Kinderhaus an der Kirchhaldenschule Kritik am späten Baustart

Von Torsten Ströbele 

Die Bezirksbeiräte wollen eine Verzögerung des Pilotprojekts an der Kirchhaldenschule nicht akzeptieren. Ohne zusätzliches Personal ist die Verzögerung aber nicht aufzuholen.

Hinter der Kirchhaldenschule befindet sich auf einem Hügel noch ein kleines Gärtchen. Dort soll aber möglichst bald das Kinderhaus gebaut werden. Foto: Torsten Ströbele
Hinter der Kirchhaldenschule befindet sich auf einem Hügel noch ein kleines Gärtchen. Dort soll aber möglichst bald das Kinderhaus gebaut werden. Foto: Torsten Ströbele

Stuttgart-Botnang - Der Bau des Kinderhauses an der Kirchhaldenschule wird sich verzögern – und zwar um insgesamt rund zwei Jahre. Eigentlich war die Eröffnung für Mai 2015 geplant, jetzt sieht der neue Zeitplan eine Fertigstellung nicht vor dem Frühjahr 2017 vor. Die Bezirksbeiräte erfuhren davon aus der Nord-Rundschau und ließen ihrem Ärger darüber in der letzten Sitzung vor der Sommerpause freien Lauf. „Im Grunde ist es unfassbar, dass man vonseiten der Stadtverwaltung die ganze Zeit nichts von einer Verzögerung hört“, sagte Ernst Hauschild (CDU).

Erst Ende Mai dieses Jahres habe man eine Vorlage zugeschickt bekommen, in der man von einer Inbetriebnahme des Kinderhauses im Jahr 2015 lesen konnte. Und auch in einer Stellungnahme des Schulverwaltungsamtes Anfang Juni sei von einem verzögerten Baubeginn keine Rede gewesen. „Das heißt, dass auch das Schulverwaltungsamt nichts von einem neuen Zeitplan wusste“, sagte Ernst Hauschild. Amtsleiterin Karin Korn bestätigte das auf Nachfrage unserer Zeitung.

„Geplatzte Termine erfahren wir erst durch die Presse“

Auch Frank Epple (Freie Wähler) ärgerte sich über die mangelnde Kommunikation der städtischen Mitarbeiter: „Es ist ein Skandal, wie mit dem Bezirksbeirat umgegangen wird. Das ist ja nicht nur bei diesem Thema so.“ Man stelle Anfragen an die Verwaltung und bekomme nie die wesentlichen Antworten mitgeteilt.

Ernst Hauschild hatte es in einem Antrag noch etwas schärfer formuliert: „Das Verhalten und die Vorgehensweise der Ämter ist unerträglich. Anfragen des Bezirksbeirats werden nicht beziehungsweise nur unvollständig und mit großer Verzögerung beantwortet. Geplatzte Termine erfahren wir erst durch die Presse.“ Deshalb beantrage man unter anderem, dass ein Vertreter der Stadtverwaltung den Bezirksbeiräten über die aktuellen Kinderhaus-Pläne berichtet und zugleich auch Vorschläge präsentiert, wie der zeitliche Rückstand wieder eingeholt werden kann.

Ein bis zwei Architekten mehr

Die anderen Bezirksbeiräte schlossen sich dem Antrag von Ernst Hauschild an und ergänzten, dass gleich in der nächsten Sitzung jemand von der Stadtverwaltung über den Stand der Dinge berichten soll. Das wird laut Bezirksvorsteher Wolfgang Stierle auch passieren: „Das Hochbauamt hat zugesagt, zu kommen.“ Am 17. September soll es soweit sein.

Auf Nachfrage stellt Alexander Hofmann vom Hochbauamt schon jetzt klar, dass die Verzögerung beim Bau des Kinderhauses ohne zusätzliches Personal nicht aufzuholen sei. Man bräuchte intern ein bis zwei Architekten mehr, die sich dann hauptsächlich nur um dieses Projekt kümmern können, sagt er. „Die Bauzeit lässt sich dagegen nicht verkürzen.“ Mittlerweile rechnet Alexander Hofmann sogar damit, dass die Arbeiten zwischen 18 und 24 Monate dauern werden. Bei einem Baubeginn im Herbst 2015 könnte das Kinderhaus dann also vielleicht erst im Oktober/November 2017 eröffnet werden.

Für Frank Riehl, den Vorsitzenden des Elternbeirats der Kirchhaldenschule, ist das viel zu spät. Er hat deshalb am 10. Juli einen Brief an die Bürgermeisterin Susanne Eisenmann und ihren Kollegen Dirk Thürnau geschrieben: „Wir können nicht verstehen, warum dieses Pilotprojekt, das auch auf politischer Ebene als beispielgebend präsentiert wurde, jetzt und ohne Vorankündigung dergestalt ausgebremst wird.“ Das Projekt solle zurück auf die ursprüngliche Zeitschiene gelenkt werden. „An der Realisierung hängen zu viele Themen wie eine neue Kindertagesstätte, eine neue Mensa oder auch der Übergang zur Ganztagsschule, so dass wir die aktuelle Entwicklung nicht akzeptieren wollen und auch nicht können“, schrieb Frank Riehl an die beiden Bürgermeister. Auf eine Antwort wartet er allerdings noch.

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