Kinderfreundliche Stadt Kinder wünschen sich mehr Sauberkeit

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Sicherheit, Sauberkeit, Natur und Gesundheit sind Stuttgarter Kindern zwischen sechs und 13 Jahren am wichtigsten. Die Ergebnisse der Befragung, bilden die neun zentralen Handlungsfelder der „Konzeption für ein kinderfreundliches Stuttgart 2015 – 2020“.

Mehr Spielplätze ohne Kippen, Glasscherben oder Hundekot fordern die Kinder. Foto: dpa
Mehr Spielplätze ohne Kippen, Glasscherben oder Hundekot fordern die Kinder. Foto: dpa

Stuttgart - Sicherheit, Sauberkeit, Natur und Gesundheit sind Stuttgarter Kindern zwischen sechs und 13 Jahren am wichtigsten. Dies habe eine repräsentative Befragung von 600 Kindern ergeben. Die Ergebnisse der Befragung, ergänzt durch eine Befragung von Eltern und einer Einschätzung von Experten aus der Stadtverwaltung, bilden die neun zentralen Handlungsfelder der „Konzeption für ein kinderfreundliches Stuttgart 2015 – 2020“. Diese hat OB Fritz Kuhn (Grüne) zweieinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt gemeinsam mit der Kinderbeauftragten Maria Haller-Kindler bei einer Pressekonferenz vorgelegt. „Es ist ein Beteiligungsergebnis, wie Kinder sich das Leben in der Stadt vorstellen“, so Kuhn.

Aktion Gute Fee soll reaktiviert werden

Die Prioritäten seitens der Kinder hätten auch ihn überrascht, räumte der OB ein. Denn an erster Stelle nannten die Kinder auf die Frage nach den fünf wichtigsten Themen Sicherheit und Sauberkeit, gefolgt von Umwelt, Sport und Spielplätzen. Konkret wünschen sich die Kinder demnach mehr Polizeipräsenz, Selbstverteidigungskurse in den Schulen, längere Grünphasen für Fußgänger an Ampeln, weniger Autos, mehr Radwege. Und sie bemängeln zu wenig Mülleimer und Zigarettenständer sowie Hundekot und Scherben auf Spielplätzen.

„Unser Ziel ist, dass sich Kinder in dieser Stadt wohl fühlen“, sagte Kuhn. „Das wird die Leitlinie für die Kinderpolitik der Stadt Stuttgart sein.“ Bezogen auf das Handlungsfeld Nummer 1 (Sauberkeit und Sicherheit) ergänzen die Experten, das Stuttgart eine „vergleichsweise sichere Stadt“ sei und belegen dies mit der Kriminalstatistik 2014. „Wir werden bald Stadtteilrundgänge mit den Kindern initiieren, auch zusammen mit der Polizei“, kündigt Haller-Kindler an. So könnten vor Ort Probleme identifiziert werden. Zudem solle die Aktion Gute Fee, die bereits unter der Amtszeit von OB Wolfgang Schuster (CDU) erfolgt war, reaktiviert werden.

Kritik an fehlenden Kinderärzten

Im Handlungsfeld 2 (Umwelt und Natur) wünschen sich die Kinder neben autofreien Tagen auch mehr Bäume, Wiesen, Bäche und Seen in der Stadt. Die Empfehlung folgt diesen Vorschlägen nur indirekt und schlägt vor, Parks und Plätze in der Innenstadt „unaufgeräumter“ zu belassen. Kitas und Schulen sollten eben mehr Ausflüge machen oder Schulgärten einrichten. Beim Handlungsfeld 3 (Gesundheit, Sport, Bewegung und Ernährung) wünschen sich die Kinder mehr altersangepasste Spiel- und Bolzplätze, Schwimmbäder, Wasserspender, Fitnessstudios für Kinder und Sportangebote für Mädchen. Eltern und Pädagogen kritisieren, dass Bewegung auf engem Raum schwierig sei und es nicht in allen Stadtgebieten genug Kinderärzte gebe. Fehlende Schwimmbäder räumt die Verwaltung ein und empfiehlt, Bewegungsangebote in Kitas und Ganztagsschulen auszubauen, Winterspielplätze und Wasserspender einzurichten und Standards zur Qualität des Mittagessens und zur Bewegungsförderung festzulegen.

Beim Handlungsfeld 4 (Stadtraum und Spielflächen) zeigt der seit 1977 existierende Spielflächenleitplan, wo es klemmt: Die 106 Hektar Spielflächen verteilen sich eben sehr unterschiedlich auf die Stadtbezirke. Viel zu wenig Spielflächen haben alle Innenstadtbezirke sowie Bad Cannstatt. Die Kinder beklagen zudem Einschränkungen durch Baustellen. Dies müsse, so die Fachleute, auch bei S 21 berücksichtigt werden. Sie empfehlen, Spielplätze auf Dächern und in verkehrsberuhigten Zonen einzurichten sowie Mädchen und Jungen bei der Gestaltung von Spielflächen standardmäßig zu beteiligen.

Kinder fordern: Stuttgart soll billiger werden

Auch Armut ist für 15 Prozent der Kinder ein Thema. „Stuttgart soll billiger werden“, fordern sie. Und: „Es könnte einmal in der Woche allen Kindern vorgelesen werden.“ Die Experten empfehlen, mehr konsumfreie Treffpunkte einzurichten.

In weiteren Handlungsfeldern zu den Themen Verkehr, Kinderbeteiligung, Schule/Kita sowie Kultur kritisieren Kinder Eltern, die zu schnell in die Schule fahren und wünschen sich ein Technikmuseum und Rock- und Popkonzerte. Eltern wünschen sich einheitliche Anmeldesysteme für alle Kitas und flexible, hochwertige und natürlich ausreichende Betreuungsangebote.

Die Konzeption soll im Jugendhilfeausschuss und im Verwaltungsausschuss beraten und am 16. Juli vom Gemeinderat beschlossen werden. Dazu gehört auch, dass die Kinderbeauftragte Mitglied im Jugendhilfeausschuss wird und dort regelmäßig sowie im Gemeinderat „spätestens in zwei Jahren“ über die Umsetzung berichtet.

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