Stuttgart - Ist Stuttgart eine kinderfreundliche Kommune? Dazu gibt es viele unterschiedliche Antworten, je nach Thema. Wir bieten einen kleinen Überblick.
Kitaplätze
Einen Krippenplatz zu bekommen ist in Stuttgart immer noch Glücks- oder Vermögenssache. Denn es fehlen trotz aller Ausbaubemühungen der Stadt immer noch mehr als 3000 Plätze für Kleinkinder. Auch eine Klage auf Rechtsanspruch schafft keinen einzigen Platz mehr. Viele Familien weichen deshalb auf private Kitas aus. Bei diesen reicht die Gebührenspanne bis zum Vier- oder Fünffachen einer städtischen Kita (dort kostet ein Ganztagsplatz für unter Dreijährige 219 Euro je Monat).
Viele Eltern können nur durch sie Familie und Beruf miteinander vereinbaren. Das gilt mit dem Blick auf Kitas ebenso wie auf die Schulkindbetreuung. In beiden Bereichen hat die Stadt zugelegt. Bei den Kitas werden alle Beteiligten aber durch den Erziehermangel ausgebremst. Die Folge ist in vielen Einrichtungen eine Einschränkung der Betreuungszeiten und des Angebots. Der Personalausbau durch die attraktivere, weil mit Bezahlung verbundene praxisorientierte Erzieherausbildung (Pia) wirkt nicht sofort. In der Grundschule können Eltern zwischen einer verbindlichen Ganztagsbetreuung und einer Halbtagsschule bis maximal 14 Uhr wählen. An manchen Standorten gibt es auch Schülerhäuser, die wie Horte funktionieren. Die Ausstattung mit Mensen, Küchen oder Spielflächen ist an den Standorten höchst unterschiedlich.
Schulsanierungen
Das Thema Schulsanierungen ist in Stuttgart eine unendliche Geschichte. Jahrzehntelang wurde die Instandhaltung der Schulhäuser vernachlässigt. Längst gibt es zwar eine Prioritätenliste der Baumaßnahmen, doch unter anderem wegen der vom früheren Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) verordneten Stellenkürzungen in der Stadtverwaltung klemmt es an der Umsetzung. Derzeit ist es schwierig, die Stellen für die Planer zu besetzen, auch Handwerker sind rar. 2018 konnte ein Drittel des Budgets von 40 Millionen Euro zur dringenden Schulsanierung nicht ausgegeben werden. Der Rückstand macht sich nicht nur durch weiterhin stinkende Toiletten oder defekte Fenster bemerkbar, sondern bremst die Stadt auch bei der Digitalisierung der Schulen aus.
Aktionsplan
Die Stadt Stuttgart will das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ erhalten. Unicef und das Kinderhilfswerk unterstützen sie auf diesem Weg. Bis zu den Sommerferien will OB Fritz Kuhn (Grüne) dem Gemeinderat einen Aktionsplan vorlegen, der auch in den Haushaltsberatungen berücksichtigt werden soll. Dieser gründet auf einer Befragung von 630 Stuttgarter Kindern. Das Ergebnis: Sie haben ein großes Bedürfnis nach Sicherheit und Gewaltfreiheit in der Schule, aber auch im öffentlichen Raum, wünschen sich spannendere Spielflächen für ältere Kinder, mehr Mitspracherecht, aber auch mehr Sauberkeit auf den Spielplätzen. Diese und die Bolzplätze bewerteten die Kinder mit 2,4. Fast 50 Prozent wünschen sich mehr Spiel- und Sportangebote und 62 Prozent „ruhige Orte zum Chillen“.