen werden. „Ich freue mich sehr, mit Ritter Rost mal wieder nach Sindelfingen zu kommen“, sagt Hilbert, der längst in Essen lebt und schreibt. So häufig komme er nämlich nicht mehr in seine Heimat, obwohl er dort noch Familie habe.

Musical in Darmsheim

Doch auch eine ritterliche Premiere gibt es bei der Biennale. Die Biennale Class der Schule für Musik, Theater und Tanz (SMTT) Sindelfingen sowie weitere Theatergruppen der SMTT und die STB Big Band geben das Stück „Ritter Rost und der Schrottkönig“. Zur Premiere am Freitag, 7. Juli, ab 17 Uhr wird auch Jörg Hilbert erwartet. Die Mitwirkenden schlüpfen an diesem Wochenende bei fünf Aufführungen in die Rollen des feigen Ritters, des mutigen Burgfräuleins und des wilden Drachen Koks. Regie führen Anna-Lena Just und Michael Schneider.

Tickets kosten für Erwachsene 18 und für Kinder fünf Euro. Empfohlen wird das Stück ab fünf Jahren. Das Ritter-Rost-Musical wird in der Turn- und Festhalle Darmsheim aufgeführt, Karten gibt es beim i-Punkt am Sindelfinger Marktplatz sowie im Internet unter www.sindelfingen.reservix.de.

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