Kinderfreundliches Stuttgart Stuttgart will Kinder besser vor Gewalt schützen

Streit und Konflikte machen Schülern das Leben schwer. Foto: dpa/Oliver Berg

Wo sich Kinder oft aufhalten, sollen sie sich sicher fühlen. Einer dieser Orte ist die Schule. Schulbehörden, Polizei und Verwaltung arbeiten deshalb gemeinsam an einem kommunalen Gewaltpräventionsprojekt. Es soll an drei Schulen erprobt werden.

Stuttgart - Wenn keiner guckt, kennen manche Kinder keine Grenzen. Andere, die nicht ins Raster passen, werden gehänselt. Wehrlose beleidigt und ausgegrenzt. Und manchmal hört all das erst auf, wenn die Fäuste fliegen und Erwachsene einschreiten. Gehänselt oder beleidigt werden rund 19 Prozent der Kinder fast täglich oder wöchentlich. Als die Stadt Stuttgart unter der Regie der Kinderbeauftragten Maria Haller-Kindler mehr als 600 Kinder befragt hat, wo sie bedroht werden, antwortete mehr als die Hälfte: „In der Schule.“

 

Maßgeschneidertes Konzept

Damit ist das Handlungsfeld klar identifiziert. Statt mit Raufereien und Mobbing sollen Kinder lernen, Streit und Konflikte mit Worten zu lösen – an dem Ort, wo sie sich am meisten aufhalten und mit den Erwachsenen, die sie meistens um sich herum haben: Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter, Mitschüler. Der Verwaltungsausschuss hat dem Konzept des Referats für Jugend und Bildung und der Finanzierung mit 10 000 Euro in diesem Haushaltsjahr 2022, 31 500 Euro im Haushaltsjahr 2023 und 21 500 Euro im Haushaltsjahr 2024 einmütig zugestimmt. Die Abteilung Stuttgarter Bildungspartnerschaft und das Kinderbüro der Stadt Stuttgart können in diesem Frühjahr mit der Umsetzung beginnen.

Sie müssen das Rad nicht neu erfinden. Sie können auf bewährte Angebote aufbauen, so zum Beispiel das Programm „Stark ohne Gewalt“ für die 8. und 9. Klassen sowie das Programm „Wehr dich mit Köpfchen“ für 3. und 4. Klassen und das Rahmenkonzept „stark.stärker.WIR“ des Landes. Ziel ist aber auch, ein maßgeschneidertes Konzept zur Gewaltprävention für den Arbeits- und Lebensraum Schule gemeinsam mit allen schulischen Akteuren zu entwickeln, die Schulen dabei inhaltlich und organisatorisch zu unterstützen.

Einigkeit über das Ziel schaffen

An die Abteilungen Stuttgarter Bildungspartnerschaft und das Kinderbüro ging der Arbeitsauftrag, Leitlinien für eine gewalt-präventive Schule zu entwickeln und sie in der Zusammenarbeit mit Schülern, Lehr- und Fachkräften anzupassen. Zum Beispiel, dass es für Schüler möglich sein muss, ihre Bedürfnisse und Gefühle wie Wut, Freude oder Scham wahrzunehmen und damit umzugehen, dass die Erwachsenen auf Fähigkeiten, Interessen, Bedürfnisse der Schüler eingehen, die Klassen- und Schulgemeinschaft gestärkt wird, aber auch, dass eine Schule festschreibt, was sie nicht will, zum Beispiel „dass jemand an der Schule respektlos behandelt, entmutigt, abgelehnt, entwürdigt, erpresst, gehänselt oder beschimpft wird“, heißt es in einem Zwischenbericht.

Start mit drei Modellschulen

Geplant ist zunächst die Begleitung von maximal drei Schulen aus dreierlei Schulformen für zwei Jahre in einer Pilotphase. Dort soll das bisher erarbeitete Konzept in der Praxis umgesetzt werden – mit Anpassungen und Verbesserungen, die nötig erscheinen. Das Referat für Jugend und Schule rechnet damit, dass die Umsetzung zwei Jahre in Anspruch nehmen wird. Deshalb ist ein Zwischenbericht über die Erkenntnisse aus den Modellvorhaben erst im Lauf des Jahres 2023 geplant. Bis dahin aber guckt jeder aus der Schulgemeinschaft genau hin, insbesondere an den betreffenden Modellschulen.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgart Gewaltprävention Schulen