Kindergärten in Renningen Kinderbetreuung: Probleme reißen nicht ab

Von Kathrin Klette 

Mitarbeiter gehen oder wechseln: Öffnungszeiten an drei Kindergärten werden reduziert. Eltern kritisieren Pläne für das nächste Baugebiet.

Im Kindergarten Geranienweg stehen größere Einschränkungen bevor. Foto: factum/Simon Granville
Im Kindergarten Geranienweg stehen größere Einschränkungen bevor. Foto: factum/Simon Granville

Renningen - Es klingt nach einem schier unglaublichen Zufall: An drei Kindergärten in Renningen müssen in naher Zukunft Öffnungszeiten reduziert werden, weil allein dieses Jahr gleich mehrere Mitarbeiter die Einrichtungen verlassen: drei sind es beim Kindergarten Hummelbaum B, sogar sechs beim Kindergarten Geranienweg. Auch in der Voräckerstraße stehen Abschiede bevor.

Ganz so unglaublich ist der Zufall am Ende zwar nicht. Einige Mitarbeiter verlassen Renningen nämlich nicht, sondern wechseln nur die Einrichtung und werden als Erzieher im neuen Sportkindergarten in der Rankbachstraße anfangen. Dieser wird zum 1. Mai eröffnet. Diese Mitarbeiter fehlen dann natürlich an ihrem ursprünglichen Standort. Gleichzeitig gehen aber noch weitere Erzieher, aus unterschiedlichen Gründen. Das führt nun dazu, dass die Stadt die Öffnungszeiten in den genannten Einrichtungen reduzieren muss, zum Teil auf unbestimmte Zeit. Bei den Eltern ist die Verunsicherung verständlicherweise groß.

Große Einschränkungen im Geranienweg

Die größten Einschränkungen hat der Kindergarten im Geranienweg zu erwarten, berichtet Daniel Dreßen, Leiter der Abteilung Bildung, Familie und Soziales im Renninger Rathaus. „Dort haben wir in der Spitze eine Vakanz von 484 Prozent.“ In der Folge müssen ab 1. April bei zwei der vier Ganztagsgruppen die Öffnungszeiten spürbar reduziert werden: statt täglich von 7 bis 17 Uhr wird eine Betreuung nur noch von 7 bis 15 Uhr möglich sein.

Welche Eltern letztlich betroffen sein werden und welche die längeren Öffnungszeiten behalten können, ist noch nicht geklärt. Das soll gemeinsam mit den Elternbeiräten erörtert werden, sagt Dreßen. „So etwas geht nur zusammen. Es geht hier ja auch um Existenzen, das ist uns klar.“ Die Stadt hegt die Hoffnung, dass es Eltern gibt, die sich freiwillig für das gekürzte Angebot entscheiden. Eine Ganztagsbetreuung „light“, die nur bis 15 Uhr geht, wurde nämlich in einer Elternbefragung einst von vielen befürwortet.

Deutlich geringer fallen zunächst die Einschränkungen in der Voräckerstraße aus. Betroffen sind zwar alle Ganztagsgruppen, allerdings nur am Freitag. Dann müssen die Kinder statt um 17 Uhr schon um 15 Uhr abgeholt werden. Die Änderung gilt ab dem 1. März.

Der dritte betroffene Kindergarten ist Hummelbaum B. Von dort wird die Kindergartenleiterin in die neue Sportkita wechseln und noch zwei Erzieherinnen „mitnehmen“. „Hier wird es so sein, dass in der Zeit vom 1. Juni bis zum Beginn der Sommerferien einmal pro Woche zweieinhalb Stunden wegfallen“, erklärt Daniel Dreßen. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden die Einschränkungen hier aber nur für die genannte Zeitspanne gelten. Eine neue Leiterin ist ebenfalls gefunden.

Weitere Einschränkungen könnten folgen

Die Verunsicherung bei den Eltern ist nun groß, weiß Nicole Volk vom Vorstand des Gesamtelternbeirats. Vor allem im Geranienweg und in der Voräckerstraße. Denn die Reduzierungen dort gelten nicht nur für unbestimmte Zeit, es handelt sich jeweils auch nur um die erste Phase der Einschränkungen. „Ich fürchte, es ist eher wahrscheinlich, dass noch weitere Einschränkungen folgen werden, als dass wir die bestehenden zurücknehmen können“, sagt Daniel Dreßen.

Die Hoffnung auf kurzfristige Lösungen ist eher gering. Mitarbeiter von anderen Standorten kurzzeitig an den freien Stellen einzusetzen, wird jedenfalls nicht möglich sein. „Wir haben nicht so viel Spielraum, dass wir wirklich umschichten könnten“, so Dreßen. Das Problem sei, dass die Fälle, bei denen es nicht um den Wechsel in die Rankbachstraße geht, so nicht vorherzusehen waren. „Das hat uns kalt erwischt.“

Die bisherigen Gespräche mit den Eltern seien trotz allem sehr konstruktiv verlaufen, wofür er sehr dankbar sei. Nicole Volk hegt ebenfalls die Hoffnung, dass es so bleibt. Gleichzeitig schwebt über allem die Frage, wie es weitergeht. „Von den Eltern wird Flexibilität verlangt, da hoffen wir natürlich, dass auch die Stadt flexibel ist“, so Volk. Der Bedarf für eine tägliche Betreuung nur bis 15 Uhr bestehe tatsächlich bei einigen. Aber sie so kurzfristig umzusetzen, könnte mehr als schwierig werden. Einen Lösungsansatz sieht sie darin, in der Anfangszeit eine Mischung von Ganztag und Ganztag „light“ zuzulassen. Auch darüber wird in den Gesprächen zwischen Stadt und Elternbeiräten diskutiert werden.

Das Ringen um jeden Erzieher

Viel diskutiert wird über die Kinderbetreuung in Renningen schon seit einigen Jahren. Das Problem: Es gingen schlicht die Plätze aus. Vor allem in Malms­heim, gerade durch das Wohngebiet Schnallenäcker II, sind die Wartelisten für Kitas nach wie vor lang, Ganztagsplätze sind gefragt wie nie. Der Kindergarten in der Jahnstraße und der Neubau in der Rankbachstraße brachten und bringen laut Bürgermeister Wolfgang Faißt eine Erleichterung. Doch auch das schönste Gebäude hat keinen Effekt, wenn es nicht genügend Erzieher dafür gibt. Und im Werben um Erzieher steht die Stadt in Konkurrenz mit sämtlichen Kommunen der Umgebung. Die Erzieherplätze in der Rankbachstraße sind Stand jetzt ebenfalls noch nicht voll besetzt.

Langfristige Lösungen sucht Renningen schon länger. Eine Ausbildungsoffensive wurde bereits auf den Weg gebracht, an weiteren Ansätzen wird gearbeitet. Zum Beispiel wird der neue Kindergarten im künftigen Baugebiet Schnallenäcker III gleich mit Wohnungen für Erzieher geplant. Eine Patentlösung ist aber noch nicht gefunden. Und von Prämien, wie sie zum Beispiel Herrenberg und Leonberg an Erzieher vergeben, will Renningen ebenfalls absehen.

Vor diesem Hintergrund will es Nicole Volk nicht in den Kopf, „warum mit Gewalt jetzt auch noch Schnallenäcker III durchgeboxt wird“. Das Baugebiet wird voraussichtlich ab 2022 noch mal rund 1000 neue Einwohner nach Renningen bringen. „Wir verkraften doch schon Schnallenäcker II nicht, alles ist total überlaufen.“ Und die Problematik ende ja nicht bei Kindergärten. „Bei den Grundschulen wird es genauso weitergehen.“