Kinderforum in Stuttgart-Feuerbach Den Stadtbezirk aus Sicht der Kinder betrachten

Von Georg Friedel 

Wer wissen will, was die Fünf- bis Zwölfjährigen über ihren Stadtteil denken, und wo sie Veränderungsbedarf sehen, muss sie selbst zu Wort kommen lassen. Kinderforen bieten dafür entsprechende Plattformen. In Feuerbach soll im Herbst eine Veranstaltung dieser Art stattfinden.

Beim letzten  Kinderforum im Jahr 2010 wurde  unter anderem ein Aktionstag in der Bürgerhausetage veranstaltet. Foto: Archiv Georg Friedel
Beim letzten Kinderforum im Jahr 2010 wurde unter anderem ein Aktionstag in der Bürgerhausetage veranstaltet. Foto: Archiv Georg Friedel

Feuerbach - Designer, Produktentwickler, Architekten oder auch Verkehrs- und Stadtplaner haben nicht immer Kinder und deren Blickwinkel im Fokus, wenn sie neue Projekte entwickeln, zukünftige Quartiere planen oder einzelne Gebäude entwerfen. Ein simples Beispiel ist das Klingelbrett eines Hochhauses: Wohnt die Oma im obersten Stockwerk, wird es für einen Sechsjährigen, der allein davor steht, schwer, den entsprechenden Klingel-Knopf am oberen Ende zu erreichen. Umso wichtiger wäre, die Welt aus der Perspektive eines Kleinkindes zu betrachten und zu analysieren. Wichtige Fragen sind: Wie kann bei der Stadtplanung und Stadtentwicklung den Bedürfnissen und Interessen der Kinder mehr Gewicht verliehen werden? Und welche Formen der Beteiligung der Kinder an kommunalen Entscheidungsprozessen sind sinnvoll?

Kinder zu Wort kommen lassen

Wer wissen will, was die Fünf- bis Zehnjährigen über ihren Stadtteil denken, und wo sie Veränderungsbedarf sehen, muss sie selbst zu Wort kommen lassen. Kinderforen bieten dafür entsprechende Plattformen. Dort können Grundschüler und auch Kita-Kinder Ideen, Wünsche und Vorschläge vorbringen.

In Stammheim gibt es seit vielen Jahren den sogenannten Kindergipfel. Neben diesem Fest für die Kleinen kümmern sich dann Erwachsene anschließend um deren Projekte und erklären sich bereit, die Anliegen der Kinder weiterzuverfolgen und bestenfalls die Ergebnisse solcher Beteiligungsverfahren in die Tat umzusetzen.

In Feuerbach liegt das letzte Kinderforum schon eine ganze Zeit zurück. Im November 2010 fand eine Veranstaltung dieser Art im Stadtbezirk statt. Neuerdings muss die Kommune laut Paragraf 41a der Gemeindeordnung „auch Kinder und Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen“. Deshalb sind nun – wie bei Einwohnerversammlungen – alle fünf bis sieben Jahre Kinderbeteiligungen vorgesehen. In der vergangenen Sitzung des Bezirksbeirats stellte Ulrike Kieninger vom Jugendamt Stuttgart den Fahrplan für das neue Kinderforum vor. Bis zu den Sommerferien sollen Themen, Vorschläge, Ideen und Wünsche, die den Feuerbacher Kindern besonders unter den Nägeln brennen, gesammelt werden. „Wir haben inzwischen alle Beteiligten der Handlungskonferenz angeschrieben und angefragt, ob sie sich eine Beteiligung am Kinderforum vorstellen können“, sagt Susanne Ramp, die stellvertretende Bezirksvorsteherin und Kinderbeauftragte im Stadtbezirk.

Diesmal ist eine ganze Kinderwoche geplant

Fest stehen bereits der Ort und Termin der Hauptveranstaltung: „Das Kinderforum soll am 27. September im Gemeindesaal der katholischen Kirchengemeinde St. Josef stattfinden“, sagt Ramp. Geplant sei diesmal allerdings eine ganze Kinderwoche. Auftakt soll ein großes Kinderfest im Wilhelm-Braun-Sportpark werden – in Kooperation und Zusammenarbeit mit der Bernstein-Köllner-Stiftung. Sie fördert und finanziert in erster Linie Projekte für bedürftige Kinder in Feuerbach.

Höhepunkt der verschiedenen Aktivitäten soll dann der Aktionstag am 27. September werden. Aber auch die anschließende Nachbereitung dieser Veranstaltung sei wichtig, betonte Kieninger im Mai bei der Sitzung im Bezirksbeirat. 5000 Euro stünden neuerdings für die Durchführung eines solchen Projektes zur Verfügung. Zielgruppe seien Kinder zwischen 5 und 12 Jahren. Kieninger rechnet beim Kinderforum in Feuerbach mit einer großen Resonanz: „Viele örtliche Einrichtungen, die mit Kindern arbeiten, haben sich interessiert gezeigt.“ Pädagogisch begleitet werden soll das gesamte Vorhaben auch von Lehrern, Erziehern, Sozialpädagogen und Mitarbeitern der Kinder- und Jugendarbeit. Aber auch die Mitglieder des Bezirksbeirats sowie Fachleute aus der Verwaltung und Kinderbeauftragte sind gefragt, wenn es um die Umsetzungsphase geht. Als Anregung und Ideengeber kann das erste Forum dienen. Es fand am 18. November 2010 auf der Bürgerhaus-Etage im Freien Musikzentrum statt. Damals beteiligten sich Schüler aus der Hohewart- und Bachschule sowie Kita-Kinder aus den Tageseinrichtungen Forststraße, Burgherrenstraße, Böhmerwaldstraße und Weilimdorfer Straße.

Paten für die Projekte gesucht

Auf der Wunschliste geplanter Vorhaben stand damals die Schaffung eines Kräuterbeetes im Garten der Kita Forsthausstraße. Aber auch allgemeinere Wünsche äußerten die Kinder: Sie forderten zum Beispiel eine kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs für alle Schülerhort-Kinder. „Das konnte leider nicht umgesetzt werden“, sagt Ramp. Realisiert wurden die Aufstellung einer Sitzbank vor der Real- und Hohewartschule. Sie musste aber später aufgrund eines Bauprojektes wieder entfernt werden. Und in der Grünfläche „Alter Friedhof“ wurde ein neues Spielgerät installiert. Die Gruppe, die sich um den damaligen SPD-Bezirksbeirat Robert Thurner gebildet hatte, veranlasste, dass entlang des Fußweges durchs Feuerbacher Tal Tütenspender für Hundebesitzer aufgestellt wurden. „Auch diesmal suchen wir natürlich wieder Paten, die sich um die Umsetzung der Wünsche und Vorschläge kümmern“, sagt Ramp.

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